Meloni plant Ausländerquote und Burka-Verbot an Schulen
Italiens Regierungschefin Meloni will die Zahl ausländischer Schüler pro Klasse begrenzen und ein Burka-Verbot an Schulen einführen. Das Kabinett soll bald beraten.
Dieses Video wurde am 22.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni plant weitreichende Änderungen im Schulwesen: An öffentlichen Schulen soll die Zahl ausländischer Schüler pro Klasse künftig begrenzt werden. Zudem ist ein Burka-Verbot an Schulen vorgesehen, das auch den Niqab einschließt. Die Maßnahmen sollen laut Regierung die Integration fördern und das Erlernen der italienischen Sprache erleichtern. Das Kabinett soll in den kommenden Wochen über die Pläne beraten.
Ausländerquote in Schulklassen: Was Meloni plant
Kernstück der Reformpläne ist eine Höchstquote für ausländische Schülerinnen und Schüler je Schulklasse. Die genaue Prozentzahl ist noch nicht öffentlich festgelegt, doch das Ziel ist klar: Klassen sollen nicht mehrheitlich aus Kindern ohne italienische Staatsbürgerschaft bestehen, um eine gemeinsame Lernumgebung auf Italienisch zu gewährleisten.
Die Regierung begründet den Schritt mit dem Argument, dass eine zu hohe Konzentration nicht-muttersprachlicher Kinder den Spracherwerb für alle Beteiligten verlangsame. Kritiker hingegen sehen darin eine Stigmatisierung von Migrantenkindern und bezweifeln, dass eine solche Regelung rechtlich haltbar ist.
Ähnliche Debatten wurden in anderen europäischen Ländern bereits geführt. In Deutschland etwa existieren informelle Richtwerte für den Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund, jedoch kein gesetzlich verankertes Limit pro Klasse.
Burka-Verbot und Niqab-Verbot: Religiöse Symbole im Fokus
Parallel zur Quotenregelung plant die Meloni-Regierung, Mädchen das Tragen von Burka und Niqab an Schulen zu untersagen. Beide Kleidungsstücke verhüllen das Gesicht vollständig oder nahezu vollständig und gelten in der öffentlichen Debatte als Symbole einer religiösen Praxis, die nach Ansicht der Regierung mit dem Schulalltag unvereinbar sei.
Die geplante Regelung reiht sich in eine europäische Debatte ein, die seit Jahren geführt wird:
- Frankreich verbietet das Tragen von Gesichtsverschleierungen im gesamten öffentlichen Raum seit 2011.
- Belgien hat ein ähnlich weitreichendes Verbot eingeführt.
- Deutschland diskutiert Teilverbote, etwa im Beamtenverhältnis oder vor Gericht.
- In Österreich gilt ein Verhüllungsverbot an Schulen und in Behörden.
Befürworter des Verbots sehen darin einen Beitrag zur Chancengleichheit und zur Förderung offener Kommunikation im Unterricht. Muslimische Verbände und Bürgerrechtler kritisieren die Pläne als Eingriff in die Religionsfreiheit.
Integration als politisches Leitmotiv
Meloni rahmt beide Maßnahmen als Integrationspolitik ein: Wer in Italien zur Schule gehe, solle Italienisch lernen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Die Begrenzung von Ausländeranteilen in Klassen und das Verschleierungsverbot sollen demnach nicht ausgrenzend wirken, sondern die Voraussetzungen für eine gelingende Integration schaffen.
Damit knüpft die Regierungschefin an ein zentrales Wahlversprechen ihrer Partei Fratelli d’Italia an, die Migration und kulturelle Identität seit Jahren zu Kernthemen macht. Kritische Stimmen aus der Opposition sowie von Bildungsexperten warnen jedoch davor, dass solche Maßnahmen Kinder bestrafen, die selbst keine Entscheidung über ihre Herkunft oder ihr religiöses Elternhaus treffen konnten.
Kabinett entscheidet in den nächsten Wochen
Konkret beschlossen ist noch nichts: Das italienische Kabinett soll die Vorschläge in den nächsten Wochen diskutieren und formal auf den Weg bringen. Ob und in welcher Form die Pläne schließlich Gesetz werden, hängt von den parlamentarischen Mehrheitsverhältnissen und möglichen verfassungsrechtlichen Prüfungen ab.
Die Debatte in Italien dürfte auch auf europäischer Ebene aufmerksam verfolgt werden. Wie andere EU-Staaten mit Fragen von Migration, Schulintegration und religiösen Symbolen umgehen, bleibt eines der prägenden innenpolitischen Themen des Kontinents – ohne einfache Antworten.
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