Putin verstaatlicht Metro: 91 Märkte unter Kontrolle
Russland stellt alle Vermögenswerte des deutschen Handelskonzerns Metro unter staatliche Verwaltung. 91 Märkte sind betroffen – ein neuer wirtschaftlicher Affront Putins.
Dieses Video wurde am 29.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Russland setzt seinen wirtschaftlichen Druck auf westliche Unternehmen fort: Kremlchef Wladimir Putin hat alle russischen Vermögenswerte des deutschen Handelskonzerns Metro unter staatliche Verwaltung gestellt. Damit verliert das Düsseldorfer Unternehmen die Kontrolle über seine gesamten Aktivitäten im größten Land der Welt – insgesamt 91 Märkte sind betroffen. Der Schritt gilt als weiterer gezielter wirtschaftlicher Affront gegenüber Deutschland und westlichen Unternehmen, die trotz des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine weiterhin in Russland tätig geblieben waren.
Metro Russland: Was die staatliche Verwaltung bedeutet
Mit der Anordnung Putins verliert Metro die operative und rechtliche Kontrolle über sämtliche Vermögenswerte in Russland. Die staatliche Zwangsverwaltung bedeutet, dass russische Behörden nun das Sagen über Immobilien, Lagerbestände, Bankkonten und den laufenden Geschäftsbetrieb haben.
Trotz des drastischen Eingriffs soll der Betrieb der 91 Märkte zunächst wie gewohnt weiterlaufen. Für Mitarbeiter und Kunden vor Ort ändert sich damit kurzfristig wenig – die langfristigen Folgen für den deutschen Konzern sind jedoch erheblich.
Metro hatte nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022 – anders als viele andere westliche Unternehmen – entschieden, den Betrieb in Russland fortzuführen. Diese Entscheidung steht nun im Mittelpunkt der Debatte über die Konsequenzen eines solchen Verbleibs auf dem russischen Markt.
Muster der Enteignung: Russland greift auf westliche Konzerne zu
Der Fall Metro ist kein Einzelfall. Bereits im Jahr 2023 stellte Russland mehrere ausländische Unternehmen unter russische Verwaltung. Zu den Betroffenen gehörte damals unter anderem Unipar, eine Tochtergesellschaft des deutschen Energiekonzerns Eon.
Das Vorgehen folgt einem erkennbaren Muster:
- Russische Behörden erlassen Dekrete zur Übertragung der Verwaltung auf staatlich eingesetzte Manager.
- Betroffene Unternehmen verlieren Zugriff auf Konten, Immobilien und Geschäftsentscheidungen.
- Der laufende Betrieb wird zunächst aufrechterhalten, um Versorgungsengpässe zu vermeiden.
- Eine Rückübertragung an die ursprünglichen Eigentümer ist in der Praxis kaum möglich.
Experten sehen in solchen Maßnahmen ein geopolitisches Druckmittel, mit dem Moskau auf westliche Sanktionen und die Unterstützung der Ukraine durch westliche Staaten reagiert.
Metro zwischen Marktpräsenz und politischem Risiko
Der deutsche Großhandelskonzern Metro war seit Jahrzehnten mit einem umfangreichen Filialnetz in Russland präsent. Das Land galt lange als wichtiger Wachstumsmarkt für das Unternehmen. Mit dem Ausbruch des Krieges und dem folgenden Sanktionsdruck entschied sich Metro jedoch – im Gegensatz zu Konzernen wie IKEA oder McDonald’s – gegen einen vollständigen Rückzug.
Diese Strategie sollte offenbar Verluste durch eine vollständige Aufgabe des Russland-Geschäfts vermeiden. Nun zeigt sich, dass der Verbleib im Land ein erhebliches unternehmerisches Risiko darstellte: Der Konzern verliert faktisch die Kontrolle über ein Milliardenvermögen, ohne vorerst rechtliche Handhabe gegen die staatliche Übernahme zu haben.
Ausblick: Wachsender Druck auf in Russland verbliebene Unternehmen
Der Fall Metro dürfte die Debatte über den Umgang westlicher Unternehmen mit dem russischen Markt erneut befeuern. Zahlreiche Konzerne, die nach Kriegsbeginn in Russland verblieben sind, sehen sich einem wachsenden politischen und wirtschaftlichen Risiko ausgesetzt.
Für die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen markiert die Zwangsmaßnahme einen weiteren Tiefpunkt. Ob Metro rechtliche Schritte auf internationalem Parkett einleiten wird, ist derzeit offen. Klar ist: Die staatliche Verwaltung der 91 Märkte ist mehr als ein unternehmerisches Problem – sie ist ein politisches Signal Moskaus, das über den Einzelfall weit hinausreicht.
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