Dieses Video wurde am 14.08.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Elliott-Wellen-Theorie gilt als eines der bekanntesten Werkzeuge der technischen Analyse. Sie soll die Psychologie der Marktteilnehmer in wiederholbaren Mustern abbilden – und lässt sich laut Experten besonders gut auf Edelmetalle wie Gold und Silber sowie auf Aktienindizes anwenden. Jens Grammatschick, Autor des Trendradarreports, erklärt, wie er die Methode im Zusammenspiel mit Fibonacci-Levels konkret einsetzt, um Trendwenden frühzeitig zu identifizieren.
Was steckt hinter der Elliott-Wellen-Theorie?
Ralph Nelson Elliott entwickelte seine Theorie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als Unternehmensberater mit großem Interesse an Finanzmärkten erkannte er, dass sich Kursbewegungen in immer wiederkehrenden Wellenmustern vollziehen – angetrieben von Massenpsychologie.
Das Grundmodell besteht aus einer fünfteiligen Impulswelle in Trendrichtung und einer dreiteiligen Korrekturwelle, der sogenannten ABC-Korrektur. Die einzelnen Phasen folgen einer klaren Logik:
- Welle 1: Erster Anstieg, oft noch unbemerkt von der breiten Masse
- Welle 2: Rücksetzer, viele zweifeln am neuen Trend
- Welle 3: Stärkste und oft längste Aufwärtsbewegung, Momentum zieht viele Anleger an
- Welle 4: Technische Konsolidierung vor dem Schlussanstieg
- Welle 5: Letzter Impuls in Trendrichtung, oft mit nachlassendem Volumen
Ein zentrales Merkmal der Theorie ist die sogenannte Selbstähnlichkeit: Dieselben Wellenmuster zeigen sich sowohl in Minutencharts als auch in Wochen- und Monatscharts – ein Konzept, das aus der fraktalen Geometrie stammt.
Fibonacci als Navigationsinstrument
Eng verknüpft mit den Elliott-Wellen ist die Analyse nach Fibonacci-Levels. Das Prinzip ist simpel: Man nimmt das Hoch und das Tief einer Kursbewegung und berechnet prozentuale Rücksetzer-Zonen – allen voran die 50-Prozent-Marke, aber auch Levels wie 61,8 oder 38,2 Prozent.
Diese Niveaus sind deshalb so wirkungsvoll, weil sie von sehr vielen Marktteilnehmern weltweit beobachtet werden. Sie werden dadurch zur selbsterfüllenden Prophezeiung: Wo viele Trader eine Unterstützung erwarten, entsteht tatsächlich Kaufdruck.
Im Trendradarreport werden Fibonacci-Retracements genutzt, um Kursziele für einen Horizont von drei bis sechs Monaten abzuleiten. Ausgangspunkt ist dabei stets die gesamte vorangegangene Impulsbewegung – von ihrem höchsten bis zu ihrem tiefsten Punkt.
Silber und Gold im Elliott-Wellen-Fokus
Edelmetalle eignen sich laut Grammatschick besonders gut für die Elliott-Analyse, weil sie ausgeprägte, volumenstarke Trendbewegungen vollziehen. Der Silber-Future an der Comex stieg in der Spitze auf rund 122 US-Dollar je Unze, bevor er auf etwa 55 Dollar zurückfiel.
Entscheidend für eine mögliche Trendwende ist das Konzept des höheren Tiefs: Wenn der Markt nach einem starken Abverkauf erneut nachgibt, aber dabei nicht mehr das vorherige Tief unterschreitet, gilt das als erstes Signal dafür, dass Käufer schrittweise Positionen aufbauen. Genau dieses Muster wurde im Silbermarkt beobachtet.
Ergänzend dazu hilft das Gold-Silber-Ratio bei der Einordnung. Es zeigt, wie viele Unzen Silber man benötigt, um eine Unze Gold zu kaufen. Historisch pendelte dieses Verhältnis um den Wert 60. In der Spitze stieg es auf 122 – ein Zeichen extremer Unterbewertung von Silber gegenüber Gold. Neben seiner Funktion als Edelmetall ist Silber ein gefragtes Industriemetall, das etwa in Solarpanelen eingesetzt wird, und laut dem Silver Institute seit Jahren von einer strukturellen Angebotsunterdeckung geprägt.
Indizes, Risikomanagement und die Grenzen der Methode
Elliott-Wellen lassen sich auf nahezu alle liquiden Märkte anwenden – von Aktienindizes über Anleihen bis hin zu Währungen. Beim Nasdaq etwa ist laut Grammatschick der Aufwärtstrend durch KI-Euphorie und starkes Momentum noch intakt, während europäische Indizes wie der Euro Stoxx in einer anderen Wellenphase notieren.
Ebenso wichtig wie die Analyse ist ein konsequentes Risikomanagement. Im Trendradarreport gelten klare Regeln: Bei den meisten Werten wird ein maximaler Verlust von zehn Prozent akzeptiert. Wird dieser sogenannte Invaliditätspunkt erreicht, wird die Position ohne Zögern geschlossen. Bei volatilen Instrumenten wie Silber wird der Stop entsprechend angepasst – auf bis zu 15 Prozent –, um nicht durch normale Kursschwankungen vorzeitig ausgestoppt zu werden.
Die Elliott-Wellen-Theorie ist kein Prognosewerkzeug im strengen Sinne, sondern ein Rahmen für Wahrscheinlichkeiten. Unerwartete Nachrichten – etwa Entscheidungen der US-Notenbank Fed – können etablierte Wellenmuster umgehend ungültig machen. Wer die Methode nutzt, sollte sie als strukturierte Entscheidungshilfe verstehen: analytisch und diszipliniert, ohne Emotionen wie Angst oder Gier walten zu lassen. Langfristige Geduld und konsequente Disziplin bleiben dabei die entscheidenden Erfolgsfaktoren.
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