Steinmeier-Nachfolge: Merz zwischen CDU und CSU
Die Suche nach der Steinmeier-Nachfolge spaltet CDU und CSU: Söder besteht auf Ilse Aigner, die CDU bringt eigene Kandidatinnen ins Gespräch.
Dieses Video wurde am 28.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Frage, wer Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident ablösen soll, entwickelt sich zum Belastungstest für die Union. Während Kanzler Friedrich Merz sich bislang bedeckt hält, prescht CSU-Chef Markus Söder mit einem klaren Favoriten vor – und auch aus den CDU-Landesverbänden wächst der Druck. Ein Machtkampf zwischen den Schwesterparteien bahnt sich an, der das Ansehen des höchsten Staatsamtes zu beschädigen droht.
Söder setzt früh auf Ilse Aigner
Bereits im April brachte Markus Söder den Namen der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner als mögliche künftige Bundespräsidentin ins Gespräch – weit vor dem von Merz angekündigten Zeitplan. Demnach sollte die Entscheidung erst nach den Landtagswahlen im Osten und im Konsens zwischen CDU, CSU und SPD fallen.
Söder hielt sich an diese Absprache nicht. Seitdem dominiert Aigners Name die Debatte – und das nicht ohne Grund: Die Bayerin genießt breite Unterstützung, die weit über die eigenen Reihen hinausgeht. Auch bei Grünen und SPD stößt sie auf Wohlwollen. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch fragte öffentlich, worauf man eigentlich noch warte, wenn ein geeigneter Name längst auf dem Tisch liege.
Auf dem CSU-Parteitag in München begrüßte Merz Aigner zwar demonstrativ und erntete dafür tosenden Applaus – zu einer klaren Festlegung ließ er sich aber nicht hinreißen.
CDU-Landesverbände drängen auf eigene Kandidatinnen
In der CDU wächst der Widerstand, sich die Kandidatenkür von der kleineren Schwesterpartei diktieren zu lassen. Aus den Landesverbänden kommt erheblicher Gegendruck. Besonders der CDU-Landesverband Hessen macht sich bemerkbar: Laut einem Bericht der Rheinischen Post soll Merz die hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Kluge als mögliche Steinmeier-Nachfolgerin favorisieren.
Der Hessen-Verband ist in der aktuellen Bundesregierung nicht vertreten und sieht in der Bundespräsidentschaft die Chance, bundespolitisch Gewicht zu zeigen. Das Umfeld von Merz bemühte sich zwar um Dementis, doch die Personaldiskussion ist damit keineswegs beendet.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei nannte öffentlich gleich mehrere CDU-Politikerinnen als geeignet:
- Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
- Bildungsministerin Karin Prien
- Ex-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer
Die breite Nennung von Kandidatinnen verdeutlicht, dass sich die CDU ihre Optionen offenhalten will – und Söders Vorstoß nicht widerstandslos akzeptiert.
Merz zwischen den Stühlen
Für Friedrich Merz ist die Lage zunehmend heikel. Als Kanzler und CDU-Chef müsste er eigentlich die Richtung vorgeben – doch bislang laviert er zwischen den Ansprüchen der eigenen Landesverbände und dem Druck aus München. Einen gemeinsamen Kandidaten zu küren war seine erklärte Absicht; die Realität sieht anders aus.
Die Verzögerung birgt politische Risiken. Je länger der Streit öffentlich schwelt, desto mehr leidet das Bild eines würdevollen, überparteilichen Wahlprozesses. Der Bundespräsident soll das Land repräsentieren und zusammenführen – doch ausgerechnet seine Wahl droht die Unionsparteien zu spalten.
Ausblick: November als entscheidender Monat
Ursprünglich war der November als Zieldatum für eine interne Einigung vorgesehen. Ob dieser Zeitplan noch zu halten ist, erscheint angesichts der öffentlich ausgetragenen Differenzen fraglich. Die Bundesversammlung zur Wahl des neuen Staatsoberhauptes findet planmäßig im Frühjahr 2027 statt – Zeit bleibt also noch, doch der Spielraum für einen geräuschlosen Einigungsprozess schwindet mit jedem weiteren Kandidatennamen, der in die Öffentlichkeit gelangt. Für Merz wird es darauf ankommen, die Union bald auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, bevor der Streit weiteren Schaden anrichtet.
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