Dieses Video wurde am 18.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mischt sich einer der bekanntesten deutschen Kabarettisten ein: Dieter Hallervorden wirbt öffentlich für CDU-Ministerpräsident Sven Schulze – und macht dabei keinen Hehl daraus, dass es ihm vor allem darum geht, eine absolute Mehrheit der AfD zu verhindern. Der 90-Jährige postet auf seinen Social-Media-Kanälen regelmäßig Witze auf Kosten der Partei und tritt gemeinsam mit dem amtierenden Regierungschef auf. Sein Engagement sorgt für Aufmerksamkeit – aber auch für Kontroversen.
AfD bei 42 Prozent: Die Ausgangslage im Sachsen-Anhalt Wahlkampf
Die Umfragewerte aus Sachsen-Anhalt sind alarmierend für alle Parteien jenseits der AfD. Aktuelle Erhebungen sehen die AfD bei rund 42 Prozent – ein Vorsprung von etwa 20 Prozentpunkten gegenüber der CDU. Eine absolute Mehrheit für die AfD ist damit rechnerisch in Reichweite.
Der Landesverband der AfD Sachsen-Anhalt wurde von den Behörden als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Genau das treibt Hallervorden nach eigenen Aussagen an: Er wolle verhindern, dass sein Heimatland von einer solchen Partei allein regiert wird.
Hallervordens Auftritt an der Seite von Sven Schulze gilt politisch als Coup für den Ministerpräsidenten – auch wenn der Kabarettist betont, er unterstütze ausdrücklich die Person Schulze, nicht die CDU als Partei.
Kritik an Merz und Gaza-Aussagen: Hallervorden bleibt unbequem
Trotz seines Eintretens für den CDU-Kandidaten hält Hallervorden mit Kritik an den Christdemokraten nicht zurück. Er äußerte sich scharf zu Bundeskanzler Friedrich Merz und zur deutschen Rüstungspolitik. Darüber hinaus sorgte er bei CDU-Wahlkampfauftritten mit kontroversen Aussagen zum Gaza-Konflikt für Aufsehen.
Diese Widersprüchlichkeit – Wahlkampfhilfe für die CDU bei gleichzeitiger Fundamentalkritik an der Partei – brachte Hallervorden viel Gegenwind ein. Befürworter sehen darin jedoch Glaubwürdigkeit: Er positioniert sich gegen die AfD, ohne sich unkritisch einer Partei zu unterwerfen.
Prominente Allianz: Das Bündnis „Mehr als uns trennt”
Hallervorden ist nicht allein. Unter dem Dach des unabhängigen Vereins „Mehr als uns trennt” hat sich ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis formiert, das auf die Konsequenzen einer AfD-Alleinregierung aufmerksam machen will. Zu den Unterstützern zählen unter anderem:
- Schauspielerin Sandra Hüller
- Schauspieler Christian Friedel
- Sportfunktionäre und Wissenschaftler
- Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft
Das Bündnis setzt auf eine Plakatkampagne, die konkrete Auswirkungen einer AfD-Regierung visualisiert – etwa für den Kulturbereich und die Pflegeversorgung. Die Kampagne richtet sich bewusst an alle gesellschaftlichen Gruppen und läuft unter dem Dach der Kunstfreiheit.
Einordnung: Wenn Prominenz politisch wird
Das Engagement von Hallervorden und anderen Prominenten zeigt, wie angespannt die Stimmung wenige Wochen vor der Wahl ist. Viele, die sich sonst aus dem Tagesgeschäft der Politik heraushalten, sehen sich offenbar zum Handeln veranlasst – aus Sorge vor einem historischen Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt.
Ob solche Prominenten-Auftritte tatsächlich Wählerstimmen verschieben, bleibt offen. Klar ist: Der Sachsen-Anhalt-Wahlkampf 2026 wird nicht nur von Parteien, sondern zunehmend auch von der Zivilgesellschaft mitgeprägt. Der Ausgang der Wahl dürfte weit über das Bundesland hinaus Signalwirkung haben.
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