Monday, 21. September 2026
AfD

Herbst der Reformen: Lembcke sieht Koalition im Fahrwasser

Politikwissenschaftler Oliver Lembcke analysiert, warum der Herbst der Reformen ausbleibt, die SPD-Basis rebelliert und die AfD keine echte Volkspartei ist.

Redaktion · 20. September 2026, 23:43 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 20.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der von der Bundesregierung versprochene Herbst der Reformen wird auch in diesem Jahr ausbleiben – davon ist Oliver Lembcke, Politikwissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum, überzeugt. Im Gespräch mit ntv analysiert er die wachsenden Spannungen in der Koalition, die erstarkenden politischen Ränder und die Frage, ob die CDU ihre Brandmauer gegenüber der AfD künftig lockern könnte.

Kanzler unter Druck: Timing und Deutungsmacht

Das öffentliche Bekenntnis des Kanzlers zum Reformkurs – noch bevor die Ergebnisse aus Mecklenburg-Vorpommern feststanden – bewertet Lembcke als strategisch riskantes Manöver. Die Botschaft „Ich mache weiter, komme was da wolle” sei weniger ein Zeichen von Stärke als ein Versuch, Deutungsmacht zu sichern und innerparteiliche Kritiker präventiv zu neutralisieren.

Wer nach dieser Ansage öffentlich widerspricht, setzt sich dem Vorwurf einer Revolte aus – ein Kalkül, das kurzfristig Ruhe erzwingen, mittelfristig aber Vertrauen kosten kann. Lembcke urteilt klar: Der Kanzler habe sich damit keinen Gefallen getan. Statt Alternativlosigkeit zu demonstrieren, habe er die Debatte über seine Person erst recht angeheizt.

SPD-Basis rebelliert – Reformpakete drohen zu verwässern

Parallel zum Kanzler-Statement meldeten sich aus der Sozialdemokratie prominente Stimmen zu Wort: Generalsekretär Klüssendorf sowie Gewerkschaftsvertreter forderten Kursänderungen – etwa beim Krankengeld ab dem ersten Tag oder bei der Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.

Lembcke sieht darin eine Reaktion auf die erstarkte politische Konkurrenz von links und rechts:

  • Die Linkspartei gewinnt in Berlin an Zuspruch und setzt die SPD unter programmatischen Druck.
  • Die AfD erringt in ostdeutschen Ländern immer breitere Wählerschichten.
  • Die SPD versucht, diese Welle zu reiten – riskiert dabei aber die Kohärenz der Reformagenda.
  • Ohnehin im Kompromiss entstandene Reformpakete drohen weiter aufgeweicht zu werden.

Das Ergebnis, so Lembcke, werde kein Reformherbst sein, sondern Verwässerung und Vertagung – was die Bundesregierung insgesamt in ein schlechtes Licht rücke. Zudem fehle es den Reformkritikern innerhalb der SPD an überzeugenden Alternativen: Die vorliegenden Pakete seien bereits das Ergebnis harten Ringens.

AfD als Volkspartei? Wahlerfolg ohne Bündnismacht

AfD-Chefin Alice Weidel reklamierte nach den Landtagswahlen den Status einer neuen Volkspartei für ihre Partei. Lembcke differenziert: Sozidemografisch treffe das mittlerweile zu – die AfD werde im Osten von nahezu allen Wählergruppen gewählt, Unterschiede nach Geschlecht oder Milieu hätten sich weitgehend nivelliert.

Doch eine echte Volkspartei zeichne sich nicht nur durch ein breites Wählerreservoir aus, sondern durch Bündnisfähigkeit – also die Fähigkeit, Koalitionen zu schließen und Regierungsverantwortung zu übernehmen. Genau daran mangelt es der AfD: In Mecklenburg-Vorpommern wie zuvor in Sachsen-Anhalt bleibt der Wahlsieg ohne Regierungsoption.

Brandmauer und Dehnungsübungen: Wohin steuert die CDU?

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Brandmauer der CDU neu. Lembcke sieht das Parteiensystem an einer strukturellen Grenze: Stabile Regierungsmehrheiten sind kaum noch zu bilden, Minderheitsregierungen oder Vier-Parteien-Koalitionen werden zur Normalität.

Eine formelle Koalition mit der AfD schließt Lembcke für die CDU aus – zu groß sei das Risiko der gegenseitigen Kannibalisierung, zu klar die ablehnende Haltung in der Partei und in der Bevölkerung. Unterhalb der Koalitionsschwelle aber, etwa in Form parlamentarischer Kooperationen, hält er Bewegung auf beiden Seiten für denkbar und möglicherweise notwendig.

Die Bedingungen dafür seien allerdings anspruchsvoll: Die AfD müsste moderatere Positionen einnehmen und Personen benennen, die glaubhaft auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Die CDU müsste zeigen, dass pragmatische Zusammenarbeit ihre Grundsätze nicht aufhebt. Ob und wie schnell solche „Dehnungsübungen” gelingen, bleibt offen – doch die strukturelle Logik des fragmentierten Parteiensystems dürfte den Druck in diese Richtung weiter erhöhen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (ntv Nachrichten). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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