Berliner Linke stimmt für Koalitionsgespräche
Die Berliner Linke hat auf ihrem Parteitag für Koalitionsgespräche mit SPD und Grünen gestimmt – doch Streit über Antisemitismus und Personal schwelt weiter.
Dieses Video wurde am 31.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Berliner Linke hat auf ihrem Parteitag mit deutlicher Mehrheit den Weg für Koalitionsgespräche mit SPD und Grünen freigemacht. Ab Montag sollen die Verhandlungen offiziell beginnen. Der Beschluss fiel jedoch nur deshalb so klar aus, weil die Parteiführung die heikelsten Streitthemen vorerst vertagt hat – der innerparteiliche Konflikt ist damit keineswegs beigelegt.
Parteitag stimmt für Koalitionsgespräche – mit Einschränkungen
Die Abstimmung auf dem Berliner Linken-Parteitag verlief letztlich erwartungsgemäß: Eine deutliche Mehrheit der Delegierten sprach sich dafür aus, in formelle Koalitionsgespräche mit der SPD und den Grünen einzutreten. Die Parteistrategie der Führung ging damit zunächst auf.
Entscheidend war dabei, dass mehrere umstrittene Anträge gar nicht erst zur Abstimmung kamen. Stattdessen wurden sie in nachgelagerte Gremien überwiesen. Landesvorsitzende Kerstin Wolter bat die Delegierten ausdrücklich, den Anträgen nicht zuzustimmen, sondern sie zu überweisen – um zunächst den Weg für die Verhandlungen freizuhalten.
Antisemitismus-Debatte vertagt – Konflikt bleibt ungelöst
Besonders brisant: Ein Antrag zur Definition von Antisemitismus sorgte im Vorfeld für erheblichen Streit. Der linke, propalästinensische Flügel der Partei hatte eine abweichende Definition gefordert, die einen anderen inhaltlichen Rahmen gesetzt hätte. Dieser Antrag wurde nicht beschlossen, sondern in den Landesausschuss verschoben, der am kommenden Freitag tagen soll.
Die Verschiebung zeigt das grundlegende Dilemma der Berliner Linken: Um handlungsfähig zu bleiben, müssen innerparteiliche Konflikte zunächst ausgeblendet werden. Ob und wie eine Einigung gelingt, bleibt offen.
- Der Antrag zur Antisemitismus-Definition wurde in den Landesausschuss überwiesen
- Der Landesausschuss trifft sich am darauffolgenden Freitag
- Das propalästinensische Lager in der Partei fordert eine abweichende Definition
- Auch der Umgang mit der umstrittenen Abgeordneten Vanessa Emde ist noch ungeklärt
Personalie Emde: Möglicher Fraktionsausschluss im Raum
Ein weiterer heikler Punkt ist die Zukunft der Abgeordneten Vanessa Emde. Sie gilt als politisch umstritten und steht im Fokus der Koalitionspartner. Auf die Frage, wie es mit ihr weitergehe, äußerte sich die mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin bewusst vage: Man werde einen Weg finden, den auch die anderen Koalitionspartner mitgehen könnten.
Ein Ausschluss aus der Fraktion gilt damit als denkbar, wurde aber auf dem Parteitag nicht abschließend diskutiert. Auch dieses Thema wurde de facto vertagt.
Ausblick: Verhandlungen beginnen – Belastungsproben kommen
Am Montag starten die offiziellen Koalitionsverhandlungen zwischen Linker, SPD und Grünen in Berlin. Die Parteiführung hat es geschafft, das unmittelbare Hindernis – die Zustimmung des Parteitags – zu nehmen. Doch die aufgeschobenen Konflikte werden die Gespräche begleiten: Ob beim Thema Antisemitismus-Definition, beim Umgang mit einzelnen Abgeordneten oder beim Druck der möglichen Koalitionspartner – die kommenden Wochen dürften die Berliner Linke noch vor erhebliche innerparteiliche Belastungsproben stellen. Wie tragfähig das Bündnis am Ende wirklich ist, wird sich im Laufe der Verhandlungen zeigen.
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