Dieses Video wurde am 21.08.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Gaspreise in Deutschland sind so hoch wie seit 2023 nicht mehr – und der Winter steht vor der Tür. Auslöser der jüngsten Preisspirale ist der Iran-Konflikt, der die globalen Energiemärkte erschüttert. Finanzexperte Hermann Josef Tenhagen, Herausgeber von Finanztipp, erklärt, was das für den Geldbeutel der Haushalte bedeutet, warum die Gasspeicher derzeit nur zur Hälfte gefüllt sind – und welche konkreten Schritte Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt unternehmen sollten.
Gaspreise auf dem höchsten Stand seit 2023
Seit Beginn des Iran-Konflikts sind die Gaspreise um rund zwei Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das Mehrkosten von etwa 300 Euro im Jahr – eine spürbare Belastung, die viele Familien direkt trifft.
Die Preise haben damit ein Niveau erreicht, das zuletzt im Jahr 2023 zu beobachten war. Experten warnen, dass sich die Lage im Winter weiter verschärfen könnte, wenn die Nachfrage steigt und die Speicher nicht ausreichend gefüllt sind.
Besonders problematisch: Die aktuell hohen Preise spiegeln nicht nur die geopolitische Unsicherheit wider, sondern auch strukturelle Schwächen bei der Bevorratung von Erdgas in Deutschland.
Gasspeicher nur halb voll – Konzerne spekulieren auf niedrigere Preise
Ein zentrales Problem ist der aktuelle Füllstand der deutschen Gasspeicher: Sie sind derzeit lediglich zu rund 50 Prozent gefüllt. Das liegt auch daran, dass die Speicher in privater Hand sind und die verantwortlichen Energiekonzerne bei den gegenwärtig hohen Preisen zurückhaltend beim Einkauf sind.
Statt jetzt zu befüllen, spekulieren die Unternehmen darauf, dass die Preise wieder sinken könnten. Das Problem dabei:
- Geht die Spekulation schief, tragen nicht die Konzerne das Risiko – sondern die Verbraucher.
- Im Winter, wenn alle Gas benötigen, könnten die Preise noch deutlich weiter steigen.
- Staatliche Regulierung greift bislang nicht ausreichend, um dieses Spekulationsproblem zu verhindern.
- Eine Nachregulierung mit verbindlichen Mindestfüllständen wäre laut Experten dringend notwendig.
Tenhagen kritisiert, dass ein Teil der drohenden Probleme hausgemacht sei – nicht nur durch die Energiekonzerne, sondern auch durch eine Bundesregierung, die diese Spekulationsmechanismen bislang zugelassen hat.
Was Verbraucher jetzt konkret tun sollten
Trotz der angespannten Lage gibt es eine klare Handlungsempfehlung: Wer seinen Gasliefervertrag jetzt sichert, schützt sich vor weiteren Preissteigerungen im Winter. Auch wenn die aktuellen Preise bereits hoch sind, ist ein fester Preis über die Wintermonate besser als das Risiko, im Februar oder März zu noch teureren Konditionen nachkaufen zu müssen.
Die wichtigsten Empfehlungen im Überblick:
- Läuft der eigene Vertrag bis Oktober oder November aus: Jetzt einen neuen Zwölfmonatsvertrag abschließen.
- Wer bereits durch den Winter abgesichert ist, muss keine Sofortmaßnahmen ergreifen.
- Den Markt beobachten – sollte der Iran-Konflikt nachlassen, könnten die Preise kurzfristig sinken.
Ein fester Vertrag funktioniert dabei wie eine Versicherungsprämie: Man zahlt möglicherweise etwas mehr als nötig, ist aber gegen das Schlimmste abgesichert.
Energiesicherheit: Besser als 2022, aber weiterhin verwundbar
Im Vergleich zur Lage nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs – als Deutschland in akuter Abhängigkeit von russischem Erdgas steckte – ist die Versorgungssicherheit heute stabiler. Experten betonen, dass ausreichend Gas grundsätzlich beschafft werden könnte. Die entscheidende Frage ist allein der Preis.
Doch genau das ist das Problem: Wird Gas knapp, steigen die Preise massiv – und am Ende zahlen stets die Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Konzerne hingegen profitieren. Dieses Muster, das bereits beim Öl zu beobachten ist, droht sich im kommenden Winter beim Gas zu wiederholen.
Mittelfristig bleibt die Forderung nach einer stärkeren staatlichen Steuerung der Gasspeicher auf dem Tisch. Solange dies ausbleibt, sind Haushalte auf milde Temperaturen und geopolitische Entspannung angewiesen – eine unsichere Grundlage für die Energieversorgung eines der größten Industrieländer der Welt.
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