CDU-Generalsekretärin zur Brandmauer und Umfragen
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann erklärt, warum die Brandmauer zur AfD bleibt und wie die Partei auf schwache Umfragen in Mecklenburg-Vorpommern reagiert.
Dieses Video wurde am 18.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Zwei Tage vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin steht die CDU unter erheblichem Druck. Aktuelle Umfragen sehen die Partei im Nordosten bei lediglich 6 Prozent – gefährlich nah an der Fünfprozenthürde. Franziska Hoppermann, Generalsekretärin der CDU, trat in einem Morgeninterview den Befürchtungen entgegen und bekräftigte zugleich den CDU Brandmauer-Kurs gegenüber AfD und Linkspartei. Sie machte deutlich: Die Partei kämpft weiter und hält an ihrem Unvereinbarkeitsbeschluss fest.
Schwache Umfragen: CDU kämpft um Einzug in Landtag
Die jüngsten Erhebungen für Mecklenburg-Vorpommern bereiten der CDU-Führung sichtlich Sorgen, auch wenn Hoppermann diese öffentlich herunterspielt. Mit nur 6 Prozent liegt die Partei knapp über der Sperrklausel. Die AfD führt dort mit rund 30 Prozentpunkten Vorsprung vor der CDU, während der Zweikampf um den Spitzenplatz zwischen der AfD und Manuela Schwesig (SPD) entschieden wird.
Hoppermann verwies darauf, dass Parteikollegen aus anderen Landesverbänden mit Bussen nach Mecklenburg-Vorpommern fahren, um Haustürwahlkampf zu machen. Auch Bundestagsabgeordnete seien persönlich vor Ort im Einsatz. „Wir kämpfen bis zum Schluss und sind sehr optimistisch”, betonte die Generalsekretärin.
Zugleich betonte sie, dass die drei anstehenden Wahlen – in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin – völlig unterschiedliche politische Ausgangslagen hätten und nicht pauschal miteinander verglichen werden dürften.
Brandmauer zur AfD bleibt – Unvereinbarkeitsbeschluss unangetastet
Die Debatte um den Umgang mit der AfD erhitzt derzeit die CDU intern. Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sprach sich dafür aus, ein mögliches AfD-Verbotsverfahren zu prüfen. Boris Rhein aus Hessen hingegen forderte in einem Gastbeitrag, die sogenannte Brandmauer zugunsten einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der AfD aufzugeben.
Hoppermann unterschied scharf zwischen beiden Positionen:
- Ein AfD-Verbotsverfahren zu prüfen sei Aufgabe der Bundesländer und der Bundesregierung, nicht des Bundestags – da diese mit den Verfassungsschutzbehörden zusammenarbeiteten.
- Der Unvereinbarkeitsbeschluss von 2018 bleibe bestehen – inhaltlich begründet und gleichermaßen gegenüber AfD wie Linkspartei.
- Kooperation oder Zusammenarbeit mit der AfD schließe die CDU kategorisch aus, weil grundlegende Werte unvereinbar seien.
- Positionen der AfD wie ein Austritt aus NATO, Euro und Schengen seien für die CDU nicht verhandelbar.
- Die abwertende Haltung der AfD gegenüber Menschen mit Einschränkungen oder ausländischen Mitbürgern widerspreche dem Grundverständnis der CDU fundamental.
Hoppermann stellte klar: Es gehe nicht um eine „Brandmauer per se”, sondern um prinzipielle Unvereinbarkeit aus inhaltlichen und wertebasierten Gründen. Der Unvereinbarkeitsbeschluss gelte auch gegenüber der Linkspartei, deren neuer Vorsitzender der CDU „faschistische Politik” vorwerfe – eine Aussage, die Hoppermann als weitere Radikalisierung wertete.
Reformstau und Spritpreise: CDU verteidigt Koalitionsbilanz
Ein weiterer Kritikpunkt im Interview betraf die schleppende Umsetzung von Reformen unter Bundeskanzler Friedrich Merz. Trotz vollmundiger Ankündigungen – vom „Herbst der Reform” bis zum „Frühling der Reform” – sehen viele Bürger kaum konkrete Ergebnisse.
Hoppermann verwies auf beschlossene Maßnahmen der Koalition:
- Das GKV-Entlastungsgesetz zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung mit 18 Milliarden Euro Einsparvolumen
- Vereinbarte Eckpunkte für eine Rentenreform, deren Gesetzentwurf nun von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas erwartet werde
- Eine angekündigte Pflegereform, um die Sozialversicherungssysteme langfristig zu stabilisieren
Zur Debatte um steigende Spritpreise – die zuletzt auch im Wahlkampf eine Rolle spielten – betonte Hoppermann, dass eine Entlastung nicht per Dekret funktioniere. Eine mögliche Mehrwertsteuersenkung auf Kraftstoffe halte sie für einen gerechten Ansatz, da der Staat vom hohen Preisniveau profitiere. Allerdings brauche jeder Schritt die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat.
Patriotismus und Deutschlandfahne: CDU will Symbol zurückgewinnen
Zum Abschluss des Interviews kam Hoppermann auf die viel beachteten Aussagen von Jürgen Klopp zu sprechen, der bei der Vorstellung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für einen positiv besetzten Patriotismus warb und die Schwarzrotgold-Fahne symbolisch „zurückfordern” wollte.
Hoppermann stimmte ausdrücklich zu. Sie erinnerte an Initiativen der Jungen Union, Deutschlandfahnen auf Schulhöfen zu hissen – als Zeichen für Freiheit und gleiche Würde aller Menschen. Die Erfolge deutscher Sportlerinnen und Sportler bei Welt- und Europameisterschaften seien positive Symbole für einen ungekrampften Nationalstolz. „Ich möchte das genauso nicht den Extremen überlassen”, sagte Hoppermann.
Die Debatte um Wahlergebnisse, Reformtempo und den richtigen Umgang mit der AfD wird die CDU auch nach den Landtagswahlen beschäftigen. Ob die Partei in Mecklenburg-Vorpommern den Einzug in den Landtag schafft, wird die Stimmungslage in der Bundespartei maßgeblich beeinflussen – und den Druck auf Führungsfiguren wie Hoppermann erhöhen oder mindern.
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