Dieses Video wurde am 21.08.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein gewaltiger Knall markiert das Ende einer Ära: Das rund 90 Meter hohe Kesselhaus des ehemaligen Kohlekraftwerks am Niederrhein ist gesprengt worden. Das Steinkohlekraftwerk, das seit 2017 vom Netz genommen wurde, prägte die Region über Jahrzehnte hinweg. Nun macht der Industriekoloss buchstäblich Platz für die Energiewende – auf dem Gelände soll eine moderne Anlage entstehen, die auf klimafreundlichere Technologien setzt.
Jahrzehnte Industriegeschichte in Sekunden weggesprengt
Das Steinkohlekraftwerk am Niederrhein gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden Elementen der Industrielandschaft in der Region. In seinen Spitzenzeiten erzeugte das Kraftwerk eine Leistung von mehr als 2.000 Megawatt – genug Strom, um Millionen Haushalte zu versorgen.
Nachdem die Anlage 2017 endgültig stillgelegt wurde, stand das Kesselhaus lange als stiller Zeuge vergangener Energiepolitik in der Landschaft. Die kontrollierte Sprengung des markanten Gebäudes ist nun der letzte symbolische Schritt, um die Vergangenheit abzureißen und Raum für Neues zu schaffen.
Sprengungen dieser Größenordnung erfordern monatelange Vorbereitung. Sicherheitsbereiche müssen eingerichtet, Gebäudeteile vorab geschwächt und der Ablauf präzise geplant werden, damit umliegende Strukturen unbeschädigt bleiben.
RWE setzt auf wasserstofffähiges Gaskraftwerk
Auf dem freigelegten Gelände verfolgt der Energiekonzern RWE ambitionierte Pläne. Vorgesehen ist ein wasserstofffähiges Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, das eine installierte Leistung von rund 850 Megawatt erreichen soll.
Wasserstofffähige Gaskraftwerke gelten als wichtige Brückentechnologie im Rahmen der Energiewende. Sie können zunächst mit Erdgas betrieben und schrittweise auf grünen Wasserstoff umgestellt werden, sobald dieser in ausreichenden Mengen verfügbar ist. Damit ermöglichen sie eine flexible und zunehmend emissionsärmere Stromerzeugung.
- Geplante Leistung: rund 850 Megawatt
- Technologie: Gas- und Dampfturbine, wasserstofffähig
- Betreiber: RWE
- Geplante Inbetriebnahme: ab 2030
Energiewende am Niederrhein: Ein Symbol des Wandels
Der Strukturwandel im Rheinischen Revier schreitet voran. Der Abschied vom Kohlekraftwerk und die gleichzeitige Ankündigung eines modernen Ersatzbaus zeigen, wie sich die Energielandschaft in Deutschland verändert. Regionen, die lange von Kohle und konventioneller Stromerzeugung geprägt waren, stehen vor der Aufgabe, wirtschaftliche Stabilität mit dem Übergang zu saubereren Energieträgern zu verbinden.
Das Projekt am Niederrhein steht exemplarisch für diesen Wandel: Wo einst Steinkohle verfeuert wurde, soll künftig eine Anlage stehen, die langfristig mit grünem Wasserstoff betrieben werden kann.
Für die lokale Bevölkerung bedeutet die Sprengung des Kesselhauses mehr als nur den Abriss eines Gebäudes – es ist der sichtbare Abschluss eines Kapitels der Industriegeschichte und der Beginn einer neuen Phase.
Ausblick: Inbetriebnahme frühestens 2030
Bis das neue Kraftwerk tatsächlich Strom ins Netz einspeist, wird noch einige Zeit vergehen. Nach den aktuellen Planungen von RWE ist eine Inbetriebnahme frühestens im Jahr 2030 möglich. Bis dahin müssen Genehmigungsverfahren abgeschlossen, Bauarbeiten durchgeführt und die technischen Anlagen installiert werden.
Die Entscheidung, am Niederrhein in ein wasserstofffähiges Kraftwerk zu investieren, ist auch ein Signal an die Region: Der Standort bleibt energiewirtschaftlich relevant – allerdings unter völlig anderen Vorzeichen als in der Kohleära. Ob und wie schnell der Übergang auf Wasserstoff gelingt, wird maßgeblich von politischen Rahmenbedingungen und dem Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland abhängen.
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