Tankrabatt: Verkehrsminister Bilger verteidigt Maßnahme
Bundesverkehrsminister Bilger (CDU) verteidigt den neuen Tankrabatt trotz hoher Kosten und Kritik am Gießkannenprinzip – und erklärt, wann es auf der Schiene besser wird.
Dieses Video wurde am 02.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Bundesregierung hat erneut einen Tankrabatt beschlossen, der seit dem 1. Oktober gilt. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) verteidigt die Maßnahme, obwohl er selbst Bedenken angemeldet hatte und die öffentliche Meinung gespalten ist: Laut einer aktuellen ARD-Umfrage begrüßt rund die Hälfte der Bevölkerung die Entlastung, die andere Hälfte lehnt sie ab. Grund für den erneuten Schritt seien anhaltend hohe Spritpreise, die durch die globale Marktlage und den Krieg in der Ukraine verursacht werden – auf die Deutschland keinen direkten Einfluss hat.
Warum der Tankrabatt trotz Kritik kam
Die Kosten des Programms belaufen sich auf über zwei Milliarden Euro. Kritiker bemängeln vor allem, dass die Entlastung wieder nach dem sogenannten Gießkannenprinzip verteilt wird – also alle Autofahrer gleichermaßen begünstigt, unabhängig vom Einkommen. Bilger räumt ein, dass ein zielgerichteter Auszahlmechanismus eigentlich wünschenswert wäre, dieser aber noch nicht einsatzbereit ist.
Das Bundesfinanzministerium arbeite mit Hochdruck an einem solchen System. Für die aktuelle Runde blieb laut Bilger keine Zeit, da die Regierung schnell handeln wollte und die Umsetzung zum 1. Oktober sehr kurzfristig erfolgte. Besonders Pendler und Unternehmen mit hohen Fahrtkosten seien von den Spritpreisen stark belastet.
Deutschlandticket: Preiserhöhung trotz Milliarden-Subventionen
Gleichzeitig wird das Deutschlandticket um 3,80 Euro teurer. Bilger verteidigt auch diese Entscheidung: Bund und Länder stellen gemeinsam jährlich drei Milliarden Euro für das Ticket bereit. Hinzu kommen Regionalisierungsmittel für den öffentlichen Personennahverkehr und Rekordinvestitionen in die Schieneninfrastruktur.
Die Preisanpassung sei nach objektiven Kriterien berechnet worden und spiegle gestiegene Betriebskosten wider. Bilger hält die Erhöhung für moderat und ist überzeugt, dass das Ticket auch künftig attraktiv bleibt. Er betont zudem, dass sich die Gruppen der Auto- und Bahnfahrer stark überschneiden – weshalb beide Maßnahmen zusammen ein stimmiges Gesamtbild ergäben.
Schienensanierung: Wann wird es für Pendler besser?
Mit der Korridorsanierung der Strecke Berlin–Leer (bei Hannover) läuft eines der größten Bahnprojekte der aktuellen Legislaturperiode an – mit einer Bauzeit von 14 Monaten. Bilger räumt ein, dass Baustellen zunächst zu mehr Verspätungen führen, verspricht jedoch spürbare Verbesserungen bis zum Ende der Wahlperiode.
- Ziel: Pünktlichkeit im Fernverkehr auf 70 Prozent bis 2029
- Aktuelle Pünktlichkeitswerte im ersten Halbjahr 2026 deutlich darunter
- Das Konzept der Korridorsanierung wird grundlegend überarbeitet
- Investitionen in die Schiene auf Rekordniveau
Das bisherige Konzept der Korridorsanierung habe nicht wie geplant funktioniert, gibt Bilger zu. Die Überarbeitung soll sicherstellen, dass nach monatelangen Belastungen für Pendler und den Güterverkehr die Sanierungen auch nachhaltig wirken.
Koalitionsstreit und Stabilität der Bundesregierung
Neben Verkehrsthemen steht die CDU/SPD-Koalition innenpolitisch unter Druck. Streitpunkte sind unter anderem die Zuckersteuer, die Einkommensteuerreform von Finanzminister Lars Klingbeil sowie die Rentenreform. Berichte des Spiegel zufolge soll sich auch Bundespräsident Steinmeier ernsthafte Sorgen um den Fortbestand der Koalition machen und Gespräche mit Friedrich Merz sowie Alexander Dobrindt geführt haben.
Bilger appelliert zur Disziplin: Vereinbartes müsse umgesetzt werden, interne Debatten sollten intern bleiben. Als positives Zeichen wertet er die Verabschiedung der Pflegereform im Kabinett. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die Koalition aus Union und SPD ihre Amtszeit vollständig absolvieren wird – trotz angespannter politischer Stimmung, sinkender Umfragewerte und des erstmaligen Ausscheidens der CDU aus einem Landtag.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Entlastungsmaßnahmen wie der Tankrabatt, steigende ÖPNV-Investitionen und Schienensanierungen das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierungsarbeit zurückgewinnen können – oder ob der Koalitionsdruck weiter zunimmt.
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