Berliner Koalitionsverhandlungen: Droht das Scheitern?
Die rot-grün-roten Berliner Koalitionsverhandlungen stehen auf der Kippe: Streit über Antisemitismus, Enteignung und Mitgliedervoten gefährden das Bündnis.
Dieses Video wurde am 28.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die rot-grün-roten Koalitionsverhandlungen in Berlin könnten noch vor dem eigentlichen Start scheitern. Sowohl bei der Linken als auch bei der SPD formiert sich eine skeptische Basis, die dem Kurs der jeweiligen Fraktionsführung nicht folgen will. Hinzu kommen inhaltliche Streitpunkte rund um Antisemitismusvorwürfe, verfassungsrechtlich fragwürdige Vereinbarungen und ein grundsätzliches Führungsproblem innerhalb der beteiligten Parteien.
Die Linke: Vanessa Vogt als Stolperstein der Koalition
Einer der zentralen Konfliktpunkte dreht sich um Vanessa Vogt, eine Vertreterin des Berliner Linken-Landesverbands, die parteiintern als Zünglein an der Waage gilt. Der Landesvorstand rund um Elif Errab, die als mögliche neue Bürgermeisterin Berlins gehandelt wird, hat es bislang nicht geschafft, Vogt aus der Partei zu drängen.
Auch beim Parteitag der Berliner Linken am kommenden Samstag ist eine klare Mehrheit keineswegs gesichert. Während die Fraktion hinter Errab steht, zeigt sich die Basis deutlich widerspenstiger. Dieses innerparteiliche Zerwürfnis schwächt die Verhandlungsposition der Linken erheblich.
Besonders brisant: Nachdem im Sondierungspapier eine gemeinsame Haltung gegen Antisemitismus festgehalten worden war, trat Vogt öffentlich vor die Presse und äußerte auf Social Media, Israel habe kein Existenzrecht. Kritiker sind der Ansicht, dass Linke und Grüne daraufhin die Verhandlungen sofort hätten abbrechen müssen.
SPD-Basis stellt sich gegen Parteiführung
Ein ähnlicher Prozess vollzieht sich bei der SPD Berlin. Auch dort ist die Mitgliederbasis nicht bereit, alle Positionen der Fraktion rund um Landesvorsitzenden Steffen Krach mitzutragen. Ein angekündigtes Mitgliedervotum über einen möglichen Koalitionsvertrag könnte für die Parteispitze zur Zitterpartie werden.
Krach selbst soll dem Vernehmen nach dem Treiben der Linken gegenüber skeptisch eingestellt sein und hat mehrfach signalisiert, dass er den bisherigen Kurs der Linken für nicht tragbar hält. Ob ein solches Mitgliedervotum letztlich zugunsten einer rot-grün-roten Koalition ausgehen würde, gilt derzeit als offen.
Fragwürdige Inhalte im Sondierungspapier
Neben den Personalfragen gibt es auch inhaltliche Kritik am Sondierungsergebnis. Mehrere der vereinbarten Punkte gelten als rechtlich nicht haltbar oder fallen gar nicht in den Zuständigkeitsbereich der Landesregierung:
- Enteignungen: Eine entsprechende Regelung dürfte vor dem Verfassungsgericht keinen Bestand haben.
- Wahlrecht ohne deutschen Pass: Das Recht, nach fünf Jahren Aufenthalt ohne deutsche Staatsangehörigkeit wählen zu dürfen, ist Bundespolitik und bedarf einer absoluten Mehrheit im Bundestag – eine Landesregierung ist dafür nicht zuständig.
- Antisemitismus-Klausel: Trotz einer entsprechenden Einigung im Sondierungspapier wurden die Beschlüsse von Teilen der Linken öffentlich konterkariert.
CDU, SPD und Grüne als Alternative
Parallel zu den gescheiterten Sondierungen im rot-grün-roten Lager fanden unter der Woche Gespräche zwischen CDU, SPD und Grünen statt. Dieses Bündnis hätte im Berliner Abgeordnetenhaus eine – wenn auch knappe – Mehrheit und wird von Beobachtern zunehmend als realistischere Regierungsoption gehandelt.
Die Berliner Koalitionsverhandlungen befinden sich an einem kritischen Scheideweg. Ob das rot-grün-rote Projekt angesichts interner Widerstände, antisemitischer Äußerungen aus den eigenen Reihen und verfassungsrechtlich zweifelhafter Vereinbarungen noch eine Zukunft hat, dürfte sich spätestens beim Parteitag der Linken am Wochenende zeigen. Scheitert das Bündnis, rückt eine bürgerlichere Koalition aus CDU, SPD und Grünen in den Mittelpunkt – ein Ausgang, den nicht wenige in der Berliner Politik für stabiler halten würden.
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