Dieses Video wurde am 20.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Prominente Persönlichkeiten schalten sich in den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ein und machen öffentlich gegen die AfD mobil. Das ist ihr gutes Recht – und die Sorgen, die sie äußern, sind nicht von der Hand zu weisen. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, ob eine solche Kampagne gegen AfD legitim ist, sondern ob sie tatsächlich etwas bewirkt. Die Anzeichen sprechen dafür, dass das Gegenteil der Fall sein könnte.
Die AfD und ihre treue Wählerschaft
Wer glaubt, mit prominenten Gesichtern und öffentlichkeitswirksamen Appellen die Wählerinnen und Wähler der AfD umstimmen zu können, unterschätzt die Stabilität dieser Bindung. Die Anhängerschaft der Partei steht fest hinter ihr – und besonders hinter ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt.
Gegenwind von außen wird in diesem Milieu nicht als Warnsignal wahrgenommen, sondern als Bestätigung. Kritik von Prominenten oder Medien wird schlicht als weiterer Beweis dafür gedeutet, dass die eigene Partei unbequeme Wahrheiten ausspricht, die „die da oben” zum Schweigen bringen wollen.
Das ist keine neue Beobachtung – es ist das Grundprinzip rechtspopulistischer Mobilisierung in vielen westlichen Demokratien.
Die Erzählung, von der die AfD lebt
Der Kern der AfD-Kommunikation basiert auf einer klaren, eingängigen Lagererzählung: Alle sind gegen uns – und damit auch gegen euch. Wir gemeinsam gegen die. Diese Botschaft entfaltet ihre Wirkung gerade dann am stärksten, wenn sie durch externe Angriffe scheinbar bestätigt wird.
Jede Kampagne, die sich offen und prominent gegen die Partei richtet, liefert dieser Erzählung neues Futter. Die Logik ist einfach:
- Prominente aus Kultur und Unterhaltung gelten in AfD-nahen Milieus als Teil eines vermeintlichen Establishments.
- Ihr Engagement gegen die AfD wird als elitäre Einmischung wahrgenommen.
- Das verstärkt das Gefühl der eigenen Wählerinnen und Wähler, zu einer unterdrückten Mehrheit zu gehören.
- Gegenwind von außen erzeugt innerhalb der Partei Zusammenhalt und Motivation.
Kurz gesagt: Was als Warnung gedacht ist, wirkt als Rückenwind.
Prominente als Signal – aber für wen?
Das Engagement von Prominenten gegen eine politische Partei hat durchaus eine Funktion – nur eine andere als erhofft. Es signalisiert den Menschen, die ohnehin nicht AfD wählen würden, dass sie auf der „richtigen Seite” stehen. Es bestätigt eine bereits vorhandene Haltung und mobilisiert möglicherweise Wählerinnen und Wähler im eigenen Lager.
Doch neue Überzeugungen entstehen dadurch kaum. Wer noch unentschlossen ist oder aus Protest zur AfD neigt, wird durch den Auftritt bekannter Gesichter aus dem Showbusiness kaum umgestimmt. Im Gegenteil: Solche Aktionen können den Eindruck verstärken, dass sich eine weit entfernte kulturelle Elite in den Alltag normaler Menschen einmischt.
Das Ergebnis: Beide Lager stehen fester auf ihrem jeweiligen Hügel. Die gesellschaftliche Spaltung vertieft sich, anstatt überbrückt zu werden.
Was bleibt und was wäre sinnvoller?
Die Sorgen, die hinter der Kampagne stehen, sind ernst zu nehmen. Die politischen Folgen eines starken AfD-Abschneidens in Sachsen-Anhalt sind eine legitime Debatte. Doch die Form der Auseinandersetzung entscheidet darüber, ob ein Argument gehört wird – oder ob es verpufft und das Gegenteil bewirkt.
Wirksamer wäre es, dort präsent zu sein, wo Menschen abgeholt werden müssen: in direktem politischen Dialog, mit konkreten Antworten auf konkrete Alltagsprobleme, ohne das Gefühl zu vermitteln, von oben belehrt zu werden. Prominente Unterstützung kann dabei helfen – wenn sie glaubwürdig wirkt und nicht wie eine inszenierte Gegenoffensive.
Am Ende bleibt die unbequeme Frage: Wem nützt eine solche Kampagne wirklich? Dem gesellschaftlichen Zusammenhalt jedenfalls kaum. Der Graben zwischen den Lagern wächst – und gut gemeinte Aktionen können dazu beitragen, ihn zu vertiefen, anstatt ihn zu schließen.
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