Aktive ETFs: Boom und Chancen für Anleger
Aktive ETFs boomen: Der Markt hat sich in drei Jahren vervierfacht. Was diese Produkte auszeichnet, welche Vorteile sie bieten und wie Anleger sie richtig bewerten.
Dieses Video wurde am 07.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Aktive ETFs sind auf dem Vormarsch: Allein in Europa hat sich das investierte Kapital zwischen Ende 2022 und dem ersten Quartal 2025 von rund 20 Milliarden Euro auf rund 85 Milliarden Euro fast vervierfacht. Was hinter diesem Boom steckt, wie sich aktive ETFs von klassischen Produkten unterscheiden und worauf Anlegerinnen und Anleger bei der Auswahl achten sollten, erklären Experten von Xtrackers und W&W Asset Management.
Von klassischen ETFs zu aktiven Strategien
Der ETF-Markt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Ursprünglich standen einfache Indexprodukte im Mittelpunkt: Ein ETF auf einen Weltindex bildete diesen eins zu eins ab und gab Anlegerinnen und Anlegern unkompliziert Zugang zum breiten Markt. Diese klassischen Produkte sind nach wie vor ein zentraler Baustein vieler Portfolios.
Mit der Zeit kamen sogenannte Smart-Beta-Strategien hinzu. Diese ETFs setzen andere Schwerpunkte, etwa bei der Qualität oder der Bewertung von Unternehmen, ohne jedoch vollständig auf aktives Management zu setzen. Als jüngste Entwicklungsstufe sind nun aktive ETFs auf den Markt gedrungen – eine Kombination aus aktivem Portfoliomanagement und der bewährten ETF-Struktur.
Impulse kommen dabei vor allem aus den USA, wo aktive ETFs bereits seit längerer Zeit etabliert sind. Viele Anbieter bringen ihre dort erprobten Strategien nun auch auf den europäischen Markt. Gleichzeitig steigt hierzulande die Nachfrage, da immer mehr Anleger mit ETFs vertraut sind und die Vorteile des ETF-Mantels auch für aktive Investmentstrategien nutzen möchten.
Wie aktive ETFs funktionieren
Der entscheidende Unterschied zu passiven Produkten liegt in der Rolle eines Portfoliomanagers. Während ein klassischer ETF einen Index mechanisch nachbildet, trifft beim aktiven ETF ein Mensch bewusste Entscheidungen darüber, welche Wertpapiere im Portfolio enthalten sind und wie sie gewichtet werden.
Der ETF selbst funktioniert dabei zunächst nur als rechtliche und strukturelle Hülle. Die eigentliche Frage lautet: Was befindet sich darin? Beim aktiven ETF ist es ein aktiv gesteuertes Portfolio, das von Fachleuten kontinuierlich angepasst wird.
Für Anleger erkennbar ist das vor allem am Begriff „aktiv”, den die Regulatorik als Pflichtbezeichnung vorschreibt. Da aktive ETFs in digitalen Plattformen jedoch direkt neben passiven Produkten gelistet sind, empfiehlt es sich, genauer hinzuschauen – insbesondere das sogenannte Basisinformationsblatt zu lesen, um die genaue Strategie zu verstehen.
Vorteile aktiver ETFs gegenüber passiven Produkten
Aktive ETFs verbinden zwei Welten: das aktive Management auf der einen und die strukturellen Vorteile klassischer ETFs auf der anderen Seite. Konkret bieten sie Anlegern folgende Möglichkeiten:
- Outperformance-Potenzial: Durch gezielte Auswahl und Gewichtung einzelner Aktien oder Anleihen kann das Managementteam eine Rendite oberhalb des Vergleichsindex anstreben – ohne Garantie, aber mit echtem Potenzial.
- Aktives Risikomanagement: Das Portfoliomanagement kann auf Marktveränderungen reagieren und je nach Strategie Schwankungen gezielt begrenzen.
- ETF-typische Vorteile: Transparenz, Börsenhandelbarkeit und in vielen Fällen vergleichsweise günstige Kosten bleiben erhalten.
Wer weiterhin einen breiten Markt abbilden möchte, ist mit einem klassischen ETF gut bedient. Wer hingegen eine gezielte Titelauswahl sucht, kann dies nun auch im ETF-Mantel umsetzen.
Risiken erkennen und richtig auswählen
Vor der Produktwahl sollten Anleger sich eine grundlegende Frage stellen: Welche Aufgabe soll das Investment im eigenen Portfolio erfüllen? Entscheidungen, die allein von Social-Media-Trends oder Marketingbotschaften geleitet werden, führen nicht zwingend zur besten Produktwahl.
In einem zweiten Schritt gilt es zu verstehen, was die aktive Komponente des ETFs konkret leistet – also wie der Portfoliomanager vorgeht und welchen Mehrwert er gegenüber einem passiven Ansatz generiert. Erst danach sollten weitere Kriterien geprüft werden:
- Qualität und Erfahrung des Anbieters
- Fondsvolumen und Liquidität des ETFs
- Handelbarkeit an der Börse
- Kostenstruktur im Verhältnis zur erwarteten Leistung
Kosten allein als erstes Auswahlkriterium zu nehmen, greift dabei zu kurz. Die entscheidende Frage lautet: Was kommt nach Kosten und aktiver Steuerung tatsächlich beim Anleger an?
Aktive ETFs bereichern die Angebotspalette für Privatanleger spürbar. Sie schließen eine Lücke zwischen klassischen Indexfonds und aktiv gemanagten Investmentfonds – vorausgesetzt, Anlegerinnen und Anleger setzen sich sorgfältig mit Strategie, Anbieter und den eigenen Anlagezielen auseinander. Angesichts des anhaltenden Marktwachstums dürfte das Angebot in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
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