Friday, 18. September 2026
ChatGPT

KI und Jugend: Precht warnt vor Sucht und Kontrollverlust

Über 90 % der deutschen Jugendlichen nutzen KI. Philosoph Richard David Precht erklärt, warum das Suchtpotenzial birgt und KI-Waffen die größte Gefahr sind.

Redaktion · 18. September 2026, 08:26 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 18.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Mehr als 90 Prozent der 12- bis 19-jährigen Jugendlichen in Deutschland nutzen mittlerweile Künstliche Intelligenz. Für Autor und Philosoph Richard David Precht ist das weder ein eindeutig gutes noch ein schlechtes Zeichen – es kommt auf den Umgang an. Im Interview zeichnet er ein differenziertes Bild der Chancen und Risiken, die KI für junge Menschen, für Europa und für die globale Sicherheit mit sich bringt.

KI als Hilfsmittel – oder Denkersatz?

Prinzipiell sieht Precht in KI-Werkzeugen wie ChatGPT ein legitimes Hilfsmittel, um Wissen nachzuschlagen und Informationen schnell zu verarbeiten. Die Grenze zur problematischen Nutzung ist für ihn jedoch klar: Sobald KI dazu dient, eigenes Denken zu ersetzen, wird es kritisch.

Besonders besorgniserregend findet er, dass viele Jugendliche ihre psychologischen Probleme lieber mit einer KI besprechen als mit echten Menschen. Der Grund liegt auf der Hand: Eine KI ist immer geduldig, immer freundlich, lässt sich anschreien und bleibt gelassen – Eigenschaften, die kein Mensch und kein Therapeut dauerhaft erfüllen kann.

„Da ist natürlich Suchtpotenzial drin”, warnt Precht. Die emotionale Abhängigkeit von KI-Systemen könne sehr stark werden. Er plädiert daher klar für Regulierung, wenn Jugendliche ihre persönlichen Probleme ausschließlich mit KI-Systemen verarbeiten.

Dauerscrollen und der Verlust des Hier und Jetzt

Ein weiteres Phänomen beschäftigt Precht: das reflexartige Greifen zum Smartphone und das ziellose Scrollen durch Feeds. Damit verschwinden die früher selbstverständlichen Phasen der Langeweile – und mit ihnen wichtige Momente der Selbstreflexion.

Der Durchschnittsdeutsche verbringt laut Precht etwa drei Stunden täglich in fiktionalen Welten – sei es durch Serien, Spiele oder Social-Media-Unterhaltung. Das sei eine Form von Weltflucht, die dazu führen könne, dass man nicht mehr weiß, wer man eigentlich ist.

  • Weniger Zeit im sozialen Miteinander bedeutet weniger Feedback über die eigene Persönlichkeit.
  • Selbstwirksamkeitserfahrungen entstehen vor allem im direkten Kontakt mit anderen Menschen.
  • Je geringer das soziale Feedback, desto größer können psychologisch negative Folgen werden.

Die Antwort auf die Frage, wie man herausfindet, wer man ist, gibt es laut Precht nicht als einfache Formel – und das sei auch gut so.

KI-Moratorium: Warnungen ohne Konsequenzen

In den USA und international wird diskutiert, ob die Entwicklung von KI gedrosselt werden sollte. Precht hält ein KI-Moratorium für unrealistisch. Seit fünf bis sechs Jahren registriert er entsprechende Warnungen – stets ohne greifbare Folgen.

Auch prominente Stimmen wie die des Anthropic-Gründers oder frühere Mahnungen von Bill Gates und Elon Musk ändern daran nichts. Das Argument, dass China und andere Staaten ihre KI-Entwicklung ungehindert vorantreiben, werde stets als Gegengewicht ins Feld geführt.

Europa steht im globalen Vergleich strukturell im Nachteil: Ohne die nötigen Datenmengen kann die europäische KI nicht mit US-amerikanischen oder chinesischen Systemen mithalten. Der Grund dafür ist der weitreichende Schutz persönlicher Daten – ein Wert, der aus Prechts Sicht nicht leichtfertig geopfert werden sollte. Geplante KI-Fabriken in Europa seien ein politisches Signal, das vor allem von der Angst vor wirtschaftlichem Abstieg getrieben werde.

KI-Waffen: Die gefährlichste Entwicklung

Einen Fünf-Jahres-Ausblick wagt Precht nicht – die Entwicklung sei zu nichtlinear, um verlässliche Prognosen zu treffen. Was er jedoch für wahrscheinlich hält: Je stärker die Abhängigkeit von KI-Systemen wächst, desto größer wird die Anfälligkeit für Systemabstürze.

Die akuteste Bedrohung sieht Precht nicht in einer dystopischen KI-Weltherrschaft, sondern in einem konkreten Rüstungswettlauf: KI-Waffen werden weltweit mit höchster Priorität entwickelt. Dieser Bereich sei derjenige, der die Menschheit am Ende tatsächlich gefährden könnte – weit mehr als jedes Science-Fiction-Szenario einer selbstständig handelnden Superintelligenz.

Prechts Einschätzung lässt sich damit auf einen Nenner bringen: Nicht die ferne Dystopie einer denkenden Maschine ist das eigentliche Risiko, sondern der gegenwärtige, reale Einsatz von KI in militärischen Systemen – kombiniert mit einer Gesellschaft, die verlernt hat, ohne digitale Hilfsmittel zu denken und zu fühlen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (ntv Nachrichten). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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