Dieses Video wurde am 21.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der US-Konsum sendet immer klarere Warnsignale: Zahlreiche Einzelhändler haben in dieser Berichtssaison enttäuschende Zahlen vorgelegt oder ihre Jahresaussichten gesenkt. Gleichzeitig klettern die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen wieder in Richtung 4,72 Prozent, was die Wall Street zunehmend unter Druck setzt. Vor diesem Hintergrund rücken in der kommenden Handelswoche wichtige Quartalszahlen aus dem Tech- und Einzelhandelssektor in den Mittelpunkt – darunter das mit Spannung erwartete Ergebnis von Nvidia.
Konsum kühlt ab: Einzelhandel unter Druck
Die Signale aus dem amerikanischen Einzelhandel verdichten sich. TJX enttäuschte in Teilbereichen, die Baumarktkette Lowe’s senkte ihre Jahresprognose, und auch Lazy Boy sowie ON Holding blieben hinter den Erwartungen zurück. In Europa gesellte sich JD Sports zu den Verlierern. Selbst Walmart, der weltgrößte Einzelhändler, lieferte auf der Ausblicksseite enttäuschende Worte – die Aktie steht trotz zahlreicher Kaufempfehlungen seitens großer Banken unter Druck.
Analysten von Bank of America, Citigroup, BTIG und Guggenheim senkten zwar ihre Kursziele, halten aber allesamt an ihren Kaufempfehlungen für Walmart fest und sehen den aktuellen Kursrückgang als attraktiven Einstiegspunkt. Eine positive Ausnahme bildet Ross Stores: Das Unternehmen übertraf die Gewinnerwartungen und hob die Prognose an.
Kreditausfallrisiken und die Finanzbranche im Fokus
Die Abkühlung des US-Konsums wirft unweigerlich Fragen zur Kreditqualität auf. Viele amerikanische Einzelhändler bieten sogenannte „Buy now, pay later”-Modelle an – Finanzierungsangebote, bei denen Kunden Käufe in Raten abstottern. Unternehmen wie Affirm, das in der kommenden Woche seine Quartalszahlen veröffentlicht, stehen daher besonders im Rampenlicht.
- Steigende Kreditausfallquoten könnten Finanzierungsanbieter und Kreditkartengesellschaften belasten.
- Die Bonität der Konsumenten in einkommensschwächeren Segmenten verschlechtert sich tendenziell.
- Banken und Fintech-Unternehmen rücken als nächste Beobachtungsobjekte in den Anlegerfokus.
Die Frage, ob sinkende Konsumausgaben bereits in steigenden Ausfallraten bei Verbraucherkrediten sichtbar werden, dürfte die Berichtssaison der kommenden Wochen maßgeblich prägen.
Tech-Highlights: Nvidia, Salesforce und Broadcom im Blick
Neben dem Einzelhandel stehen in der kommenden Woche zahlreiche Technologiekonzerne im Rampenlicht. Als wichtigstes Ereignis gilt das Quartalsergebnis von Nvidia am Mittwochabend – der Chiphersteller wird an der Wall Street inzwischen als „Zentralbank der KI-Werte” bezeichnet. Ebenfalls am Mittwoch berichten Salesforce und CrowdStrike, am Donnerstag folgen Autodesk, Workday und Marvel.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Broadcom: Medienberichten zufolge plant der Konzern die Gründung einer Zweckgesellschaft, die bis zu 100 Milliarden Dollar Fremdkapital aufnehmen soll, um KI-Chips und Rechenzentrumsinfrastruktur zu finanzieren und diese anschließend an den KI-Entwickler Anthropic zu vermieten. Broadcom würde Teile dieser Finanzierung garantieren – ein Risiko, das nicht direkt in der Bilanz erscheint, aber erhebliche Off-balance-sheet-Verbindlichkeiten erzeugt.
Dieser Trend zeigt: Die Finanzierung des KI-Booms verlagert sich von freiem Cashflow und Kapitalerhöhungen hin zu immer kreativeren Fremdfinanzierungsstrukturen – mit wachsenden Systemrisiken.
Jackson Hole, Staatsschulden und der Ausblick
Am Ende der Woche steht die mit Spannung erwartete Rede von Kevin Warsh, dem neuen Chef der US-Notenbank Federal Reserve, auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole. Anleger erhoffen sich Hinweise darauf, ob die Fed ihre aufgeblähte Bilanz tatsächlich reduzieren wird – ein Signal, das die Anleiherenditen merklich drücken könnte.
Im Hintergrund schwelen strukturelle Belastungen: Die US-Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, allein in den vergangenen 95 Tagen kamen eine Billion Dollar hinzu. Hinzu kommt ein Rekordvolumen neu ausgegebener Unternehmensanleihen im Technologiesektor – in diesem Jahr voraussichtlich rund 900 Milliarden Dollar, im nächsten Jahr könnten es 1,2 Billionen werden. Das erhöht den Druck auf die Renditen von Staatsanleihen zusätzlich.
Sollten die Renditen zehnjähriger Treasuries in Richtung 5 Prozent steigen, dürfte der Gegenwind für den Aktienmarkt deutlich zunehmen. Angesichts saisonal schwächerer Monate, einer historisch niedrigen Volatilität und vieler offener Fragen zur Geldpolitik bleibt die Lage an den Finanzmärkten fragil. Bitcoin verzeichnete unterdessen eine der besten Wochen seit Langem – ein Zeichen, dass Teile des Marktes alternative Anlagen suchen.
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