PKV-Chef warnt: 15,5 Milliarden Euro auf dem Spiel
Florian Reuter, Direktor des PKV-Verbandes, erklärt, warum die Private Krankenversicherung 15,5 Mrd. Euro ins Gesundheitssystem einbringt und was bei einer Abschaffung wegfiele.
Dieses Video wurde am 22.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Private Krankenversicherung (PKV) steht regelmäßig im Zentrum gesundheitspolitischer Debatten – insbesondere wenn es um Wartezeiten bei Kassenärzten geht. Florian Reuter, Direktor des PKV-Verbandes, widerspricht dem verbreiteten Vorwurf, Privatpatienten seien schuld an überfüllten Arztpraxen. Im Gegenteil: Er beziffert den finanziellen Beitrag der PKV auf über 15,5 Milliarden Euro jährlich und warnt vor massiven Folgen für die Gesundheitsversorgung, sollte dieses System abgeschafft oder grundlegend verändert werden.
PKV als Ursache für Wartezeiten? Ein Blick auf die Zahlen
Rund 10 Prozent der Menschen in Deutschland sind privat versichert, 90 Prozent gesetzlich. Allein dieses Zahlenverhältnis zeige, so Reuter, dass Privatpatienten die Praxen nicht verstopfen und Kassenpatienten keine Termine wegnehmen könnten. Ein Vergleich macht das anschaulich: Wenn 100 Menschen in einer Warteschlange stehen und 10 herausgehen, verändert sich die Wartezeit für die übrigen kaum merklich.
Das eigentliche Problem liege demnach nicht im Nebeneinander von gesetzlichem und privatem System, sondern in strukturellen Defiziten innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) selbst. Jedes System müsse seine Probleme eigenständig lösen, lautet Reuters Grundsatz.
Strukturelle Reformen in der GKV gefordert
Als konkrete Stellschrauben zur Reduzierung von Wartezeiten nennt Reuter mehrere Ansätze:
- Einführung eines verbindlichen Primärarztsystems als Steuerungsinstrument in der GKV
- Reform der Quartalsvergütung, die Anreize schafft, Patienten unnötig oft einzubestellen oder Termine ins nächste Quartal zu verschieben
- Reduzierung der – im internationalen Vergleich sehr hohen – Zahl der Arztbesuche in Deutschland
- Mehr Wahlfreiheit und Transparenz für Versicherte, etwa über die eigenen Behandlungskosten
- Modelle nach Schweizer Vorbild, bei denen Versicherte zwischen verschiedenen Versorgungswegen wählen können
Reuter betont, dass Versicherte jede Steuerungsreform als Belastung empfinden werden, wenn sie nicht mit echten Wahlmöglichkeiten verbunden ist. In der PKV wählen bereits rund ein Viertel der Versicherten freiwillig Tarife mit Primärarztsystem und zahlen dafür niedrigere Prämien.
15,5 Milliarden Euro Mehrumsatz: Was die PKV zum System beiträgt
Der finanzielle Beitrag der privaten Krankenversicherung zum Gesundheitssystem ist laut Reuter erheblich. Da für Privatpatienten andere Vergütungsregeln gelten als für Kassenpatienten, entsteht ein sogenannter Mehrumsatz – ein Zuschuss, den die PKV in das gesamte Versorgungssystem einbringt.
Dieser Betrag beläuft sich auf über 15,5 Milliarden Euro jährlich. Besonders profitieren die niedergelassenen Ärzte: Allein durch das Vorhandensein der PKV entstehen in Praxen, die sowohl Kassen- als auch Privatpatienten behandeln, jährlich mehr als 8 Milliarden Euro an Mehreinnahmen. Im ambulanten Bereich tragen die 10 Prozent Privatversicherten über 20 Prozent der Gesamtkosten.
Dieser Mehrumsatz ist für viele Arztpraxen ein unverzichtbares wirtschaftliches Standbein, das überhaupt erst eine wohnortnahe Versorgung ermöglicht. Fiele er ersatzlos weg, würde das nach Reuters Einschätzung die Finanzierungsgrundlage zahlreicher Praxen gefährden.
Abschaffung der PKV: Folgen für alle Patienten
Die Bundesärztekammer argumentiert, dass höhere Einnahmen aus der PKV über bessere Ausstattung und mehr Personal letztlich allen Patienten zugutekämen. Reuter bestätigt diese Logik und schärft sie: Würde die PKV von heute auf morgen abgeschafft, fielen die 15,5 Milliarden Euro ersatzlos aus dem System heraus.
Das hätte nicht nur Konsequenzen für Privatpatienten, sondern vor allem für die medizinische Infrastruktur, von der die große Mehrheit der gesetzlich Versicherten profitiert. Praxen, die sich heute durch PKV-Einnahmen eine moderne Ausstattung leisten können, würden unter Druck geraten. Die Debatte um eine Bürgerversicherung oder die Abschaffung der PKV muss deshalb diese Finanzierungsrealität mitdenken – sonst drohen Versorgungsengpässe, die vor allem einkommensschwächere Kassenpatienten träfen.
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