Dieses Video wurde am 13.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die DAX-CEO-Gehälter sind im Jahr 2025 erneut deutlich gestiegen – und das, obwohl die Gewinne der größten deutschen Konzerne zum wiederholten Male stagnierten. Laut einer Analyse der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und zweier Lehrstühle der TU München verdienten DAX-Vorstände im Schnitt 3,9 Millionen Euro – vier Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders stark legten die Vorstandsvorsitzenden zu, während ein zentrales Zukunftsthema in den Vergütungssystemen nach wie vor fehlt.
CEO-Gehälter wachsen deutlich schneller als die der übrigen Vorstände
Die Analyse, die bereits zum 27. Mal durchgeführt wurde, zeigt eine wachsende Kluft innerhalb der Vorstandsetagen. DAX-CEOs verdienten 2025 im Schnitt 6,1 Millionen Euro – ein Zuwachs von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bekamen sie fast doppelt so viel wie einfache Vorstandsmitglieder, die im Schnitt auf 3,3 Millionen Euro kamen.
DSW-Chef Marc Tüngler spricht von neuen Machtverhältnissen: In Zeiten globaler Unsicherheit komme es mehr denn je auf die Führungspersönlichkeit an der Spitze an. CEO-Positionen sind öffentlichkeitswirksamer geworden und erfordern eine Kommunikation rund um die Uhr mit Stakeholdern – was sich zunehmend in der Vergütung niederschlägt.
Die Vergütungsstruktur ist dabei zunehmend variabel und langfristig orientiert. Kurzfristige Aktienkursziele oder hohe Fixgehälter spielen eine untergeordnete Rolle.
Topverdiener 2025: Zwei neue Namen an der Spitze
Zwei neue Namen führen in diesem Jahr die Rangliste der bestbezahlten DAX-CEOs an:
- Christian Klein (SAP): 10,9 Millionen Euro
- Christian Sewing (Deutsche Bank): 10,5 Millionen Euro
- Oliver Blume (Volkswagen/Porsche): rund 9 Millionen Euro
- Björn Gulden (Adidas): rund 8 Millionen Euro
- Belén Garijo (Merck): unter den Top 10
Am unteren Ende der Tabelle finden sich Bettina Orlopp (Commerzbank) mit 3,2 Millionen Euro sowie Jean Parisot (Symrise) und Hans Dieter Pötsch (Porsche SE) mit jeweils rund zwei Millionen Euro. Von den vier weiblichen DAX-CEOs bewegt sich die Mehrheit eher in der zweiten Tabellenhälfte.
Kritik: Gewinne stagnieren, Schallmauer von 10 Millionen Euro fällt
Besonders brisant ist der Kontext: Die Gewinne der DAX-Konzerne stagnierten 2025 zum wiederholten Male. Dass ausgerechnet in diesem Umfeld die Vergütung der operativ verantwortlichen Manager steigt, sorgt für Diskussionen. Tüngler kritisiert insbesondere die Überwindung der Schallmauer von 10 Millionen Euro – gleich zwei CEOs haben diese Marke geknackt, weitere kratzen daran.
Eine gesetzliche Obergrenze fordert der DSW dennoch nicht: Im internationalen Vergleich sind deutsche CEO-Gehälter nach wie vor moderat. Der Chef von AB InBev, Michel Doukeris, verdient in Europa rund 64 Millionen Euro, Goldman-Sachs-Chef David Solomon in den USA sogar 105 Millionen Euro.
Viele Konzerne haben zudem in der Hauptversammlungssaison 2024/25 ihre Maximalvergütungen erhöht. Bei der Telekom etwa könnte CEO Timotheus Höttges künftig bis zu 14 Millionen Euro verdienen – was die Schallmauer strukturell leichter durchbrechbar macht.
Künstliche Intelligenz fehlt als Vergütungskriterium
Ein zentraler Befund der Analyse überrascht: In keinem einzigen Vergütungssystem der DAX-Konzerne ist Künstliche Intelligenz als eigenständige, messbare Kennzahl verankert. KI taucht lediglich in weichen Sammelpositionen auf – konkrete Zielvorgaben fehlen vollständig.
Für die Studienautoren ist das ein Warnsignal. Unternehmen sprechen seit Jahren davon, wie entscheidend die KI-Transformation für ihre Wettbewerbsfähigkeit ist. Wenn Vorstände aber nicht an konkreten KI-Zielen gemessen und entsprechend vergütet werden, fehlt ein zentraler Steuerungsimpuls für den digitalen Wandel.
Angesichts der erwarteten DAX-Rekordgewinne von knapp 128 Milliarden Euro im laufenden Jahr 2025 könnte die Debatte über angemessene CEO-Vergütung neu entfachen. Ob dann auch KI als harte Kennzahl Einzug in die Vergütungssysteme hält, wird eine der spannenden Fragen der nächsten Hauptversammlungssaison sein.
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