Dieses Video wurde am 21.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mitten im Berliner Wahlkampf erschüttert ein schwerer Plagiatsvorwurf die CDU: Justizsenatorin Felor Badenberg soll in ihrer Doktorarbeit aus dem Jahr 2005 an mindestens 83 Stellen abgeschrieben haben, ohne die Quellen kenntlich zu machen. Das offenbart ein Gutachten des renommierten Plagiatsjägers Stefan Weber, der die Dissertation im Auftrag von NIUS untersucht hat. Badenberg weist die Vorwürfe zurück und hat die Universität zu Köln mit einer Prüfung beauftragt – rechtlich ist die Universität dazu ohnehin verpflichtet.
Plagiatsvorwurf: „Von der ersten bis zur letzten Zeile”
Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber, einer der bekanntesten Plagiatsjäger im deutschsprachigen Raum, beschreibt den Fall als quantitativ und qualitativ werkprägend. Die Dissertation sei „von vorne bis hinten durchplagiert” – vom Dankeswort über das Vorwort bis hin zum Klappentext der veröffentlichten Buchfassung. Weber geht davon aus, dass bei weiterer Analyse die Zahl der Fundstellen auf 100 bis 150 steigen dürfte – auf gerade einmal 190 Seiten.
Besonders brisant: Als Hauptvorlage dienten offenbar zwei ältere Dissertationen, aus denen Badenberg immer wieder ganze Absätze übernahm – teils mit kleinen Anpassungen, teils wortwörtlich. Weber spricht vom schwersten Plagiatsfall in der deutschen Rechtswissenschaft seit Karl-Theodor zu Guttenberg.
Beispiele belegen systematisches Abschreiben
Die vorgelegten Textvergleiche sind eindeutig. Ein Absatz aus Badenbergs Arbeit stimmt nahezu wortgleich mit einem Text aus dem Werk von Schmidt-Ditschun von 1989 überein – inklusive identischer Auslassungszeichen innerhalb von Gerichtszitaten. Weber wertet dies als besonders gravierend:
- Gerichtszitate wurden aus Sekundärquellen übernommen, ohne die Originalquelle zu prüfen.
- Dieselben Auslassungszeichen wie in der Vorlage wurden beibehalten – ein klares Indiz für direktes Abschreiben.
- Sogar die persönliche Danksagung wurde aus einer Doktorarbeit von 1995 kopiert – lediglich „Eltern und Töchter” wurden durch „Eltern und Mann” ersetzt.
- An Stellen, an denen eine Quelle zitiert wird, finden sich wenige Seiten später unzitierte Übernahmen aus derselben Quelle.
- Mindestens ein Werk wurde abgeschrieben, ohne es an irgendeiner Stelle zu erwähnen.
Diese Technik – an einigen Stellen zitieren, an anderen dieselbe Quelle verschweigen – bezeichnet die Plagiatforschung als „Bauernopferreferenz”: Der Verweis auf die Originalquelle dient als Tarnung für die unzitierten Übernahmen.
Politische Sprengkraft im Berliner Wahlkampf
Der Zeitpunkt der Enthüllung ist für die CDU höchst ungünstig. Felor Badenberg ist nicht irgendeine Politikerin: Sie ist Mitglied des CDU-Bundesvorstands, ehemalige Vizepräsidentin des Bundesamts für Verfassungsschutz und kandidiert auf Wahlplakaten mit dem Titel „Dr. Felor Badenberg”. Diesen akademischen Grad setzt sie als Vertrauenssignal ein – ein Umstand, der die Vorwürfe politisch besonders brisant macht.
Weber kritisiert auch die mediale Reaktion: Statt über den Plagiatsvorwurf zu berichten, hätten einige Medien die Schlagzeile gesetzt, Badenberg „lasse prüfen” – als handele es sich um eine freiwillige Geste. Tatsächlich ist die Universität nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz zur Prüfung verpflichtet, sobald ein Plagiatsverdacht bekannt wird. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen seien ebenfalls denkbar, so Weber.
Rücktrittsforderungen und Konsequenzen
Die politischen Konsequenzen werden offen diskutiert. Angesichts der Beweislage und der Tatsache, dass Badenberg den Doktortitel aktiv in ihrem Wahlkampf einsetzt, mehren sich die Stimmen, die einen freiwilligen Rücktritt fordern – zumindest bis zur abschließenden universitären Entscheidung.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie Plagiatssoftware und systematische Textvergleiche politisch brisante Dissertationen auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung ans Licht bringen können. Für die Berliner CDU kommt die Affäre zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die Partei steht kurz vor der Wahl und muss nun erklären, wie eine Justizsenatorin, die für Recht und Ordnung steht, mit einer möglicherweise erschummelten akademischen Qualifikation aufgetreten ist. Die Universität zu Köln hat das letzte Wort – doch der politische Schaden dürfte bereits eingetreten sein.
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