AfD vs. CDU: Baumann zur Brandmauer-Strategie
AfD-Politiker Bernd Baumann erklärt, warum die Brandmauer-Strategie der CDU scheitert und wie die SPD als linke Anführerpartei die politische Mitte verdrängt.
Dieses Video wurde am 09.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Brandmauer-Strategie der CDU steht unter massivem Druck – und zwar nicht nur von außen. Bernd Baumann, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Bundestag, sieht in den jüngsten Entwicklungen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern den Beweis, dass das politische Koordinatensystem in Deutschland sich grundlegend verschiebt. Die AfD gewinne an Stärke, während die CDU zwischen den Blöcken zerrieben werde – so Baumanns Kernthese.
SPD als neue Antipartei: Strategische Neuausrichtung nach links
Baumann sieht in der Berliner Koalitionssondierung ein deutliches Signal für eine strategische Neupositionierung der SPD. Dass die Sozialdemokraten eine Regierungsbildung mit der Linken anstreben – einer Partei, bei der man laut Baumann eigens eine Selbstbeobachtungsstelle gegen Judenfeindschaft einrichten müsste –, zeige, wohin die Reise gehe.
Die SPD habe erkannt, dass sie die Stärke der AfD als Mobilisierungswerkzeug nutzen kann: als Anführerin eines linken Blocks, der sich klar gegen die AfD positioniert. Dieses Modell sei in Mecklenburg-Vorpommern unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bereits erprobt worden – mit dem Ergebnis, dass die CDU dort weitgehend bedeutungslos geworden sei.
Friedrich Merz soll Schwesig intern scharf kritisiert haben, weil ihr Wahlkampf die politische Mitte „zerrieben” habe. Schwesig wies die Kritik zurück. Baumann wertet den Streit als Beleg dafür, dass die SPD-Strategie wirkt – und bundesweit replizierbar ist.
Sachsen-Anhalt: CDU-Abgeordnete begehren gegen Merz-Kurs auf
In Sachsen-Anhalt hat die CDU bei der jüngsten Landtagswahl mehr als die Hälfte ihrer Stimmen verloren – von rund 37 auf etwa 17 Prozent. Baumann sieht darin die direkte Folge des strikten Brandmauer-Kurses gegenüber der AfD.
Für Aufruhr sorgte die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten: Er erhielt vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen Sitze im Landtag haben. Fraktionschef und noch-Ministerpräsident Sven Schulze hatte eine geschlossene Enthaltung der CDU-Abgeordneten angekündigt – doch bei der Geheimwahl hielt sich ein Teil der Fraktion nicht daran.
Bundesfamilienministerin Karin Prien forderte daraufhin den Parteiausschluss der betreffenden Abgeordneten. Baumann kritisierte dies scharf:
- CDU-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt hätten den Brandmauer-Kurs „fürchterlich teuer bezahlt”
- Das Aufbegehren sei ein Signal, das bis in den Bundestag hineinwirke
- Strafandrohungen gegen Abgeordnete, die ihr Gewissen entscheiden lassen, seien in einem freien Land nicht hinnehmbar
- Die März-Strategie sei „am Ende” und biete der CDU keine Zukunft
Baumann betonte, die AfD halte ihre Türen für CDU-Abgeordnete offen, die sich vom Merz-Kurs lösen wollen – Namen nenne er jedoch nicht, solange die CDU-Spitze „Folterinstrumente” gegen diese Personen in Stellung bringe.
Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt: Warum die AfD bis Dezember wartet
Die Frage, warum AfD-Spitzenkandidat Robert Siegmund mit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten bis Mitte Dezember wartet, beantwortet Baumann pragmatisch: Es gehe darum, vorab detaillierte schriftliche Vereinbarungen mit den potenziellen Koalitionspartnern zu treffen, um eine stabile Regierung zu gewährleisten. Je genauer die inhaltliche Einigung im Vorfeld, desto geringer das Konfliktpotenzial in der Legislatur.
Der CDU-Landesparteitag am 5. Dezember biete der Union zudem die Gelegenheit, intern zu klären, wohin sie in Sachsen-Anhalt politisch steuern will. Baumann sieht das als sinnvolle Wartezeit – auch weil die CDU „mutige Leute” habe, mit denen sich etwas aufbauen lasse.
BMW-Kontroverse und Schröder als Vermittler
Am Rande der Debatte sorgte die Entscheidung des Autobauers BMW, dem neu gewählten Landtagspräsidenten Rausch kein Dienstfahrzeug via Leasing anzubieten, für Aufsehen. Baumann reagierte mit Unverständnis: Bei einem AfD-Wähleranteil von über 30 Prozent halte er die Entscheidung „vorsichtig gesagt nicht für klug”. Er sieht darin ein Rückzugsgefecht einer „linksgrün dominierten Geisteshaltung”, die nicht mehr zur Stimmungslage im Land passe.
Auf die Frage nach Gerhard Schröders Besuch bei Wladimir Putin zeigte sich Baumann offen: Der Altkanzler verstehe beide Seiten des Ukraine-Konflikts und habe durch die Agenda-Reformen bewiesen, dass er politische Durchsetzungskraft besitze. Als möglicher Vermittler sei er daher nicht von vornherein auszuschließen.
Die politischen Entwicklungen der vergangenen Wochen deuten auf eine tiefgreifende Neuordnung der deutschen Parteienlandschaft hin. Ob die CDU ihren Kurs korrigiert oder weiter an der Brandmauer festhält, dürfte die entscheidende Weichenstellung für die nächste Bundestagswahl sein.
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