US-Abzug aus Irak: Bagdad trägt Verantwortung
Der US-Abzug aus Irak ist vollzogen: Das Pentagon bestätigt den Abgang der letzten Soldaten. Bagdad übernimmt nun die Sicherheitsverantwortung im Land.
Dieses Video wurde am 30.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mit dem US-Abzug aus dem Irak endet eine der längsten und umstrittensten Militärpräsenzen der amerikanischen Geschichte. Das Pentagon bestätigte, dass die letzten US-Soldaten das Land verlassen haben. Die irakische Regierung trägt damit nun die volle Verantwortung für die Sicherheitslage im Land – einschließlich fortbestehender Bedrohungen durch den Islamischen Staat (IS) und iranisch unterstützte Milizen. Ein Kapitel, das mit dem Sturz von Saddam Hussein begann, ist offiziell geschlossen.
Ende einer umstrittenen Militärpräsenz
Seit der US-geführten Invasion im Jahr 2003 war die amerikanische Militärpräsenz im Irak ein dauerhafter Streitpunkt – innenpolitisch in den USA wie auch international. Der ursprüngliche Einsatz mit dem Ziel, Saddam Hussein zu stürzen und angebliche Massenvernichtungswaffen zu sichern, entwickelte sich zu einem jahrelangen Konflikt mit enormen menschlichen und finanziellen Kosten.
In den Folgejahren weitete sich die Mission aus: Nach dem Aufstieg des Islamischen Staates ab 2014 kehrten US-Truppen zurück, um irakische Sicherheitskräfte im Kampf gegen die Terrormiliz zu unterstützen. Zahlreiche Städte, darunter Mossul, wurden in jahrelangen Gefechten zurückerobert. Der nun vollzogene Abzug markiert das definitive Ende dieser militärischen Präsenz.
Irak übernimmt Sicherheitsverantwortung
Das Pentagon machte deutlich, dass die irakische Regierung fortan die Hauptverantwortung für die Bewältigung der sicherheitspolitischen Herausforderungen im Land trägt. Dies betrifft insbesondere zwei zentrale Bedrohungsfelder:
- Verbliebene Strukturen und Netzwerke des Islamischen Staates (IS)
- Mit dem Iran verbündete Milizen, die im irakischen Staatsgebiet operieren
- Die innenpolitische Stabilisierung und den Aufbau funktionsfähiger Sicherheitsinstitutionen
- Den Schutz der Zivilbevölkerung vor terroristischen Anschlägen
Die irakischen Streitkräfte wurden in den vergangenen Jahren intensiv von US-Militärberatern ausgebildet und ausgerüstet. Ob sie den vielschichtigen Bedrohungen eigenständig standhalten können, bleibt eine der drängendsten offenen Fragen.
Bedrohung durch IS-Strukturen und Iran-nahe Milizen
Trotz der militärischen Niederlage des IS im Jahr 2019 ist die Terrormiliz nicht vollständig besiegt. Experten warnen seit Jahren vor einem Wiedererstarken des IS im irakisch-syrischen Grenzgebiet, wo sich verstreute Zellen halten und immer wieder Anschläge verüben.
Gleichzeitig stellen Iran-nahe Milizen – unter dem Dachverband der Volksmobilisierungseinheiten (PMF) – eine komplexe Herausforderung dar. Diese Gruppen sind formal in den irakischen Staatsapparat integriert, handeln jedoch oft nach eigenen politischen und militärischen Agenden, die sich an den Interessen Teherans orientieren.
Für die Regierung in Bagdad bedeutet dies einen schwierigen Balanceakt: Sie muss einerseits die staatliche Souveränität wahren und andererseits den Einfluss mächtiger, bewaffneter Akteure im eigenen Land eindämmen.
Ausblick: Stabilität bleibt fraglich
Der vollständige US-Abzug aus dem Irak ist ein historischer Einschnitt, der sowohl im Nahen Osten als auch in Washington weitreichende Konsequenzen haben wird. Für die irakische Bevölkerung verbindet sich damit die Hoffnung auf mehr staatliche Eigenständigkeit – aber auch die Sorge vor einem Machtvakuum, das neue Konflikte begünstigen könnte.
Die internationale Gemeinschaft und insbesondere die NATO werden die Entwicklungen im Irak genau beobachten. Ob Bagdad die Sicherheitslage langfristig unter Kontrolle halten kann, wird entscheidend davon abhängen, wie konsequent die staatlichen Institutionen gestärkt und der Einfluss nichtstaatlicher Akteure zurückgedrängt werden kann.
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