Dieses Video wurde am 13.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Wer während einer Sonnenfinsternis ungeschützt in die Sonne geblickt hat, riskiert einen ernsthaften Netzhautschaden. Dr. Bettina Hoberger, Molekularmedizinerin an der Augenklinik Erlangen, erklärt, wie sich eine solche Verletzung äußert, warum sie besonders heimtückisch ist und was Betroffene wissen müssen. Die gute Nachricht: Die Mehrheit der Menschen hat sich bei der jüngsten Sonnenfinsternis adäquat verhalten – schwere Augenverletzungen blieben nach Angaben der Klinik die Ausnahme.
Kaum schwere Fälle – Prävention hat gewirkt
An der Augenklinik Erlangen präsentierten sich nach der Sonnenfinsternis zwar mehrere Patientinnen und Patienten zur Kontrolle, der Befund fiel jedoch überwiegend erfreulich aus. Die Vorstellungen seien „alle bland” gewesen, berichtet Dr. Hoberger – also ohne klinisch relevante Befunde. Schwere Verletzungen, die einer Therapie bedurft hätten, wurden nicht verzeichnet.
Die Expertin führt dies auf die intensive Aufklärungsarbeit im Vorfeld zurück. Viele Menschen hätten CE-zertifizierte Schutzbrillen mit entsprechenden ISO-Normen verwendet. Das zeigt: Öffentliche Informationskampagnen können auch bei einem medizinischen Thema wie dem Augenschutz messbar wirken.
Netzhautschaden: Symptome und Diagnose
Ein Netzhautschaden durch intensive Sonnenstrahlung lässt sich treffend mit einem Brandschaden vergleichen – mit einem entscheidenden Unterschied zur Verbrennung an der Haut: Er ist schmerzfrei. Das macht ihn besonders tückisch, denn der fehlende Schmerz verleitet dazu, die Verletzung zu unterschätzen oder gar nicht wahrzunehmen.
Stattdessen äußert sich der Schaden durch einen Sehverlust in dem Bereich der Netzhaut, der der Lichtquelle direkt ausgesetzt war. Betroffene bemerken typischerweise einen dunklen Fleck oder eine Lücke im Sichtfeld – ähnlich wie ein blinder Fleck, der neu aufgetreten ist.
- Plötzlicher dunkler Fleck oder Lücke im Sichtfeld
- Verschwommenes Sehen in einem bestimmten Bereich
- Verzerrte Wahrnehmung von geraden Linien
- Keine Schmerzen trotz vorhandener Verletzung
Wer solche Symptome nach einem ungeschützten Blick in die Sonne bemerkt, sollte umgehend eine Augenklinik aufsuchen.
Heilungschancen: Kommt auf den Schweregrad an
Ob ein Netzhautschaden folgenlos ausheilt oder dauerhafte Einschränkungen hinterlässt, hängt laut Dr. Hoberger von der Schwere und Dauer der Lichtexposition ab. Auch hier gilt die Analogie zur Hautverbrennung:
Leichte Fälle – etwa ein kurzer, unbeabsichtigter Blick in die Sonne – können sich vollständig regenerieren, ohne bleibende Schäden zu verursachen. Bei längerer oder intensiverer Exposition hingegen drohen irreversible Schäden an der Netzhaut, der sehenden Schicht des Auges.
Eine gezielte medizinische Behandlung des Netzhautschadens selbst ist bislang kaum möglich; Therapieansätze zielen vor allem auf die Unterstützung des natürlichen Heilungsprozesses ab. Umso wichtiger ist daher die Prävention.
Warum normale Sonnenbrillen nicht ausreichen
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, eine normale Sonnenbrille biete ausreichend Schutz beim Betrachten einer Sonnenfinsternis. Dr. Hoberger erklärt, warum das gefährlich falsch ist: Die Sonne gibt nicht nur sichtbares Licht, sondern auch intensive Wärmestrahlung über große Distanzen ab. Dieser Energieeintrag reicht aus, um die empfindlichen Zellen der Netzhaut zu schädigen – ähnlich wie die Erde durch die Sonne erwärmt wird, auch ohne direkten Kontakt.
Handelsübliche Sonnenbrillen sind lediglich darauf ausgelegt, blendende Helligkeit zu reduzieren, nicht jedoch die für das Auge schädliche Intensität der Sonnenstrahlung vollständig zu filtern. Nur speziell zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen nach den einschlägigen ISO-Normen bieten den notwendigen Schutz, um einen Netzhautschaden zuverlässig zu verhindern.
Der Fall zeigt einmal mehr: Beim Thema Augenschutz während astronomischer Ereignisse ist Vorsicht keine Übertreibung. Wer unsicher ist, ob er sich ausreichend geschützt hat, sollte auch ohne akute Beschwerden vorsorglich einen Augenarzt aufsuchen – denn das Fehlen von Schmerzen bedeutet nicht automatisch das Fehlen eines Schadens.
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