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Ost-West-Verhältnis

Deutsche Einheit: Thierse fordert Eigenverantwortung

Am Tag der Deutschen Einheit mahnt Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse: Ost-West-Unterschiede aushalten, Jammern beenden und demokratische Verantwortung übernehmen.

Redaktion · 3. October 2026, 16:00 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 03.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Jedes Jahr zum Tag der Deutschen Einheit wiederholt sich dasselbe Ritual: Klagen über Unterschiede zwischen Ost und West, gefolgt von Lob für die Ostdeutschen. Für den ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (SPD) ist das ermüdend. Im Interview äußerte er sich deutlich: Die anhaltende Debatte über die Ost-West-Spaltung ärgert ihn und langweilt ihn zugleich. Stattdessen plädiert er für Nüchternheit, wechselseitiges Verständnis und vor allem für demokratisches Engagement statt Klagen.

Ost-West-Unterschiede als deutsche Normalität begreifen

Thierse vergleicht das Verhältnis zwischen Ost und West mit einer Ehe: Auch langjährige Partner bleiben verschiedene Menschen — und das sei etwas Positives, keine Krise. Er erinnert daran, dass es auch zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg erhebliche regionale Unterschiede gebe, ohne dass darüber geklagt werde. Das sei einfach deutsche Normalität.

Dennoch räumt Thierse ein, dass 36 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer reale Unterschiede bestehen — insbesondere bei Vermögen, wirtschaftlicher Struktur, politischer Repräsentation und politischen Einstellungen. Diese Differenzen seien jedoch vor allem späte Nachwirkungen des Systemunterschieds: auf der einen Seite fünf Jahrzehnte westdeutsche Wirtschaftserfolge, auf der anderen ein gescheitertes Wirtschaftssystem der DDR.

Ein konkretes Beispiel nennt er beim Thema Erbschaften: In der DDR ist keine Erbengesellschaft entstanden — das erkläre bis heute Vermögensunterschiede, ohne dass man darüber klagen müsse, sondern es nüchtern feststellen solle.

Autoritäre Erwartungen an die Politik sind ein Problem

Was Thierse besonders irritiert: In Teilen Ostdeutschlands gebe es aus der DDR-Vergangenheit geprägte, fast autoritäre Erwartungshaltungen an die Politik. Das Motto „die da oben sollen es richten” sei zwar menschlich verständlich, aber demokratiepolitisch gefährlich.

Demokratische Politik könne in Zeiten vieler Krisen und brutaler Veränderungen nicht alle Wünsche erfüllen. Einfache, schmerzlose Lösungen für große Probleme seien illusorisch. Wer solche Lösungen verspreche, so Thierse, seien Populisten und Extremisten — und diesen solle niemand glauben, weder im Osten noch im Westen.

  • Demokratische Politik löst Probleme nur Schritt für Schritt
  • Kein Versprechen auf einfache Lösungen darf gemacht werden
  • Populisten nutzen genau diese Erwartungshaltung aus
  • AfD und Linkspartei pflegen laut Thierse gezielt Ressentiments für parteipolitisches Kapital

Einmischen statt klagen: Thierse ruft zur Eigenverantwortung auf

Der ehemalige Bundestagspräsident (1998–2005) erinnert daran, dass er in der DDR tatsächlich zweitklassig war — ohne Redefreiheit, ohne politische Mitsprache. Heute könnten alle Ostdeutschen wählen, Parteien und Gewerkschaften beitreten und Verantwortung übernehmen. Es sei „bequem”, alles von oben zu erwarten und zu schimpfen.

Thierse formuliert seinen Appell klar: Demokratie ist keine Garantie auf Wohlstandsmehrung, aber sie ist die Einladung, sich einzumischen, eigene Interessen zu vertreten und für den eigenen Wohlstand zu kämpfen. Jammern habe noch nie wirklich geholfen.

Wechselseitiges Verstehen als unvollendete Aufgabe

Auf die Frage, ob auch die Politik den Osten nicht ausreichend verstanden habe, gesteht Thierse ein Defizit ein: Der Prozess der deutschen Vereinigung sei zwar rechtlich und ökonomisch vollzogen worden, aber der notwendige menschliche Verständigungsprozess sei unvollständig geblieben.

Sein Wunsch: Ost- und Westdeutsche sollten sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten erzählen. Dann würde man erkennen, dass weder alle Ostdeutschen finstere Schurkengeschichten noch alle Westdeutschen strahlende Heldengeschichten hinter sich haben. Die Grautöne verteilten sich nicht nach der ehemaligen Systemgrenze.

Klischees wie „Jammerossi” und „Besserwessi” hätten eigentlich längst überwunden sein sollen. Dass sie noch immer existieren, sei Ergebnis gezielter politischer Pflege von Ressentiments. Der eigentliche Weg zu einem geeinten Deutschland führe nicht über das gegenseitige Beschuldigen, sondern über alltägliches demokratisches Engagement — vor Ort, in Organisationen und in der Gesellschaft.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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