Dieses Video wurde am 20.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Russlands Wirtschaft zeigt zunehmend deutliche Risse: Geschlossene Tankstellen, Rationierungen beim Benzin und ein historisch schlechter Zukunftsoptimismus der Bevölkerung zeichnen ein Bild, das Präsident Wladimir Putin mit Durchhalteparolen zu überdecken versucht. Während die Staatsführung Probleme kleinredet, wächst im Land selbst der Unmut – und erstmals importiert Russland als klassischer Ölexporteur nun Kraftstoff aus dem Ausland.
Putin spielt Wirtschaftsprobleme herunter
Auf einem Treffen äußerte sich Putin zu den wirtschaftlichen Kriegsschäden in Russland. Sein Tenor: Es gebe zwar Schäden, diese hätten jedoch keine gravierenden Folgen. Gleichzeitig verwies er auf ein Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent im ersten Halbjahr – ein Wert, der sogar leicht über den Prognosen gelegen habe.
Dieses Muster ist charakteristisch für Putins Kommunikationsstrategie: Probleme werden zunächst eingestanden, dann relativiert und schließlich mit der Botschaft verknüpft, dass die Lage unter Kontrolle sei. Beobachter sprechen von einer rhetorischen Figur, die der Kreml seit Kriegsbeginn konsequent anwendet.
Benzinmangel trifft Bevölkerung im Alltag
Abseits der offiziellen Verlautbarungen sieht die Realität für viele Russinnen und Russen anders aus. In Moskau und zahlreichen Regionen sind Tankstellen zeitweise geschlossen oder begrenzen die Abgabemenge auf maximal 40 Liter pro Fahrzeug. In einigen Landesteilen ist die Lage noch angespannter.
Ursache ist der massive Ausfall von Raffineriekapazitäten durch ukrainische Drohnenangriffe. Genaue Zahlen liegen nicht vor, doch Schätzungen zufolge kann Russland derzeit nur noch zwischen 40 und 65 Prozent seines inländischen Benzinbedarfs selbst produzieren. Das verbleibende Defizit ist erheblich.
- Viele Tankstellen in Moskau zeitweise geschlossen oder mit Mengenbegrenzung
- In ländlichen Regionen teils noch gravierendere Engpässe
- Schätzungsweise 35 bis 60 Prozent der Raffineriekapazität durch Drohnenangriffe ausgefallen
- Händler auf Plattformen wie Wildberries berichten von Warenverlusten und drohendem persönlichen Ruin
Russland importiert erstmals Kraftstoff aus dem Ausland
Um die Engpässe zu kompensieren, hat Russland – eines der größten Ölförderländer der Welt – begonnen, Kraftstoff zu importieren. Lieferungen kommen unter anderem aus Belarus und Kasachstan, aber auch aus Indien. Gerade der Bezug aus Indien dürfte die Preise weiter in die Höhe treiben, da längere Transportwege und höhere Logistikkosten anfallen.
Vollständig wird der Ausfall durch Importe nicht ausgeglichen werden können. Die Entwicklung verdeutlicht jedoch, wie stark die ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur die Versorgungslage im Inland beeinträchtigen.
Stimmung in der Bevölkerung so schlecht wie seit 2021 nicht mehr
Ein weiterer Indikator für die angespannte Lage ist die öffentliche Stimmung. Das staatliche Meinungsforschungsinstitut FIOM hat in einer aktuellen Umfrage zum wirtschaftlichen Zukunftsoptimismus einen Tiefstand gemessen: 66 Prozent – also zwei Drittel der Befragten – bewerten die künftige Wirtschaftslage als eher schwierig. Das ist der schlechteste Wert seit dem Jahr 2021.
Dieser Pessimismus spiegelt die alltäglichen Erfahrungen wider: knappe Güter, steigende Preise und wirtschaftliche Unsicherheit. Bei denjenigen, die direkt von den Folgen betroffen sind – sei es durch Benzinmangel oder durch Verluste im Handel – findet Putins optimistische Rhetorik kaum noch Glauben.
Die Kombination aus wachsendem Versorgungsmangel, steigenden Importkosten und schwindender Zuversicht in der Bevölkerung dürfte den Druck auf Russlands Wirtschaft in den kommenden Monaten weiter erhöhen. Wie lange Durchhalteparolen die realen Einschränkungen im Alltag überlagern können, bleibt eine der entscheidenden Fragen für die innenpolitische Stabilität des Landes.
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