Dieses Video wurde am 18.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September setzt ein breites Bündnis aus Sport, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft auf die Heimatliebe-Kampagne, um eine absolute Mehrheit der AfD zu verhindern. Zu den Unterzeichnern gehören Schauspielerinnen wie Sandra Höhler und Anna Schut sowie weitere Prominente aus dem deutschsprachigen Raum. Die Kampagne fordert Bürgerinnen und Bürger auf, den Satz „Wahre Heimatliebe ist …” zu vervollständigen – und plant dazu eine Bustour durch das Land. Doch Beobachter bezweifeln, dass die Aktion die gewünschte Wirkung erzielt.
Was die Kampagne bezweckt – und wen sie anspricht
Hinter der Initiative steckt ein eingetragener Verein, der Spendengelder gesammelt und eine Multimedia-Kampagne entwickelt hat. Die Botschaft: Sollte die AfD eine absolute Mehrheit erringen, hätte das „gravierende gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen” – nicht nur für Sachsen-Anhalt, sondern bundesweit.
Unterstützer werden aufgerufen, stattdessen eine „Partei der Mitte” zu wählen. Kritiker wenden ein, dass dieser Begriff in der konkreten politischen Konstellation vor allem linke und linksliberale Parteien meint – und dass die Formulierung wenig geeignet ist, unentschlossene Wählerinnen und Wähler zu überzeugen.
Aktuelle Umfragedaten des Instituts Insa deuten darauf hin, dass die AfD in Sachsen-Anhalt nach wie vor erhebliches Potenzial hat und eine absolute Mehrheit rechnerisch erreichbar wäre.
Prominente Unterstützer und das Risiko des Gegenteils
Neben weniger bekannten Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern zieht vor allem die Beteiligung von Tatort-Kommissarin Anna Schut Aufmerksamkeit auf sich. Die Frage, ob prominente Gesichter tatsächlich Wählerentscheidungen beeinflussen können, wird dabei kontrovers diskutiert.
- Prominente aus Kino und Fernsehen appellieren an Wähler in Sachsen-Anhalt.
- Auch Akteure aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind unter den Unterstützern.
- Die Kampagne setzt auf eine Bustour sowie digitale Formate.
- Kirchenvertreter, darunter der Magdeburger Bischof, positionieren sich ebenfalls gegen die AfD.
- AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nutzt Gegenaktionen gezielt für seine eigene Mobilisierung.
Besonders diskutiert wird ein Transparent am Kirchturm in Tangermünde mit dem Schriftzug „Herz statt Hetze” – in den Farben der AfD gestaltet. Ulrich Siegmund deutete dies öffentlich als unfreiwillige Wahlwerbung für seine Partei um und erzielte damit hohe Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken.
Angst um Pfründen oder genuine Überzeugung?
Ein zentraler Vorwurf an die Kampagnenteilnehmer lautet, dass viele von ihnen handfeste eigene Interessen verfolgen. Die Sorge gilt demnach nicht zuvorderst der Demokratie, sondern dem möglichen Wegfall öffentlicher Fördergelder für Kulturprojekte und zivilgesellschaftliche Organisationen.
Tatsächlich hat die AfD angekündigt, den Rundfunk-Staatsvertrag kündigen und öffentlich finanzierte NGOs stärker unter die Lupe nehmen zu wollen. Für viele Beteiligte im Kulturbereich und bei öffentlich-rechtlichen Sendern wären das unmittelbare Konsequenzen.
Hinzu kommt die Debatte um Dieter Hallervorden, den die CDU als prominenten Unterstützer gewinnen konnte. Dessen teils widersprüchliche politische Aussagen – darunter Vergleiche von CDU-Chef Friedrich Merz mit historischen Figuren – sorgten für Irritationen und werden als weiteres Beispiel kontraproduktiver Prominenten-Mobilisierung gewertet.
Signalwirkung für den Bundestrend
Sachsen-Anhalt gilt als Testfall für die Frage, ob die AfD auch auf Landesebene Regierungsverantwortung übernehmen kann. Eine absolute Mehrheit hätte zweifellos Signalwirkung für die gesamte Bundesrepublik – das sehen Befürworter wie Gegner der Partei gleichermaßen so.
Ob die Heimatliebe-Kampagne dabei tatsächlich Wählerinnen und Wähler umstimmt oder – wie Kritiker vermuten – eher als Mobilisierungshilfe für die AfD wirkt, wird sich spätestens am Wahlabend zeigen. Der Satz „Wahre Heimatliebe ist …” könnte nach aktuellem Meinungsklima von vielen Sachsen-Anhaltern ganz anders vervollständigt werden, als es die Initiatoren beabsichtigen.
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