Dieses Video wurde am 15.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt tritt in ihre entscheidende Phase: Die AfD führt die Umfragen mit rund 42 Prozent an und peilt damit erstmals in einem deutschen Bundesland die absolute Mehrheit an. Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU steht unter enormem Druck. Er reist durch das gesamte Land, sucht den direkten Dialog mit den Wählerinnen und Wählern und wirbt für seine Partei als einzige tragfähige Alternative zur AfD. Seine Botschaft lautet klar: Noch ist nichts entschieden.
AfD auf Kurs zur absoluten Mehrheit
Mit einem Umfragewert von rund 42 Prozent ist die AfD in Sachsen-Anhalt so stark wie kaum eine andere Partei in einem westlichen Bundesland zuvor. Eine absolute Mehrheit würde bedeuten, dass die Partei allein regieren könnte – ohne Koalitionspartner und ohne Kompromisse.
Die zweitstärkste Kraft ist laut aktuellen Erhebungen die CDU, die jedoch weit hinter der AfD zurückliegt. Das politische Klima im Land ist von tiefer gesellschaftlicher Spaltung geprägt: Auf der einen Seite stehen traditionell orientierte Wähler, auf der anderen Seite Menschen, die einen grundlegenden Wandel fordern.
- AfD: rund 42 Prozent in aktuellen Umfragen
- CDU: zweitstärkste Kraft, mit deutlichem Abstand
- Absolute Mehrheit würde der AfD alleinige Regierungsbildung ermöglichen
- Gesellschaftliche Spaltung hemmt den politischen Dialog
Schulze setzt auf Bürgernähe und klare Abgrenzung
Sven Schulze wählt im Wahlkampf eine Strategie der Nähe: Der CDU-Spitzenkandidat und amtierende Ministerpräsident tourt durch die Altmark, macht Halt in Städten wie Osterburg und führt Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern. Sein Partei-Slogan lautet „Nur mit uns – für unsere Jungenlandwerte” – ein Appell, der angesichts der Umfragelage zugleich wie ein Hilferuf klingt.
Schulze betont dabei einen inhaltlichen Unterschied zur AfD: Ihm gehe es nicht um Parolen oder Social-Media-Klicks, sondern um konkrete Lösungen – insbesondere beim Erhalt und der Schaffung von Arbeitsplätzen in Sachsen-Anhalt.
Gleichzeitig hält er an der sogenannten Brandmauer zur AfD fest. Die CDU-Bundesspitze hatte diese Haltung zuletzt noch einmal bekräftigt. Schulze selbst hat versprochen: Mit ihm als Ministerpräsident wird es keine AfD-Minister geben – unabhängig vom Wahlergebnis.
Taktisches Wählen als Gegenstrategie
Eine Berliner Kampagnenfirma wirbt in Sachsen-Anhalt aktiv für taktisches Wählen. Das Kalkül dahinter: Je mehr Parteien den Einzug in den Landtag schaffen, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit einer absoluten Mehrheit für die AfD, weil mehr Stimmen auf mehrere Parteien verteilt werden.
Auch in Osterburg wird diese Option diskutiert. Ein langjähriges CDU-Mitglied berichtete, aktuell zu erwägen, bei der Wahl einer anderen Partei die Stimme zu geben – ausgerechnet um eine AfD-Mehrheit zu verhindern. Für Schulze wäre das jedoch ein zweischneidiges Schwert: Taktische Stimmen, die an kleinere Parteien fließen, fehlen der CDU direkt.
Das Dilemma zeigt, wie komplex die Lage für alle Parteien jenseits der AfD ist: Solidarische Stimmenverteilung kann einerseits die Mehrheit der AfD verhindern, schwächt aber gleichzeitig den direkten Konkurrenten um die Regierungsführung.
Ausblick: Offene Regierungsbildung trotz klarer Umfragen
Ob die AfD die absolute Mehrheit tatsächlich erreicht, wird sich erst am Wahltag entscheiden. Szenarien einer Koalitionsbildung ohne die AfD werden diskutiert, sind aber rechnerisch nur möglich, wenn mehrere Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Sachsen-Anhalt könnte damit zum politischen Testfall werden: für die Stabilität der Brandmauer, für die Mobilisierungskraft der CDU – und für die Frage, wie weit der Rechtsruck in ostdeutschen Bundesländern noch gehen kann.
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