USA-Iran-Konflikt: Ölpreis, DAX und Anleihen im Blick
Im USA-Iran-Konflikt vermittelt Katar zwischen den Parteien. Was das für Ölpreis, DAX und Anleiherenditen bedeutet – eine Markteinschätzung.
Dieses Video wurde am 29.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im festgefahrenen USA-Iran-Konflikt um die Straße von Hormus laufen die Verhandlungen weiter – wenn auch schleppend. Der iranische Außenminister bestätigte in New York, dass Katar als Vermittler fungiert und die endgültige Antwort der amerikanischen Seite über den katarischen Kanal übermittelt werden soll. Eine offizielle Reaktion wurde für Dienstag erwartet. Die Finanzmärkte reagieren sensibel: Der Ölpreis pendelt zwischen Plus und Minus, während der DAX leicht zulegt.
Katar vermittelt – doch ein Durchbruch bleibt unwahrscheinlich
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt einem iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der für globale Erdöllieferungen zentralen Straße von Hormus eine klare Absage erteilt. Der Iran hatte zuvor Bedingungen gestellt – darunter die Aufhebung der amerikanischen Seeblockade.
Kapitalmarktanalyst Robert Halver bewertet die aktuellen Signale skeptisch. Seiner Einschätzung nach wird es vor den US-Zwischenwahlen keinen echten Durchbruch geben. Weder werde der Iran Trump Wahlkampfhilfe leisten wollen, noch werde Trump gegenüber Teheran nachgeben – das würde ihn politisch schwächen. „Dann wäre Donald Trump eine Lame Duck – sozusagen Donald Duck”, so Halver pointiert.
Nach den Zwischenwahlen hingegen könnte Raum für echte Verhandlungen entstehen: Der Iran wolle Öl verkaufen, und die USA hätten kein Interesse an einem langen Krieg oder dauerhaft hohen Spritpreisen.
Ölpreis: Von 120 auf 104 Dollar – und wohin weiter?
Der Ölpreis hat sich vom Sommerhoch von rund 120 US-Dollar pro Barrel bereits auf etwa 104 Dollar abgekühlt. Ein unkontrolliertes „Ölpreisfeuer” ist damit ausgeblieben – wenngleich das Niveau nach wie vor belastend wirkt.
Sollte es nach den Zwischenwahlen zu konstruktiven Verhandlungen kommen, hält Halver einen weiteren Rückgang Richtung 90 Dollar pro Barrel bis Jahresende für realistisch. Das wäre eine deutliche Entlastung – für Verbraucher, Unternehmen und die Inflationsdynamik insgesamt.
- Ölpreis im Sommer 2026: rund 120 US-Dollar pro Barrel
- Aktueller Stand: rund 104 US-Dollar
- Mögliches Jahresend-Ziel bei Einigung: etwa 90 US-Dollar
- DAX-Reaktion: aktuell +0,6 % dank Verhandlungshoffnung
- Lufthansa: Zusatzbelastung durch hohe Kerosinpreise übersteigt 1,5 Mrd. Euro
Anleiherenditen und DAX: Entspannung in Sicht?
Ein sinkender Ölpreis würde auch den Inflationsdruck mildern und damit die zuletzt ruckartig gestiegenen Anleiherenditen unter Druck setzen. Halver sieht die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen aktuell bei 3,6 Prozent – mit Potenzial auf etwa 3,2 Prozent im Falle einer Deeskalation. Das hätte Signalwirkung für die gesamte Welt, da US-Staatsanleihen als globaler Anker gelten.
Besonders Häuslebauer, die mit hohen Finanzierungskosten kämpfen, würden von fallenden Renditen profitieren.
Für den DAX sieht Halver trotz eines Minus von rund 4 Prozent im September grundsätzlich positiv aus: Die Hightechwerte seien stabil geblieben, deutsche Unternehmen profitieren vom globalen Infrastrukturausbau, und Substanzwerte aus Maschinenbau und Ausrüstung bleiben attraktiv. Auch Anthropic, der KI-Entwickler, strebt mit einem geplanten Börsengang eine Bewertung von über 2 Billionen US-Dollar an – das treibt weltweit Chipwerte wie Infineon (+4,1 %) und Siltronic (+6,8 %) im MDAX.
Anleger-Strategie: Investiert bleiben, auf Substanz setzen
Halvers Empfehlung für Anleger ist klar: investiert bleiben. Besonders Substanzwerte aus der zweiten Reihe – Industrie, Maschinenbau, Ausrüstung und Unternehmen der Energiewende – bieten seiner Ansicht nach solide Perspektiven. Automobilwerte hingegen klammert er aus seiner Empfehlung aus.
Die Reederei Hapag-Lloyd hat ihre Gewinnprognose für 2026 angesichts starker Nachfrage und hoher Spotfrachtpreise deutlich angehoben – das Konzern-EBITDA wird nun zwischen 3,9 und 4,4 Milliarden US-Dollar erwartet, nach zuvor 2,7 bis 3,7 Milliarden. Die Aktie legte daraufhin um rund 4,5 Prozent zu.
Die entscheidende Weichenstellung im USA-Iran-Konflikt dürfte erst nach den US-Zwischenwahlen fallen. Bis dahin bleibt die Lage volatil – aber die Märkte scheinen auf eine spätere Einigung zu setzen.
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