Trump, Xi und Putin: Macht-Poker auf der Weltbühne
Trump empfängt Xi Jinping und lädt Putin zum G20 ein: Was steckt hinter dem Macht-Poker? Ein Sicherheitsexperte ordnet die globalen Entwicklungen ein.
Dieses Video wurde am 24.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Macht-Poker zwischen den USA, China und Russland erreicht eine neue Intensität: US-Präsident Donald Trump empfängt den chinesischen Staatschef Xi Jinping in Washington, während Außenminister Marco Rubio bekannt gibt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember nach Miami eingeladen wurde. Sicherheitspolitik-Experte Nico Langer ordnet ein, was diese Entwicklungen für das globale Machtgefüge bedeuten – und warum Europa dabei zunehmend außen vor bleibt.
Putins G20-Einladung: Normalisierung oder Hoffnungsschimmer?
Die Einladung Putins nach Miami lässt sich laut Langer in zwei Richtungen deuten. Die pessimistische Lesart: Die USA versuchen, ihre Beziehung zu Russland zu normalisieren, weil sie dort erhebliche wirtschaftliche Interessen vermuten. Bereits beim G20-Finanzministertreffen war Russlands Finanzminister überraschend präsent – ein Signal, das in diese Richtung weist.
Die optimistischere Variante betrifft einen möglichen Energiewaffenstillstand im Ukraine-Krieg. Die Gespräche darüber haben sich zuletzt intensiviert, auch am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Während Russland entsprechende Vorschläge früher rundweg ablehnte und Trump selbst auf einem vollständigen Deal bestand, hat sich die Haltung beider Seiten verändert:
- Trump verkündete auf Truth Social voreilig einen Energiewaffenstillstand – dieser existiert zwar noch nicht, signalisiert aber seine Offenheit.
- Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Idee als „interessant” und lehnte sie nicht mehr ab.
- Hinter den Kulissen wird konkret verhandelt, etwa darüber, ob auch Schiffe im Schwarzen Meer einbezogen werden.
Ein sektoraler Waffenstillstand, der zumindest Angriffe auf Energieinfrastruktur aussetzt, könnte laut Langer das Beste sein, was in der aktuellen Phase des Krieges erreichbar ist – auch wenn die Bereitschaft beider Seiten, sich daran zu halten, noch unklar bleibt.
Das Trump-Xi-Treffen: Eine informelle G2 entsteht
Das Trump-Xi-Treffen in Washington ist bereits das zweite von insgesamt vier geplanten Zusammenkünften der beiden Staatschefs. Langer spricht von einer sich herausbildenden „informellen G2” – einem bilateralen Format, in dem die USA und China globale Spielregeln unter sich aushandeln, ohne die Interessen anderer Länder einzubeziehen.
Dabei zeigen sich laut dem Experten grundlegend unterschiedliche Ziele:
- Trump sucht die große Show – symbolische Gesten wie der Überflug eines B1-Bombers über Xi Jinpings Ankunft unterstreichen das.
- Xi Jinping hingegen setzt auf substanzielle Ergebnisse: Durchsetzung chinesischer Handelsinteressen und Ausbau des globalen Einflusses.
Die Bilanz fällt für Langer eindeutig aus: Im bisherigen Verlauf der Gespräche verbessere China seine Position, während sich die der USA verschlechtere. Trump, so das Urteil des Experten, sei kein besonders starker Verhandler – das zeige sich beim Iran, bei den Bemühungen um Putin und nun auch im Umgang mit Peking.
Europa als Zuschauer beim Poker der Großmächte
Besonders brisant ist die geopolitische Rolle Europas in diesem Szenario. Langer macht deutlich: Europa sitzt nicht am Tisch. Die Vereinbarungen, die Trump und Xi Jinping in ihren Treffen treffen, betreffen auch europäische Interessen – von Handelsregeln bis zu Sicherheitsfragen. Doch der Kontinent kann die Ergebnisse im Wesentlichen nur noch zur Kenntnis nehmen.
Diese Entwicklung verdeutlicht eine strukturelle Schwäche: Solange Europa keine eigenständige strategische Rolle im internationalen System einnimmt, bleibt es abhängig von Entscheidungen, die andere für es treffen. Das gilt für die Handelspolitik ebenso wie für die Frage, unter welchen Bedingungen der Krieg in der Ukraine eines Tages endet.
Ob der Energiewaffenstillstand kommt, ob das Trump-Xi-Format stabil bleibt und welche Rolle Putin beim G20 spielen wird – diese Fragen werden die internationale Politik bis Jahresende prägen. Eines ist jetzt schon klar: Die geopolitischen Weichen werden gerade in Washington, Peking und Moskau gestellt.
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