Deutschlands Innovationskrise: Mindset als Kernproblem

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Dieses Video wurde am 15.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Deutschland steckt in einer tiefen Innovationskrise – und die Ursachen liegen weit tiefer als eine konjunkturelle Delle. Zu diesem Schluss kommt René Obermann, früherer Telekom-Chef und heutiger SAP-Aufsichtsratsvorsitzender. Im Kern lautet seine Diagnose: Deutschland hat über Jahrzehnte Zuwendung vor Zumutung gestellt, auf Verteilung gesetzt statt auf Transformation – und zahlt nun den Preis in Form struktureller Rückstände bei den Technologien, die die Welt von morgen prägen werden.

Strukturkrise statt Konjunkturdelle

Jeder 17. Industriearbeitsplatz ist in den vergangenen Jahren in Deutschland weggefallen – in der Automobilindustrie sogar jeder siebte. Obermann warnt davor, diese Entwicklung als vorübergehenden Einbruch abzutun. Es handele sich um einen länger laufenden Zyklus, getrieben durch strukturelle Defizite, die sich über viele Jahre aufgebaut haben.

Besonders deutlich wird das Versäumnis im Bereich Batterietechnologie und Elektromobilität: Eine Aufholjagd gegenüber chinesischen Zulieferern sei in wenigen Jahren nicht realistisch. Gleichzeitig ist der Rückstand im IT- und Softwaresektor erheblich. Mit SAP bleibt kaum ein innovativer europäischer Weltmarktführer übrig – ein Befund, der zur Kenntnis genommen werden müsse.

Das eigentliche Problem sei jedoch kein rein wirtschaftliches, sondern ein Mindset-Problem: Deutschland habe seinen Erfolg in Industrien des vergangenen Jahrhunderts zementiert und dabei zu wenig Energie in die Frage investiert, welche Rolle das Land in den Schlüsseltechnologien von morgen spielen will. Der Dieselmotor – bis zur kriminellen Manipulation perfektioniert – stehe exemplarisch für dieses Innovators-Dilemma.

Überregulierung als Sprache der Angst

Ein zentrales Hemmnis für die Innovationskrise in Deutschland ist laut Obermann der überregulierte Arbeitsmarkt. Zu starr, um Transformation zu ermöglichen, bewahre er Bestehendes auf Kosten der Zukunft. Die Kosten des Scheiterns seien in Deutschland im internationalen Vergleich schlicht zu hoch.

Hinzu kommt eine gesellschaftliche Technologieskepsis, die Obermann als „toxisch” bezeichnet. In Talkshows und Feuilletons werde mit intellektueller Überlegenheit über Flugtaxis, Fusionsenergie oder KI gespottet. Wer von neuen Technologien begeistert sei, gelte als naiver Träumer. Wer kritisiere, stehe automatisch auf der „richtigen Seite”. Diese Haltung schade dem Entstehen neuer Ideen fundamental.

  • Die KI-Adaptionsrate in Deutschland liegt deutlich unter der in den USA und China.
  • Der Arbeitsmarkt ist so überreguliert, dass Jobprofile für die Zukunft kaum angepasst werden können.
  • Beim Kündigungsschutz wurden nur marginale Änderungen für Gutverdiener umgesetzt – kein struktureller Durchbruch.
  • Selbst bei der Rentenreform werden erste zaghafte Ansätze bereits aus den eigenen politischen Reihen torpediert.
  • Junge Unternehmen werden in der öffentlichen Debatte an kurzfristiger Profitabilität gemessen – nicht an aufgebautem geistigen Eigentum.

Stärken ausbauen statt alles abschreiben

Obermann plädiert dafür, vorhandene Stärken konsequent weiterzuentwickeln, anstatt in Pessimismus zu verfallen. Deutschland sei in der Luft- und Raumfahrt, in der Quantentechnologie sowie bei industrieller KI – wo tiefe Branchendaten vorhanden sind – durchaus wettbewerbsfähig. Diese Felder müssten gezielt gefördert werden.

Ein konkreter Hebel: das europäische Verteidigungsbudget von rund 450 Milliarden Euro, das zweitgrößte der Welt. Bislang fließt der Großteil in traditionelle Rüstungssysteme. Würde man auch nur einen einstelligen Prozentsatz gezielt in hochinnovative Projekte lenken, entstünden erhebliche Spillover-Effekte in den zivilen Technologiesektor. Das Konzept „Sparta 2.0″, an dem Obermann mitgearbeitet hat, skizziert, wie europäische Souveränität in zehn Schlüsselbereichen schrittweise und finanzierbar gesteigert werden könnte.

Gleichzeitig warnt er vor dem Irrweg eines vollständigen Decouplings von globalen Technologieketten – etwa bei seltenen Erden oder Computerinfrastruktur. Die Welt sei zu interdependent, um technologische Autarkie anzustreben. Ziel müsse vielmehr sein, Zugänge zu sichern und Verhandlungshebel aufzubauen.

Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen enger zusammenarbeiten

Für Obermann führt kein Weg an einer engeren Verzahnung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vorbei. Die politische Blase sei in weiten Teilen wirtschaftsfern, während die Wirtschaft sich zu wenig politisch einbringe. Berührungsängste beim Wechsel zwischen beiden Sphären hält er für kontraproduktiv.

Der Weg aus der Stagnation führt nicht über kurzfristige Konjunkturprogramme – diese hätten keine nachhaltige Wirkung. Notwendig seien vielmehr strukturelle Reformen im Bildungssystem, eine Modernisierung des Arbeitsmarkts, unternehmerfreundlichere Rahmenbedingungen und vor allem ein kultureller Wandel hin zu mehr Risikobereitschaft und Technologiebegeisterung. Nichts davon wirke von heute auf morgen – aber ohne diesen Wandel drohe Deutschland dauerhaft in der Mitteltechnologie-Falle zu verharren.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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