KI-Risiken: Frank Thelen entlarvt Sam Altmans Taktik
Investor Frank Thelen zweifelt an Sam Altmans KI-Warnungen vor dem UN-Sicherheitsrat – und erklärt, warum Europa den KI-Wettlauf bereits verloren haben könnte.
Dieses Video wurde am 25.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Vor dem UN-Sicherheitsrat haben führende KI-Unternehmer eindringlich vor den Gefahren ihrer eigenen Technologie gewarnt. OpenAI-Chef Sam Altman befürchtet einen möglichen Kontrollverlust über künstliche Intelligenz, Anthropic-Chef Dario Amodei sprach gar von einem existenziellen Risiko für die gesamte Menschheit. Investor und Tech-Unternehmer Frank Thelen sieht die Warnungen jedoch mit großer Skepsis – und ordnet sie als strategisches Manöver vor einem geplanten Börsengang ein. Gleichzeitig warnt er vor der wachsenden KI-Lücke zwischen Europa, den USA und China.
Altmans KI-Warnung: Aufrichtigkeit oder Börsenstrategie?
Frank Thelen ist überzeugt: Was Sam Altman derzeit öffentlich kommuniziert, ist in erster Linie Geldpolitik. OpenAI plant einen Börsengang (IPO), und die öffentlichen Warnungen vor unkontrollierbarer KI seien Teil einer gezielten Taktik, um das Unternehmen in einem möglichst günstigen Licht zu positionieren.
Konkret geht es Altman darum, sogenannte Trainingssequenzen zu reduzieren – ein Schritt, der sich positiv auf den ausgewiesenen Free Cashflow auswirken würde und damit das Unternehmen für Investoren attraktiver macht. „Das ist nicht so, wie er es darstellt”, so Thelens Einschätzung.
Grundsätzlich hält Thelen KI durchaus für sicherheitsrelevant – aber eben nicht in der akuten Dramatik, die derzeit medial inszeniert werde. Die unmittelbare Gefahr sei nicht diese Woche oder dieser Monat, sondern eine strukturelle, langfristige Herausforderung.
KI-Risiken im Sicherheitsbereich: Drohnen, Spionage, Hacking
Unabhängig von Altmans Motiven betont Thelen, dass künstliche Intelligenz ein ernstes sicherheitspolitisches Thema bleibt. Jüngste Berichte über KI-Agenten, die eigenständig Hackingangriffe ausgeführt haben, unterstreichen das Risikopotenzial der Technologie.
Thelen nennt konkrete Szenarien, in denen KI zur Bedrohung werden kann:
- Autonome Steuerung von Drohnen und militärischen Einheiten im Gefechtsfeld
- Industriespionage durch das Knacken kritischer Systeme
- Gezielte Cyberangriffe durch feindliche Staaten mithilfe KI-gestützter Tools
Besonders beunruhigend findet Thelen, dass Europa in diesem Bereich über kein konkurrenzfähiges KI-Modell verfügt. Die leistungsfähigsten Systeme kommen ausnahmslos aus den USA – direkt dahinter folgt bereits China, teils mit Open-Source-Modellen. Europa taucht in dieser Rangliste praktisch nicht auf.
Europa im KI-Wettlauf: Strukturell abgehängt?
Die Frage, ob Europa und Deutschland den KI-Wettlauf noch aufholen können, beantwortet Thelen ernüchternd. Er sieht zwei strukturelle Defizite, die den Kontinent systematisch benachteiligen:
Erstens fehlt es an Daten. Große KI-Modelle benötigen enorme Mengen an Trainingsdaten – ein Gut, das in Europa aufgrund strenger Datenschutzregelungen kaum in ausreichender Menge zur Verfügung steht.
Zweitens ist elektrische Energie in Europa im internationalen Vergleich extrem teuer. Da das Training von KI-Modellen enorme Rechenleistung – und damit Strommengen – erfordert, sind europäische Anbieter gegenüber US-amerikanischen und chinesischen Konkurrenten von vornherein im Nachteil.
Thelen vergleicht die Situation mit dem falschen Klima für eine bestimmte Pflanze: „Wir haben uns leider die völlig falsche Klimazone selbst gebaut, um hier tolle KI-Modelle zu berechnen.” Europa habe diese Rahmenbedingungen politisch und regulatorisch selbst geschaffen.
Einordnung: Zwischen Eigeninteresse und echten Gefahren
Thelens Analyse zeigt, wie eng wirtschaftliche Interessen und öffentliche KI-Debatte miteinander verwoben sind. Die Warnungen führender KI-Entwickler vor dem UN-Sicherheitsrat mögen genuine Sorgen widerspiegeln – sie fallen jedoch in eine Phase, in der Unternehmen wie OpenAI massiv Kapital einwerben und sich für Börsengänge positionieren.
Gleichzeitig bleibt die sicherheitspolitische Dimension real: Wer die leistungsfähigsten KI-Systeme kontrolliert, hat einen entscheidenden strategischen Vorteil – militärisch, wirtschaftlich und geopolitisch. Solange Europa hier keine eigenständige Antwort entwickelt, bleibt der Kontinent in einer kritischen Abhängigkeit von US- und chinesischen Technologieanbietern. Ob politische Initiativen diese Lücke noch schließen können, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
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