Reiche ordnet Gasspeicher-Befüllung über SEFA an
Wirtschaftsministerin Reiche kehrt von ihrer Linie ab: Der Gasimporteur SEFA kauft diskret Gas, um deutsche Gasspeicher auf 71 Prozent zu füllen.
Dieses Video wurde am 17.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Wirtschaftsministerin Katharina Reiche hat eine deutliche Kehrtwende vollzogen: Obwohl sie staatliche Eingriffe zur Befüllung der deutschen Gasspeicher lange abgelehnt hatte, greift sie nun doch zu diesem Mittel. Über den bundeseigenen Gasimporteur SEFA wird seit Kurzem schrittweise Gas am Markt eingekauft, um die Speicherstände in Deutschland anzuheben. Die Aktion soll möglichst diskret ablaufen, damit die staatlichen Käufe den Marktpreis nicht zusätzlich in die Höhe treiben.
Speicherstände weit unter dem Zielwert
Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu knapp 56 Prozent gefüllt – ein Wert, der deutlich unter dem üblichen Niveau für diese Jahreszeit liegt. Gesetzlich vorgeschrieben ist zum 1. November ein Mindestfüllstand von 80 Prozent. Da für einige Speicher Ausnahmeregelungen gelten, ergibt sich ein rechnerischer Zielwert von 71 Prozent.
Ob dieser Wert noch rechtzeitig erreicht werden kann, ist ungewiss. Das Umfeld der Ministerin geht davon aus, dass das Ziel möglicherweise mit leichter Verspätung erreicht wird. Die Zeit drängt, denn die Einspeichersaison läuft traditionell im Sommer und frühen Herbst.
Konflikt um die Straße von Hormus verteuert Gas
Der Hauptgrund für den stockenden Einspeicherprozess liegt in der aktuellen Preissituation auf den Energiemärkten. Wegen des Konflikts um die Straße von Hormus sind die Preise für Gas und Öl spürbar gestiegen. Das klassische Handelsmodell – im Sommer günstig einkaufen und im Winter mit Gewinn verkaufen – rechnet sich für Händler derzeit kaum noch.
Die Folge: Private Anbieter halten sich mit dem Einspeichern zurück, die Speicher füllen sich nicht ausreichend von selbst. Genau das hat Reiche zum Umdenken bewogen, auch wenn sie ursprünglich befürchtete, staatliche Käufe könnten die Preise noch weiter nach oben treiben.
Warum SEFA handelt – und Unipar nicht
Die Bundesregierung setzt bei dieser Aktion auf den Gasimporteur SEFA, ein bundeseigenes Unternehmen, das bereits begonnen hat, in kleinen Schritten Gas einzukaufen. Nicht mit im Boot ist hingegen der ebenfalls bundeseigene Energiekonzern Unipar. Das Bundesfinanzministerium hat Bedenken angemeldet, dass eine Beteiligung Unipars die geplante Privatisierung des Unternehmens negativ beeinflussen könnte.
Die wichtigsten Eckpunkte der Aktion im Überblick:
- Aktueller Füllstand: rund 56 Prozent
- Gesetzlicher Mindestfüllstand zum 1. November: 80 Prozent
- Rechnerischer Zielwert nach Ausnahmeregelungen: 71 Prozent
- Geschätzte Bilanzbelastung für SEFA: 40 bis 60 Millionen Euro
- Handelndes Unternehmen: SEFA (bundeseigener Gasimporteur)
Kosten für den Staat überschaubar
Das Umfeld von Ministerin Reiche rechnet mit einer Bilanzbelastung von 40 bis 60 Millionen Euro für SEFA durch die Einkäufe. Diese Summe gelte als „leicht zu verkraften”, so die Einschätzung aus ihrem Ministerium. Angesichts der möglichen volkswirtschaftlichen Schäden einer Gasknappheit im Winter erscheint der Betrag vertretbar.
Die Kehrtwende der Wirtschaftsministerin zeigt, wie angespannt die Lage auf dem europäischen Gasmarkt bleibt. Sollten geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus anhalten, könnte der staatliche Eingriff auch in den kommenden Wochen ausgeweitet werden. Entscheidend wird sein, ob der Füllstand von 71 Prozent noch vor dem gesetzlichen Stichtag Anfang November erreicht wird.
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