Dieses Video wurde am 20.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Ukrainekrieg tritt in eine neue Phase massiver Eskalation: Russland hat erneut einen Großangriff auf die Ukraine geflogen, im Fokus stand die Hauptstadt Kiew. Berichten zufolge setzten die russischen Streitkräfte bis zu 70 ballistische Raketen ein. Mindestens acht Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 30 wurden verletzt. Parallel dazu spitzt sich die innenpolitische Lage in der Ukraine zu: Zwischen Präsident Wolodymyr Selenski und dem im Juli entlassenen Ex-Verteidigungsminister Mychajlo Federow tobt ein handfester Machtkampf, der bis in die westlichen Hauptstädte ausstrahlt.
Massiver Raketenangriff auf Kiew und weitere Städte
Neben Kiew traf ein Drohnenangriff auch ein Polizeigebäude in Schottermyr: Zwei Menschen starben, mindestens 20 wurden verletzt. In Kiew musste die Feuerwehr in der Nacht zu mehreren Brandeinsätzen ausrücken. Unabhängige, kremlkritische Militärexperten sprechen von einem gezielten „Krieg der Städte” – einer Strategie, bei der beide Seiten versuchen, den Gegner im Hinterland durch systematische Angriffe auf urbane Infrastruktur zu zermürben.
Die Ukraine hat ihrerseits mehrfach versucht, russische Städte wie Belgorod und Moskau mit Drohnen anzugreifen. Ziel ist es, die russische Energieversorgung zu schwächen – spiegelbildlich zu dem, was Russland mit der ukrainischen Infrastruktur vorhat.
Patriot-Raketen: Ukraine nahezu schutzlos gegen Ballistische Angriffe
Ein zentrales Problem der ukrainischen Verteidigung ist der akute Mangel an Patriot-Flugabwehrraketen, insbesondere vom Typ PAC-3. Diese gelten als effektivstes verfügbares Mittel gegen ballistische Raketen und können diese vergleichsweise zuverlässig abfangen.
Selenski drängt kontinuierlich auf Nachlieferungen – bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Die Gründe dafür sind vielschichtig:
- Die USA benötigen ihre PAC-3-Bestände für eigene Verbündete, unter anderem im Nahen Osten wegen des anhaltenden Konflikts mit dem Iran.
- Westeuropäische Staaten halten ihre verbleibenden Reserven zurück, um die eigene Verteidigungsfähigkeit nicht zu gefährden.
- Ohne ausreichende Flugabwehr ist Kiew ballistischen Angriffen faktisch schutzlos ausgesetzt.
Mit Blick auf den Herbst droht sich die Lage weiter zu verschlechtern. Russland dürfte erneut gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine ins Visier nehmen – und möglicherweise auch Kläranlagen in Kiew angreifen, um die Wasserversorgung zu unterbrechen. Stromausfälle sind sowohl in der Ukraine als auch in Russland zu erwarten.
Machtkampf zwischen Selenski und Federow
Parallel zum militärischen Druck wächst die innenpolitische Spannung. Ex-Verteidigungsminister Mychajlo Federow, 35 Jahre alt und von 2019 bis 2026 Minister für digitale Transformation, war erst seit Januar 2026 als Verteidigungsminister tätig, bevor ihn Selenski im Juli entließ. Offiziell wurden Streitigkeiten mit Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj als Grund genannt.
Beobachter sehen dahinter jedoch vor allem politisches Kalkül: Federow werden eigene Machtambitionen zugeschrieben, was Selenski offenbar beunruhigt. Federow fordert mittlerweile offen seine Wiedereinsetzung als Verteidigungsminister und ruft – mit dem Argument, die ukrainische Demokratie dürfe nicht „Geisel der Russen” sein – zu Neuwahlen noch während des Krieges auf. Zudem wirft er Selenski Vetternwirtschaft vor: Jobs würden nach Loyalität statt nach Leistung vergeben.
Berichten ukrainischer und britischer Medien zufolge plant Federow eine Reise in die USA, um sich westlichen Rückhalt zu sichern. Das fällt in eine Phase, in der westliche Partner zunehmend gereizt auf die anhaltenden Korruptionsprobleme in der Ukraine reagieren sollen.
Korruption und Personalwechsel im Präsidentenbüro
Kurz nach dem Bekanntwerden des Machtkampfes entließ Selenski seine stellvertretende Bürochefin Iryna Mudreyeva wegen des Verdachts auf Korruption und Geldwäsche. Der Schritt verdeutlicht, wie stark das Thema Korruption die ukrainische Führung belastet – innenpolitisch wie in der Außenwirkung gegenüber westlichen Partnern.
Der Machtkampf zwischen Selenski und Federow ist noch nicht entschieden. Während Russland den Donbas – die Provinzen Donezk und Luhansk – als Vorbedingung jedes Friedensgesprächs beansprucht, steht die Ukraine vor der doppelten Herausforderung: militärisch standzuhalten und dabei politisch geeint zu bleiben. Beides wird in den kommenden Wochen auf eine harte Probe gestellt.
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