Dieses Video wurde am 18.08.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Drohnenkrieg Ukraine hat eine neue Dimension erreicht: Seit Wochen greifen ukrainische Drohnen systematisch Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries an – tief im russischen Hinterland, teils bis zu 1.600 Kilometer von der Front entfernt. Riesige Feuerwände und schwarze Rauchwolken dokumentieren die Treffer. Die Begründung Kiews ist militärisch-logistischer Natur: Über die Plattform können russische Soldaten Drohnenbauteile, Navigationselemente und Ausrüstung direkt an die Front bestellen.
Warum Wildberries ein militärisches Ziel ist
Wildberries hält rund 45 Prozent Marktanteil im russischen Onlinehandel und funktioniert ähnlich wie Amazon: Drittanbieter lagern ihre Waren in den riesigen Verteilzentren des Unternehmens. Genau diese Infrastruktur macht die Lager zu einem strategischen Ziel.
Die Ukraine begründet die Angriffe mit dem Konzept der sogenannten Dual-Use-Güter – Produkte, die im zivilen Alltag ebenso eingesetzt werden können wie im militärischen Bereich. Dazu zählen Drohnenkomponenten, Navigationsgeräte und allgemeine Ausrüstungsgegenstände, die russische Einheiten über die Plattform beziehen.
Wildberries selbst erstattet den betroffenen Händlern keinen Schadenersatz: Das Unternehmen stuft die Drohnenangriffe als höhere Gewalt ein. Die wirtschaftlichen Folgen treffen damit nicht nur die russische Militärlogistik, sondern auch normale Bürgerinnen und Bürger, die Waren in den Lagern deponiert hatten.
Angriffe von Jekaterinburg bis vor die Tore Moskaus
Eine Auswertung der Angriffe im Juli und August zeigt ein dichtes Muster über ganz Russland:
- Mehrere Treffer in der Moskauer Umgebung, darunter das Lager in Koledino mit rund 250.000 Quadratmetern Fläche
- Ein Angriff in Jekaterinburg – rund 1.600 Kilometer von der ukrainischen Front entfernt
- Weitere Treffer in Sarapul (Ende Juli) und im Raum Jaroslawl
- Fortgesetzte Angriffe im August mit Schwerpunkt auf der Hauptstadtregion
Beim Lager in Koledino schätzen Experten den verbrannten Warenwert auf rund 80 Millionen Euro. Satellitendaten bestätigen, dass ganze Lagerkomplexe vollständig zerstört wurden. Die charakteristischen roten Markierungen an den Lagerhallen machen die Wildberries-Standorte auch auf Luftaufnahmen leicht identifizierbar.
Die FP1-Drohne: Ukrainisches Präzisionswerkzeug
Das bevorzugte Angriffsmittel ist die FP1-Drohne des ukrainischen Herstellers Firepoint. Die Drohne wird zu 90 Prozent aus ukrainischen Bauteilen gefertigt und vereint beeindruckende technische Merkmale:
- Spannweite: 6 Meter
- Startgewicht: bis zu 215 Kilogramm
- Sprengstoffladung: bis zu 60 Kilogramm
- Reichweite: bis zu 2.600 Kilometer (Variante FP1-ER mit Zusatztanks)
- Reisegeschwindigkeit: bis zu 205 km/h, im Gleitflug 140–180 km/h
- Ausdauer: bis zu 7 Stunden Flugzeit
Der Angriff auf das Koledino-Lager nahe Moskau legte eine Strecke von rund 670 Kilometern zurück – problemlos innerhalb der Reichweite der Standardvariante. Gestartet werden die Drohnen mithilfe von Treibsätzen vom Boden oder per Katapult von Lastwagen aus, stets unter dem Schutz der Nacht.
Eskalation an allen Fronten: Schwarzmeerflotte und NATO-Grenze
Der Drohnenkrieg beschränkt sich längst nicht auf die Wildberries-Lager. Parallel dazu griff die Ukraine den Schwarzmeerhafen Noworossijsk an, wo Teile der russischen Schwarzmeerflotte stationiert sind. Dabei wurden mindestens vier Kriegsschiffe beschädigt oder zerstört. Zusätzlich setzt Kiew auch verbündete Systeme ein: Im Raum Jaroslawl und Wolgograd kamen britische Nian-Drohnen zum Einsatz.
Auf der anderen Seite rüstet Russland ebenfalls massiv auf. Satellitenbilder, ausgewertet vom britischen Telegraph, belegen mindestens zehn neue russische Drohnenstützpunkte entlang der Grenzen zu Ukraine und Belarus. Von dort sollen künftig Geran-5-Drohnen – eine Weiterentwicklung der iranischen Schahed-Drohne – mit einer Reichweite von rund 1.000 Kilometern operieren. Das bringt auch NATO-Mitgliedsstaaten in direkte Reichweite.
Rumänien meldet bereits nahezu täglich Raketenalarm, NATO-Kampfjets mussten mehrfach aufsteigen. Drohnenteile, die vom russischen Angriff auf die ukrainische Hafenstadt Odessa abgekommen sind, wurden bereits auf rumänischem Territorium und in Moldau gefunden. Als Antwort auf die wachsende Bedrohung baut die Bundeswehr ihre Präsenz mit der Litauen-Brigade direkt an der Grenze zu Belarus weiter aus. Der Drohnenkrieg hat die klassische Frontlinie längst überwunden und betrifft zunehmend ganz Europa.
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