Thursday, 17. September 2026
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Religionsdebatte: „Der Islam bietet die Lösung”

Eine TV-Debatte über die These, der Islam könne die Krise der Moderne lösen, sorgt für heftigen Widerspruch – zwischen Philosophie, Soziologie und gelebter Praxis.

Redaktion · 16. September 2026, 19:45 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 16.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Eine provokante These hat in einer aktuellen Fernsehdebatte für heftige Kontroversen gesorgt: Der Islam, so der Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinschaft, biete die Antwort auf die fundamentalen Widersprüche der Moderne – die Zerrissenheit zwischen individueller Freiheit und gemeinschaftlicher Bindung. Die Religionsdebatte eskalierte schnell, als Kritiker grundlegende Einwände gegen diese These erhoben und auf interne Spannungen sowie Menschenrechtsfragen hinwiesen.

Die These: Islam als Vollendung der Moderne

Die Ausgangshypothese stützt sich auf klassische soziologische Theorie. Die Moderne habe individuelle Autonomie ermöglicht, gleichzeitig aber gemeinschaftliche Bindungen geschwächt – eine Diagnose, die von Klassikern wie Émile Durkheim, Max Weber und Jürgen Habermas geteilt wird. Durkheim warnte vor einem Zustand der Anomie, Weber beschrieb die Verschiebung von Wertrationalität zu Zweckrationalität, Habermas nannte die Moderne ein „unvollendetes Projekt”.

Selbst scharf religionskritische Denker wie Marx und Nietzsche hätten, so das Argument, auf die Leerstelle hingewiesen, die das Verschwinden von Religion hinterlässt. Marx bezeichnete Religion als „Seufzer der bedrängten Kreatur”, Nietzsche fürchtete nach dem „Tod Gottes” das Irren durch ein „unendliches Nichts”. Der Religionssoziologe José Casanova sehe es als Ironie, dass ausgerechnet Religion das Versprechen der Moderne einlösen könnte.

Die islamische Praxis, so das Argument weiter, sei strukturell auf genau diese Doppelanforderung ausgelegt: Das fünfmalige Gebet verbinde individuelle Spiritualität mit gemeinschaftlichem Vollzug, die Pilgerfahrt nach Mekka schaffe kollektive Einheit bei gleichzeitig persönlicher Glaubenserfahrung.

Gegenwind: Differenzierung und Menschenrechtsfragen

Der Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten. Eine Diskutantin hob hervor, dass „den Islam” als einheitliche Größe schlicht nicht gebe. Die Vielzahl theologischer Schulen, Rechtsschulen und gelebter Praxisformen mache pauschale Aussagen unmöglich. Zudem werde die Ahmadiyya-Gemeinschaft von der Mehrheit der Sunniten nicht als islamisch anerkannt – in mehreren muslimisch geprägten Ländern werde sie aktiv verfolgt.

Besonders kritisch wurde die innere Struktur der Ahmadiyya beleuchtet:

  • Ehen werden arrangiert, ein Ausstieg gilt als sozial kaum möglich.
  • Ein Kalif gibt verbindliche Direktiven für alle Lebensbereiche vor.
  • Das Programm, hundert Moscheen zu bauen, folgt zentraler Weisung – unabhängig vom lokalen Bedarf.
  • Die Gemeinschaft richtet sich stark nach innen und heirate vorwiegend unter sich.

Diese autoritär-zentrierte Struktur sei, so die Kritikerin, „die Antithese zur Aufklärung” und unvereinbar mit den Prinzipien des liberalen Rechtsstaats.

Praxiserfahrungen: Wenn Toleranz an Grenzen stößt

Ein weiterer Diskutant brachte konkrete Erfahrungen aus der Sozialarbeit ein. In seiner Einrichtung sei ein Kind vor einer Zwangsheirat bewahrt worden – das Jugendamt habe eingegriffen, da Zwangsheiraten in Deutschland verboten sind. Die Reaktion: Morddrohungen gegen seine Mitarbeiterinnen, angebracht an der Wand der Einrichtung.

Der Diskutant betonte dabei ausdrücklich den Unterschied zwischen Islam und Islamismus, machte jedoch deutlich, dass es Bereiche gebe, in denen religiöse Regeln mit staatlich garantierten Grundrechten kollidierten. Der oft zitierte Satz „Der Islam gehört zu Deutschland” sei ungenau: Die in Deutschland lebenden Muslime gehörten selbstverständlich dazu – ihre Religion aber bringe Wertvorstellungen mit, die in Teilen im Widerspruch zur christlich-jüdisch geprägten Toleranztradition des Abendlandes stünden.

Einordnung: Gemeinschaft ja – aber welche?

Die Debatte berührt einen gesellschaftspolitischen Nerv. Dass die Moderne ein kommunitäres Defizit produziert hat, ist soziologischer Konsens – von Durkheim bis zum zeitgenössischen Soziologen Andreas Reckwitz. Die Frage, welche Gemeinschaftsform dieses Defizit füllen kann und soll, wird von verschiedenen politischen Lagern sehr unterschiedlich beantwortet: von links- wie rechtsextremen Bewegungen ebenso wie von religiösen Gemeinschaften.

Was die Diskussion zeigt: Pauschale Antworten – ob pro oder contra – werden der Komplexität nicht gerecht. Die Debatte darüber, wie individuelle Freiheit und gemeinschaftliche Bindung in einer pluralistischen Gesellschaft in Einklang gebracht werden können, ist längst nicht abgeschlossen. Sie wird – lautstark und kontrovers – weitergeführt werden.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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