Anthropic-Börsengang: IPO mit 2 Billionen Bewertung
Der Anthropic-Börsengang nimmt Form an: Der KI-Konzern weist 8 Mrd. Dollar operativen Verlust aus, plant 518 Mrd. Dollar Investitionen und strebt eine Bewertung von 2 Billionen Dollar an.
Dieses Video wurde am 29.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Anthropic-Börsengang rückt näher: Noch vor Jahresende – aller Voraussicht nach nach den US-Zwischenwahlen Anfang November – will das KI-Unternehmen an die Börse gehen. Obwohl der offizielle Börsenprospekt noch nicht veröffentlicht ist, hat die Nachrichtenagentur Reuters das vertrauliche Dokument vorab einsehen können und zentrale Kennzahlen publik gemacht. Die Zahlen sind gigantisch – und werfen zugleich ernste Fragen über Risiken, Abhängigkeiten und Machtstrukturen auf.
Verlust und Umsatz: Was der Prospekt verrät
Auf den ersten Blick erschreckt der ausgewiesene Nettoverlust von 4,2 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Bei näherer Betrachtung relativiert sich diese Zahl jedoch erheblich: Rund 3,4 Milliarden Dollar davon entfallen auf einen buchhalterischen Sondereffekt – wandelbare Finanzierungsinstrumente aus früheren Finanzierungsrunden mussten höher bewertet werden, ohne dass tatsächlich Geld abgeflossen ist.
Aussagekräftiger ist der operative Verlust von 8,1 Milliarden Dollar, dem ein Umsatz von 4,6 Milliarden Dollar gegenübersteht. Anthropic verbrennt damit mehr als das Doppelte seines Umsatzes – ein Muster, das aus der frühen Phase anderer Tech-Giganten bekannt ist, Investoren aber gleichwohl zur Vorsicht mahnt.
518 Milliarden Dollar Investitionsverpflichtungen
Die wohl spektakulärste Zahl des Prospekts sind die geplanten Ausgabenverpflichtungen von 518 Milliarden Dollar für Cloud-Dienste, Chips und Rechenzentren – bezogen auf die kommenden Jahre. Zum Vergleich: Experten schätzen, dass die globalen KI-Infrastrukturinvestitionen 2025 erstmals die Marke von einer Billion Dollar überschreiten könnten.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Dimension: In New Carlisle, Indiana, errichtet Amazon eines der größten Rechenzentren der Welt – mit Anthropic als einzigem Kunden. Allein dort wurden innerhalb eines Jahres 500.000 leistungsfähige KI-Chips in Betrieb genommen. Zum Vergleich: Die derzeit größte KI-Fabrik für Endkunden in Deutschland kommt auf rund 10.000 Chips.
Diese Verpflichtungen sind keine unmittelbaren Zahlungen, sondern langfristige Kapazitätssicherungen. Anthropic bindet sich damit an eine Infrastruktur, die das Unternehmen für künftiges Wachstum als unerlässlich betrachtet.
Abhängigkeiten von Amazon und Google
Der Prospekt benennt auch strukturelle Risiken. Die wichtigsten im Überblick:
- Fast ein Viertel des Umsatzes stammte 2025 von nur zwei nicht namentlich genannten Kunden.
- Amazon und Google sind gleichzeitig Investoren, Kunden und Infrastrukturlieferanten.
- Anthropic ist für seine Rechenkapazitäten maßgeblich auf die Cloud-Plattformen dieser beiden Tech-Konzerne angewiesen.
- Beide Konzerne haben ein starkes wirtschaftliches Eigeninteresse am Erfolg von Anthropic.
Diese Verflechtung ist doppelschneidig: Einerseits sichert sie Anthropic Ressourcen und Kapital, andererseits schafft sie strategische Abhängigkeiten, die klassische Investoren beunruhigen könnten.
Gründerkontrolle und angestrebte Bewertung
Wie bei Meta oder anderen US-Tech-Unternehmen ist auch bei Anthropic eine Machtstruktur geplant, die den Gründern dauerhaft die Kontrolle sichert. Dario Amodei, CEO, und seine Schwester Daniela Amodei, Verwaltungsratschefin, sollen gemeinsam mit den übrigen fünf Mitgründern über eine sogenannte Founders LLC eine Aktie der Klasse F kontrollieren. Diese bündelt 50,1 Prozent der Stimmrechte – auf unbegrenzte Zeit.
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Unabhängig vom Streubesitz bleiben die Gründer die bestimmenden Kräfte im Unternehmen. Gleichzeitig ist das Interesse an einer Beteiligung an einer potenziell industrieverändernden Technologie enorm.
Die angestrebte Börsenbewertung von 2 Billionen Dollar würde Anthropic nicht nur über den zuletzt kolportierten Wert von einer Billion heben, sondern auch über den des SpaceX-IPOs – und das wäre der mit Abstand größte Börsengang des Jahres. Ob diese Bewertung am Markt durchsetzbar ist, wird sich zeigen. Die Reaktionen an den europäischen Chip-Märkten – ASML und Infineon legten am Tag der Bekanntgabe bis zu fünf Prozent zu – zeigen jedenfalls, wie groß die Erwartungen an die weitere KI-Infrastrukturnachfrage bereits sind.
Der Anthropic-Börsengang wird zum Stresstest für den gesamten KI-Sektor: Können Unternehmen, die Milliarden verbrennen und zugleich vor den Risiken ihrer eigenen Technologie warnen, langfristig das Vertrauen der Kapitalmärkte gewinnen? Die Antwort dürfte die Branche noch Jahre beschäftigen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.