Elif Eralp: Kritik an Rede beim Linken-Parteitag
Elif Eralp hielt eine vieldiskutierte Rede beim Linken-Parteitag. Kritiker bemängeln Floskeln, fehlende Antworten zum Antisemitismus und verfassungswidrige Forderungen.
Dieses Video wurde am 31.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim Parteitag der Berliner Linken hat Elif Eralp eine Rede gehalten, die unmittelbar für Diskussionen gesorgt hat. Politische Beobachter kritisieren, dass die mögliche Bürgermeisterkandidatin zentrale Debatten rund um ihre Partei weitgehend ausgespart hat – allen voran die Frage des Antisemitismus. Stattdessen dominierte das Thema Vergesellschaftung, ein in Berlin zunehmend umstrittenes Konzept, das eine Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner inzwischen ablehnt.
Floskeln statt Substanz: Was Eralp sagte – und was sie verschwieg
Wie bei Parteitagen verschiedener politischer Lager üblich, überraschte die Rede inhaltlich kaum. Auffällig war jedoch, wie konsequent Eralp aktuelle, parteiinterne Debatten umschiffte. Die zentrale Frage des Antisemitismus, die die Linke seit Monaten beschäftigt, blieb vollständig unerwähnt.
Stattdessen appellierte sie an ihre Genossinnen und Genossen, geschlossen hinter ihr zu stehen. Ein vielbeachteter Satz lautete sinngemäß: Es gehe ihr nicht um die Fehler, die passiert seien, sondern um die Anschuldigungen und Vorwürfe, die daraus abgeleitet würden. Dieser Satz ist bemerkenswert: Er enthält eine implizite Fehlereinräumung, lenkt die Aufmerksamkeit aber sofort auf externe Kritik – und nicht auf Konsequenzen.
Kritiker sehen darin eine klassische Ablenkungsstrategie, die innerparteiliche Verantwortung verschleiert, anstatt sie zu benennen.
Migrationspolitik und persönliche Geschichte: Ein vermischtes Bild
Einen breiten Raum nahmen in Eralps Rede Themen wie Rassismus, Diskriminierung und das sogenannte „migrantische Berlin” ein. Dabei verwies sie auf ihre eigene Familiengeschichte: Ihre Eltern kamen aus der Türkei nach Deutschland, weil ihr Vater unter dem dortigen Militärregime verfolgt worden war. Deutschland gewährte der Familie Schutz und Perspektiven.
Beobachter sehen in dieser Verknüpfung ein Problem: Die persönliche Integrationsgeschichte – die sie selbst zu einem Paradebeispiel gelungener Integration macht – wird rhetorisch mit strukturellen Debatten über Rassismus und Gastarbeiterrechte vermischt, ohne klare politische Schlussfolgerungen zu ziehen.
- Deutschland bietet Geflüchteten und Zugewanderten Unterkunft, Geld und Integrationskurse
- Eralps eigene Biografie gilt als Erfolgsgeschichte staatlicher Aufnahmebereitschaft
- Die Linke verknüpft Migrationsdebatte regelmäßig mit Rassismus-Vorwürfen
- Kritiker fordern stärkere Differenzierung zwischen Schutzangeboten und Missbrauch
Die Gleichsetzung von Integrationsdefiziten mit staatlichem Rassismus, so die Kritik, verstelle den Blick auf notwendige sachliche Diskussionen über Migrationspolitik und deren Grenzen.
Wahlrecht für Nicht-Passinhaber: Verfassungsrechtliche Grenze
Besonderes Aufsehen erregte eine politische Forderung, die Eralp erneut bekräftigte: das Wahlrecht für Personen ohne deutschen Pass. Diese Idee findet sich bereits im Sondierungspapier der Berliner Linken und stieß prompt auf juristische Einwände.
Verfassungsrechtlich ist das aktive Wahlrecht auf der Bundesebene an die deutsche Staatsbürgerschaft geknüpft. Eine Ausweitung würde eine Änderung des Grundgesetzes erfordern – ein Vorhaben, das politisch als nicht mehrheitsfähig gilt. Kritiker bezeichnen die Forderung daher als Nebelkerze, die öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt, ohne reale Umsetzungschancen zu besitzen.
Auch der Verweis auf einen allgegenwärtigen Autoritarismus oder eine drohende „Faschisierung” in Deutschland stieß auf Widerspruch. Viele Beobachter sehen darin eine rhetorische Überhöhung, die die tatsächliche politische Lage verzerrt und die breite gesellschaftliche Debatte erschwert.
Einordnung: Zwischen Parteiappell und politischer Substanz
Eralps Rede wurde von den Delegierten mit großem Applaus aufgenommen – obwohl, oder vielleicht gerade weil sie auf harte politische Festlegungen verzichtete. Gerade das Ausblenden des Antisemitismusthemas, das die Linke bundesweit unter Druck setzt, dürfte parteiintern als taktisch klug gewertet worden sein.
Ob diese Strategie im Berliner Wahlkampf trägt, bleibt offen. Eine mögliche Bürgermeisterkandidatur Eralps wird die Partei zwingen, inhaltliche Positionen schärfer zu formulieren – insbesondere zu Fragen der inneren Sicherheit, der Migrationspolitik und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Der Parteitag hat gezeigt: Die Linke setzt auf Zusammenhalt nach innen. Wie sie sich nach außen positioniert, wird die entscheidende Frage der kommenden Wochen sein.
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