Chinageschäft: Das böse Erwachen der Autobauer
Das Chinageschäft wird für deutsche Autobauer zum Verlustbringer. VW, BMW und Mercedes verlieren rasant Marktanteile – während CDU und Kanzler Merz unter Druck stehen.
Dieses Video wurde am 07.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das Chinageschäft der deutschen Industrie befindet sich in einer tiefen Krise. Chinesische Waren überschwemmen europäische Märkte zu Dumpingpreisen, während der chinesische Absatzmarkt für europäische Unternehmen immer unrentabler wird. Die Kombination aus technischer Aufholjagd chinesischer Hersteller, massiven staatlichen Subventionen und einer offensiven Währungspolitik Pekings setzt deutschen Konzernen von zwei Seiten gleichzeitig zu – mit dramatischen Folgen für die Automobilindustrie.
Starke Verluste: Deutsche Autokonzerne verlieren Marktanteile in China
Die Zahlen sind ernüchternd: Von Januar bis August schrumpfte der chinesische Gesamtmarkt um rund 20 Prozent. Deutsche Hersteller traf es noch härter – VW, BMW, Mercedes, Audi und Porsche zusammen verzeichneten ein Minus von 27 Prozent. Das Chinageschäft könnte für einzelne Konzerne schon bald zum handfesten Verlustbringer werden.
Ein deutscher Automanager fasste die Lage intern unmissverständlich zusammen: Die vergangenen Monate seien „einfach beschissen” gewesen. Die Erkenntnis kommt spät. Viele Führungskräfte hatten lange auf die Annahme gesetzt, die fantastischen Geschäftszahlen aus China würden dauerhaft und ohne eigenes Zutun fließen.
Versäumt haben das nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch die Politik. Die deutsche Seite setzte Chinas staatlich geförderten Billigprodukten über Jahre kaum etwas entgegen.
Politische Reaktion: Merz und Macron suchen gemeinsamen Kurs
Immerhin: Politisch bewegt sich etwas. Das Thema des fairen Marktzugangs steht ganz oben auf der Agenda von Kanzler Friedrich Merz. Deutschland und Frankreich haben sich nach einem gemeinsamen Positionspapier zu China auf einen Kompromiss in der Automobilpolitik geeinigt.
- Frankreich unterstützt nun eine weitere Aufweichung des Verbrenner-Ausstiegs
- Deutschland trägt im Gegenzug strengere „Made in Europe”-Regeln für subventionierte Fahrzeuge mit
- Ziel ist es, fairen Wettbewerb auf dem europäischen Markt herzustellen
Kritiker sehen in diesem Kurs jedoch einen Widerspruch: Europa versuche, eine veraltete Technologie durch Protektionismus zu retten, und schließe gleichzeitig Handelspartner vom eigenen Markt aus. Welcher Handelspartner dieses Angebot langfristig akzeptieren wird, bleibt offen.
CDU unter Druck: Sachsen-Anhalt und die Grenzen der Brandmauer
Parallel zur Wirtschaftskrise gerät die CDU innenpolitisch unter erheblichen Druck. Im Landtag von Sachsen-Anhalt wurden die AfD-Politiker Tobias Rausch und Hans Thomas Tillschneider zum Landtagspräsidenten und Vizepräsidenten gewählt. Rausch erhielt vier Stimmen mehr, als AfD und BSW gemeinsam besitzen – ein klares Zeichen, dass CDU-Abgeordnete entgegen der offiziellen Parteilinie für ihn gestimmt haben.
Beide Fraktionen, CDU wie BSW, bestreiten, für Tillschneider – einen als Rechtsextremisten eingestuften Politiker – gestimmt zu haben. Berichte über Absprachen zwischen AfD und einzelnen CDU-Abgeordneten erhöhen den Druck auf die Parteiführung.
Das Ergebnis ist ein Signal weit über Sachsen-Anhalt hinaus: Die Autorität von Parteichef Merz steht auf dem Spiel, wenn zwei Drittel der eigenen Abgeordneten vor Ort eine klar kommunizierte Linie ignorieren.
Weitere Themen: Schattenbanken, BND-Affäre und Koalitionsstreit
Auch abseits von China und CDU verdichten sich die politischen und wirtschaftlichen Risiken. In Frankreich halten Zweifel an der Staatsverschuldung die Anleiherenditen nahe fünf Prozent, während Schülerinnen und Schüler landesweit gegen drohende Sparmaßnahmen demonstrieren. Laut der Bank für internationalen Zahlungsausgleich sind Hedgefonds, Versicherer und Pensionskassen inzwischen die größten Gläubiger der führenden Industriestaaten – Akteure, die in turbulenten Zeiten als Schockverstärker wirken können.
In Deutschland sorgt die Festnahme des früheren BND-Chefs August Hanning für Aufsehen. Er soll jahrelang geheime Unterlagen aus dem Bundesnachrichtendienst beschafft und Analysen für einen aserbaidschanischen Geheimdienst erstellt haben – Vorwürfe, die er bestreitet.
Im Kanzleramt treffen sich derweil die Spitzen von Union und SPD zum Koalitionsausschuss. Die Stimmung in der Großen Koalition gilt als auf einem neuen Tiefpunkt. Beschlüsse sind nicht geplant – der einzige vorab geklärte Punkt war der Essenswunsch einiger Teilnehmer: Schnitzel.
Die Häufung von Wirtschaftsdruck, Parteidisziplinproblemen und Koalitionsstreit stellt die Bundesregierung vor eine Bewährungsprobe. Wie Merz auf die Erosion seiner Autorität in der CDU reagiert und ob die Handelspolitik gegenüber China tatsächlich zu fairen Marktbedingungen führt, wird die politische Agenda der kommenden Wochen prägen.
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