Bund als Investor: Milliarden verloren, Glück gehabt
Von CureVac bis Galeria: Die Investitionsbilanz des Bundes ist durchwachsen. Welche Staatsbeteiligungen Milliarden kosteten – und wann der Staat Glück hatte.
Dieses Video wurde am 29.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Bund hat in den vergangenen Jahren Milliarden Euro in Unternehmen investiert – mit sehr unterschiedlichem Ergebnis. Während einige Beteiligungen massive Verluste eingefahren haben, verdankt der Staat andere Gewinne weniger eigener Weitsicht als glücklichen geopolitischen Umständen. Aktuelle Entwicklungen rund um BioNTech, CureVac, Galeria und den Chipkonzern Nvidia liefern Anlass für eine nüchterne Bestandsaufnahme.
CureVac: 550 Millionen Euro auf der Müllhalde
Das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac steht exemplarisch für staatliche Fehlinvestitionen im Bereich Medizintechnologie. Der Bund stieg vor sechs Jahren mit 300 Millionen Euro ein, in den Folgejahren flossen weitere bis zu 250 Millionen Euro aus Berlin nach Tübingen – zusammen also rund 550 Millionen Euro Staatsgeld.
Im vergangenen Jahr übernahm BioNTech das Unternehmen. Für seine Anteile erhielt der Bund 0,6 Prozent an BioNTech – ein Paket, das er Berichten zufolge inzwischen veräußert hat. Beim aktuellen Kurs dürfte er dafür rund 130 Millionen Euro erlöst haben. CureVac-Mitgründer Ingmar Hoerr bezeichnete die Situation gegenüber dem Handelsblatt als „toxisch” und das eingesetzte Staatsgeld als auf der „Müllhalde” liegend.
BioNTech selbst, der einstige Impfstoff-Star aus Mainz, schrumpft sich nun auf eine Größe zurück, die ohne den Corona-Boom wohl seinem organischen Wachstum entspräche. Drei deutsche Standorte mit rund 1.800 Arbeitsplätzen werden abgewickelt.
Durchwachsene Bilanz: Commerzbank, Galeria, Uniper
Die Bilanz des Bundes als Investor ist insgesamt ernüchternd. Ein Überblick über weitere Fälle:
- Commerzbank: Ein schlampig vorbereiteter Verkaufsprozess ermöglichte erst den Einstieg von UniCredit und den anschließenden Übernahmeversuch – das Gegenteil des staatlichen Ziels.
- Galeria: Von den 680 Millionen Euro Corona-Hilfen für das Warenhaus-Unternehmen sind 552 Millionen Euro verloren. Ein Verfahren läuft noch.
- Uniper: Den Gasimporteur rettete der Bund vor vier Jahren für 13,5 Milliarden Euro – und versucht ihn nun wieder zu privatisieren.
Die gemeinsame Klammer dieser Fälle: Der Staat handelte meist reaktiv, unter Zeitdruck und ohne klare Exit-Strategie.
Zwei Gegenbeispiele – und die Rolle des Zufalls
Es gibt allerdings auch Lichtblicke in der staatlichen Investitionshistorie. 2018 erwarb der Bund 20 Prozent am Netzbetreiber 50Hertz, um eine chinesische Beteiligung zu verhindern – eine strategisch begründete Entscheidung. Noch eindrucksvoller ist die Entwicklung beim Rüstungselektronikkonzern Hensoldt: 2020 übernahm der Bund 25,1 Prozent für 464 Millionen Euro. Heute ist das Paket mehr als 2 Milliarden Euro wert.
Doch auch hier ist Ehrlichkeit geboten: Den Wertzuwachs bei Hensoldt erzielte der Bund weniger durch kluge Analyse als durch den russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022, der die Rüstungsausgaben in Europa schlagartig nach oben trieb. Glück als Investmentstrategie – das ist keine belastbare Grundlage für künftige Beteiligungsentscheidungen.
Als positives Gegenbeispiel staatlich geförderter Innovation gilt das Münchner Startup Reverion: Es hat rund 150 Millionen Euro eingesammelt, unter anderem von der staatlichen Förderbank KfW. Die Ausgründung der TU München entwickelt Brennstoffzellenkraftwerke im Containerformat, die Gas mit einem Wirkungsgrad von über 74 Prozent in Strom umwandeln – weit effizienter als konventionelle Gas- oder Gas-und-Dampf-Kraftwerke.
Nvidia setzt mit Aktienrückkäufen ein Zeichen für die KI-Branche
Während der Staat mit seinem Investitionsgebaren hadert, setzt der US-Chipkonzern Nvidia ein bemerkenswertes Signal: Das Unternehmen stockt sein Aktienrückkaufprogramm um 150 Milliarden Dollar auf – der größte Rückkauf in der US-Geschichte. Bis Januar 2028 darf Nvidia damit insgesamt 235 Milliarden Dollar für eigene Aktien ausgeben. Der bisherige Rekord lag bei Apple mit 110 Milliarden Dollar im Jahr 2024.
Während Apple damals zurückkaufte, als das iPhone an Wachstumsschwung verlor, befindet sich Nvidia noch mitten in einer Wachstumsphase von rund 90 Prozent pro Jahr. Das Rückkaufprogramm ist daher kein Zeichen von Ideenmangel, sondern eine selbstbewusste Wette: Das Geld fließt schneller herein, als das Unternehmen es anderweitig investieren kann. Es unterstreicht die schiere Dominanz Nvidias im globalen KI-Chip-Markt.
Die Gegenüberstellung von staatlicher und privatwirtschaftlicher Investitionslogik könnte kaum schärfer sein: Hier ein Konzern, der aus Stärke heraus Kapital an Aktionäre zurückgibt – dort ein Staat, der mit milliardenschweren Notfallbeteiligungen selten die erhofften Renditen erzielt. Für Berlin drängt sich die Frage auf, welche Kriterien künftig für Staatsbeteiligungen gelten sollen – und wann ein Rückzug auf bewährte Förderinstrumente sinnvoller wäre.
Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.