KI-Regulierung bremst Deutschland: SAP schlägt Alarm
Beim Berliner Digitalgipfel warnt SAP-Manager Thomas Sauerig: Die EU-KI-Regulierung verlangsamt Investitionen und treibt Startups nach London. Deutschland muss liefern.
Dieses Video wurde am 02.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim zweitägigen Digitalgipfel in Berlin steht die künstliche Intelligenz im Mittelpunkt – doch der Ton ist nicht nur optimistisch. Thomas Sauerig, Chief Customer Officer bei SAP, warnt offen vor den Folgen einer zu strengen KI-Regulierung in Europa. Mehr als 1.000 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind in der Hauptstadt zusammengekommen, um über die digitale Zukunft Deutschlands zu beraten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz tritt auf dem Gipfel auf. Die Botschaft aus der Wirtschaft ist klar: Deutschland hat Ambitionen – aber die Bürokratie droht, den Anschluss zu kosten.
Digitalgipfel: Wildberger setzt Akzente, die Wirtschaft wartet auf Ergebnisse
Digitalminister Carsten Wildberger eröffnete den Gipfel und skizzierte die digitalpolitischen Ziele der Bundesregierung. SAP-Manager Sauerig lobt den Minister ausdrücklich: Wildberger habe die richtigen Standards und Ambitionen gesetzt und mit dem sogenannten Deutschlandsdeck erste Erfolge vorzuweisen.
Dennoch mahnt Sauerig zur Eile. Die Regierung müsse KI stärker in die Verwaltung und zu den Bürgerinnen und Bürgern bringen. Auch das Thema Arbeitsflexibilität sei essenziell, um ein starkes KI-Startup-Ökosystem in Deutschland aufzubauen.
„Jetzt müssen wir auch liefern”, bringt Sauerig die Erwartungshaltung der Wirtschaft auf den Punkt. Die Grundlagen seien gelegt – nun komme es auf die Umsetzung an.
EU AI Act als Wettbewerbsnachteil: Startups wandern nach London ab
Besonders kritisch bewertet Sauerig den EU AI Act und den EU Data Act. Beide Regelwerke sorgen seiner Beobachtung nach dafür, dass sich erste Startups bewusst außerhalb der EU ansiedeln – etwa in London –, um den strengen europäischen Vorschriften zu entgehen.
Während die USA und China vor allem in die Entwicklung von KI investieren, bindet Europa Ressourcen in Compliance und Regulierungsfragen. Sauerig fordert deshalb eine deutliche Vereinfachung im Rahmen des sogenannten digitalen Omnibus-Verfahrens.
- Startups meiden die EU, um Regulierungsaufwand zu umgehen
- Europäische Kunden prüfen KI-Verträge deutlich länger als internationale Kunden
- Datenschutz und KI-Regulatorik erzeugen Komplexität, die Entscheidungen verzögert
- USA und China investieren, während Europa reguliert
Gleichzeitig stellt Sauerig klar: Regulierung dürfe keine Ausrede sein. Unternehmen müssten selbst Innovation vorantreiben, unabhängig vom gesetzlichen Rahmen.
SAP-Kunden zögern: Regulierung verlangsamt Investitionsentscheidungen
In seiner Rolle als Chief Customer Officer beobachtet Sauerig konkrete Auswirkungen im Tagesgeschäft. Zwar sei KI mittlerweile fester Bestandteil aller SAP-Deals – sowohl im zweiten als auch im dritten Quartal sei sie in sämtlichen Vertragsabschlüssen enthalten gewesen.
Doch gerade europäische Kunden gehen das Thema vorsichtiger an. Sie lesen Verträge ein- oder zweimal mehr durch, stellen mehr Fragen zu Datenschutz und KI-Compliance – und bremsen damit den Digitalisierungsprozess aus. Das steht im Widerspruch zum Ziel, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit durch KI zu steigern.
SAP selbst zeigt sich trotzdem stark: Im dritten Quartal verzeichnete das Unternehmen ein Backlog-Wachstum von 28 Prozent – ein Beleg dafür, dass die globale Nachfrage nach KI-integrierten Unternehmenslösungen ungebrochen ist.
Verantwortung bei KI-Fehlern: Qualität vor Regulierung
Eine zentrale Frage auf dem Gipfel ist auch die Haftung: Wer trägt Verantwortung, wenn KI-Systeme Fehlentscheidungen treffen? Sauerigs Antwort ist eindeutig: Unternehmen, die KI-Lösungen herstellen, stehen in der Pflicht. Gründliches Testen und hohe Qualitätsstandards seien nicht verhandelbar – und müssten nicht erst durch Gesetze erzwungen werden.
„Deutsches Engineering ist in der Welt noch viel wert”, betont Sauerig. SAP stehe mit seinem Namen für die Qualität seiner Produkte, und genau das differenziere das Unternehmen im globalen Wettbewerb.
Der Berliner Digitalgipfel sendet damit ein gemischtes Signal: Die Ambitionen sind da, die ersten Weichen gestellt – doch ohne spürbare Entbürokratisierung der KI-Regulierung droht Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen. Die Wirtschaft wartet auf politische Entscheidungen, die Tempo statt Bremse bedeuten.
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