Untergrundkindergarten in Saporischschja: Schutz vor dem Krieg
In Saporischschja schützt ein Untergrundkindergarten 118 Kinder vor russischen Angriffen – sieben Meter unter der Erde, hell gestaltet und sicher.
Dieses Video wurde am 23.10.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Sieben Meter unter der Erde, fernab von Explosionen und Drohnenangriffen: In der ukrainischen Stadt Saporischschja ist Anfang Oktober ein Untergrundkindergarten eröffnet worden, der rund 118 Kinder täglich betreut. Die Einrichtung ist eine direkte Antwort auf die anhaltend gefährliche Sicherheitslage in der Frontstadt – und ein stilles Eingeständnis, dass der Krieg so schnell nicht enden wird.
Ein Kindergarten tief unter der Erde
Die Räume des Untergrundkindergartens sind hell gestaltet und freundlich eingerichtet. Das Personal legt großen Wert darauf, dass die Kinder sich nicht wie in einem Keller fühlen. Bunte Wände, ausreichend Licht und eine kindgerechte Atmosphäre sollen den Alltag so normal wie möglich gestalten.
Im Flur der unterirdischen Anlage sorgen Lüftungsanlagen für konstant gute Luftqualität. Die Kinder bleiben während der gesamten Betreuungszeit unter der Erde – sicher vor Bomben und Drohnen, die die Stadt regelmäßig treffen.
Gruppen von etwa fünfjährigen Kindern verbringen ihren Kindergartentag vollständig in der Schutzanlage. Der Betrieb läuft seit Anfang Oktober, die Nachfrage ist hoch.
Eltern: Sicherheit als höchstes Gut
Für die Eltern ist die Einrichtung eine enorme Entlastung. Mehrere Mütter und eine Großmutter berichteten, wie wichtig es für sie sei, ihre Kinder morgens abzugeben und zu wissen, dass sie für die nächsten Stunden in Sicherheit sind.
Eine Mutter erklärte, ausschlaggebend für sie sei, dass ihr Sohn im Kindergarten keine Explosionen hören muss. Er soll nicht aufgeschreckt werden, sondern einfach Kind sein – spielen, lachen, ungestört.
Eine Großmutter schilderte hingegen ihre anhaltende Sorge: Selbst der Weg zum Kindergarten sei gefährlich. Sie fürchte stets, dass auf dem Weg dorthin etwas passieren könnte.
Saporischschja: Nur 20 Kilometer von der Front
Die Lage in Saporischschja ist ernst. Von der Stadtgrenze aus sind es lediglich rund 20 Kilometer bis zur Frontlinie. Teile der gleichnamigen Region sind von russischen Truppen besetzt.
- Die Stadt wird regelmäßig mit Drohnen angegriffen und bombardiert.
- Am Vorabend des Besuchs starben laut offiziellen Angaben drei Menschen bei einem russischen Angriff auf ein Wohnhaus.
- Über Straßen und an Bushaltestellen sind Antidrohnennetze gespannt – ein sichtbares Zeichen der allgegenwärtigen Bedrohung.
- Ein Teil der Region Saporischschja steht unter russischer Besatzung.
Die sichtbaren Schutzmaßnahmen im Stadtbild machen deutlich, mit welchen Gefahren die Bevölkerung täglich konfrontiert ist.
Keine Hoffnung auf Frieden – ein Zeichen der Zeit
Der Bau eines dauerhaften unterirdischen Kindergartens ist mehr als eine Notlösung – er ist ein Symbol. Die Existenz dieser Einrichtung zeigt, dass die Stadt und ihre Bewohner davon ausgehen, dass der Ukraine-Krieg noch lange andauern wird.
Befragte Eltern äußerten sich klar zu den laufenden diplomatischen Bemühungen: Alle erklärten, sie setzten keinerlei Hoffnung darin, dass diese zu einer Friedenslösung führen könnten. Das Vertrauen in politische Prozesse ist offenbar aufgebraucht.
Was bleibt, ist der Alltag – sieben Meter unter der Erde, so sicher und normal wie möglich. Der Untergrundkindergarten in Saporischschja steht für den verzweifelten, aber entschlossenen Versuch einer Gesellschaft, trotz Krieg für ihre Kinder eine Zukunft zu gestalten.
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