Friday, 23. October 2026
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Energiesicherheit

Raffineriestrategie: Europas Abhängigkeit von Öl

Deutschland plant eine Raffineriestrategie – Energieexperte Frank Umbach erklärt, warum Europa dringend weniger abhängig von russischem Öl und US-Gas werden muss.

Redaktion · 23. October 2026, 15:00 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 23.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Deutschland arbeitet an einer nationalen Raffineriestrategie – ausgelöst durch die Erfahrung, wie verwundbar Europa gegenüber geopolitischen Druckmitteln bei der Ölversorgung ist. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche hat dazu erste Gespräche mit Vertretern der Industrie aufgenommen. Energiesicherheitsexperte Frank Umbach warnt: Ohne eine abgestimmte europäische Strategie bleiben Deutschland und seine Nachbarn gegenüber Erpressungsversuchen durch Russland, aber auch durch andere Akteure wie die USA, dauerhaft anfällig.

Russlands Öl-Hebel: Der Auslöser der Debatte

Der unmittelbare Anstoß zur Raffineriestrategie war ein Problem rund um die Raffinerie Schwedt. Zwar konnte Deutschland Rohöl aus Kasachstan als Ersatz für russisches Öl beschaffen – doch der Transport musste weiterhin über russische Pipelines erfolgen. Eine Abhängigkeit, vor der Umbach nach eigenen Angaben seit Jahren gewarnt hatte.

Russland nutzte diesen Hebel schließlich gezielt: Die Weiterleitung des Öls über sein Territorium wurde blockiert. Das Beispiel zeigt, wie eng geografische Infrastruktur und geopolitische Macht miteinander verknüpft sind – und warum technische Alternativlösungen allein nicht ausreichen, solange die Transitwege in fremder Hand liegen.

Auch der NATO-Generalsekretär hat das Thema zuletzt aufgegriffen und eine europäische Raffineriestrategie angemahnt – ein deutliches Signal, dass Energieversorgung längst als sicherheitspolitische Frage behandelt wird.

Europas Raffineriekapazitäten schrumpfen

Die Zahlen verdeutlichen das strukturelle Problem: Deutschlands Anteil an der europäischen Raffineriekapazität liegt bei 16 Prozent, der EU-weite Anteil an der globalen Kapazität nur noch bei etwa 12 Prozent. Und diese Kapazitäten sind in den vergangenen Jahren – auch 2025 – weiter gesunken.

Öl ist dabei längst nicht nur ein Treibstoff für den Transportsektor. Umbach betont dessen zentrale Rolle für die Chemieindustrie, etwa bei der Herstellung von Kunststoffen. Der Bedarf wird trotz wachsender Elektromobilität noch für Jahrzehnte relevant bleiben.

  • Deutschlands EU-Anteil an Raffineriekapazität: 16 %
  • EU-Anteil an weltweiter Raffineriekapazität: ca. 12 %
  • Kapazitätsrückgang setzt sich 2025 fort
  • Öl als Rohstoff für Chemieindustrie bleibt langfristig unverzichtbar
  • NATO mahnt europäische Koordinierung der Raffineriepolitik an

Diversifizierung statt einseitiger Abhängigkeit

Umbach fordert eine breitere Diversifizierung der Energieversorgung – und zwar nicht nur mit Blick auf Russland. Auch gegenüber den USA bestehe ein wachsendes Risiko: Im Bereich Flüssigerdgas (LNG) liegt die europäische Importabhängigkeit von amerikanischen Lieferungen bereits bei rund 60 Prozent.

Angesichts der Bereitschaft der US-Regierung unter Donald Trump, Abhängigkeiten geopolitisch auszunutzen, sei auch diese Konzentration problematisch. Hinzu kommen Risiken durch globale Krisen – etwa Spannungen in der Straße von Hormus oder im Bab al-Mandab –, die sich unmittelbar auf den Weltmarktpreis für Öl auswirken, selbst wenn Europa weniger direkt betroffen ist als asiatische Importeure.

Eine robuste Strategie muss laut Umbach daher sowohl nationale als auch europäische Komponenten umfassen und das Gesamtsystem resilienter aufstellen.

Bezahlbarkeit von Energie: Ein politisches Kernthema

Parallel zur Versorgungssicherheit steht die Frage der Energiepreise ganz oben auf der politischen Agenda. In Deutschland fordern Ministerpräsidenten die Senkung der Stromsteuer, und auch Spritpreise bleiben ein dauerhaft sensibles Thema.

Umbach weist in diesem Zusammenhang auf ein weiteres strukturelles Problem hin: Sinkende Rohölpreise werden laut seinen Angaben am deutschen Markt nur zu etwa zwei Dritteln an die Verbraucher weitergegeben. Ein Hinweis auf mangelnde Wettbewerbsstrukturen im deutschen Kraftstoffmarkt.

Gleichzeitig zählen die Industriestrompreise in Deutschland zu den höchsten in Europa – ein ernsthafter Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort. Eine Senkung dieser Preise sei, so Umbach, kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit.

Die geplante Raffineriestrategie ist damit mehr als eine Branchenmaßnahme: Sie steht am Schnittpunkt von Versorgungssicherheit, geopolitischer Souveränität und wirtschaftspolitischer Handlungsfähigkeit. Ob Deutschland und Europa daraus eine kohärente, langfristig wirksame Politik ableiten können, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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