Ahmad Mansur: Doppelmoral bei Antisemitismus und Linke
Extremismusexperte Ahmad Mansur kritisiert die Doppelmoral beim Thema Antisemitismus: Angriffe auf Synagogen bleiben Randnotizen – eine Moschee würde anders behandelt.
Dieses Video wurde am 18.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Islamismus- und Extremismusexperte Ahmad Mansur hat in einem Interview scharfe Kritik an der selektiven Empörungskultur in Deutschland geübt. Anlass ist das mögliche Erstarken der Linken bei der Berliner Wahl, obwohl die Partei zuletzt durch antisemitische Vorfälle im Wahlkampf aufgefallen ist. Mansur sieht darin ein symptomatisches Versagen: Wer Extremismus nur bekämpft, wenn er politisch ins eigene Bild passt, betreibt nach seiner Einschätzung eine gefährliche Doppelmoral.
Antisemitismus bei der Linken – und die ausbleibende Empörung
Mansur stellt eine klare Diagnose: Die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Antisemitismus sei stark davon abhängig, von welcher Seite er komme. Komme er aus dem rechten Lager, folge sofort der große Aufschrei. Komme er aus linken oder islamistischen Kreisen, bleibe die Reaktion auffällig schwach.
Als konkretes Beispiel nennt er einen erneuten Anschlag auf eine Synagoge in Deutschland. Dieser sei kaum mehr als eine Randnotiz gewesen. Mansur formuliert es pointiert: Wäre stattdessen eine Moschee Ziel des Angriffs geworden, hätten Tausende in Sekundentakt ihre Empörung in sozialen Netzwerken kundgetan. Diese Ungleichbehandlung hält er für nicht akzeptabel.
Die Linke in Berlin werbe zudem auf Arabisch um Wählerstimmen und setze Palästina als zentrales Wahlkampfthema. Mansur fragt kritisch, was Abgeordnete dieser Partei nach einer Wahl tatsächlich für Palästina tun könnten – außer gesellschaftliche Spaltung zu befördern.
Allianz zwischen Islamismus und Linksradikalen
Den Ursprung der engen Verbindung zwischen postkolonialer Linken und islamistischen Strömungen verortet Mansur an Eliteuniversitäten in den USA. Dort habe sich eine ideologische Partnerschaft gebildet, die den Kampf gegen Israel und für die „Befreiung Palästinas” zu einem zentralen Identitätsmerkmal gemacht habe – besonders nach dem 7. Oktober.
Mansur betont dabei eine wichtige Differenzierung:
- Die politische Linke sei nicht per se antisemitisch.
- Identitätspolitische Strömungen innerhalb der Linken hätten jedoch eine Radikalisierung befördert.
- Islamisten und Linksradikale eint dabei vor allem ein gemeinsamer Feind, nicht eine gemeinsame Vision.
- Diese Allianz führe zu einer Verharmlosung von Antisemitismus in bestimmten politischen Milieus.
Berlin, so Mansur, stehe vor ernsthaften Herausforderungen durch verschiedene extremistische Strömungen. Die Linke sei daher die falsche Antwort auf diese Probleme.
Gesunder Patriotismus als Gegenmittel gegen Radikalisierung
Ein weiteres Thema des Gesprächs ist die Forderung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach einem gesunden Nationalstolz. Mansur stimmt ausdrücklich zu und sieht darin einen zentralen Baustein im Kampf gegen Extremismus. Wer die eigene Flagge und demokratische Symbole nicht mit Überzeugung trage, überlasse diesen Raum den Radikalen.
Als Einwanderer, der seit über 22 Jahren in Deutschland lebt, sieht Mansur sich selbst als Beleg dafür, dass Patriotismus und Migrationsbiografie kein Widerspruch sind. Demokratischer Stolz müsse aktiv gelebt werden, nicht nur defensiv verteidigt werden.
Neues Buch „Haltung ohne Hass”: Warum Radikale so erfolgreich sind
In seinem neuen Buch „Haltung ohne Hass” analysiert Mansur, warum Extremisten aller Couleur so erfolgreich Menschen für sich gewinnen. Er benennt zwei Hauptursachen:
- Soziale Medien ermöglichen es, durch Polarisierung, Hass und Wut schnell große Gruppen zu erreichen – in Echokammern verstärkt sich dieser Effekt.
- Die politische Mitte agiert zu passiv und definiert sich primär über ihren Gegner, etwa durch Anti-AfD- oder Anti-Linken-Wahlkampf, statt ein eigenes positives Narrativ zu entwickeln.
Das Buch beleuchtet Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus gleichermaßen und fragt, wie eine Demokratie Menschen wieder begeistern kann. Mansur plädiert für eine klare Haltung gegen jede Form von Extremismus – unabhängig davon, ob sie ideologisch bequem erscheint oder nicht. Nur wer alle Formen des Hasses konsequent benennt, kann glaubwürdig für Demokratie eintreten.
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