DAX-Check: BMW, Fresenius, Heidelberg Materials im Fokus
Beim DAX-Check im Blick: BMW schwächelt, Fresenius und Heidelberg Materials überzeugen mit starken Quartalszahlen – und die US-Midterms geben dem Markt Auftrieb.
Dieses Video wurde am 04.11.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der tägliche DAX-Check liefert am Mittwoch ein gemischtes, aber insgesamt erfreuliches Bild: Der Deutsche Aktienindex klettert nach einem schwachen Vortag wieder über die Marke von 26.000 Punkten und zeigt sich damit deutlich robuster als von vielen Experten im Vorfeld der US-Zwischenwahlen erwartet. Gleichzeitig dominiert die laufende Berichtssaison das Marktgeschehen – mit klaren Gewinnern wie Heidelberg Materials und Scout24, aber auch mit Enttäuschungen wie BMW.
US-Midterms: Politischer Paukenschlag mit positiver Börsenwirkung
Die US-Midterms haben ein eindeutiges Ergebnis gebracht: Die Demokraten haben sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat zurückerobert und verfügen in beiden Kammern wieder über die Mehrheit. Für Präsident Donald Trump ist das eine empfindliche Niederlage.
An den Börsen sorgt das Ergebnis jedoch für Erleichterung. Zwar warnen einige Analysten vor einem sogenannten Gridlock – einem politischen Stillstand durch ein gespaltenes Regierungssystem –, doch die erste Marktreaktion fällt positiv aus. Der DAX notiert vorbörslich quasi unverändert und legt im frühen Handel rund 0,6 Prozent zu. Historisch gesehen entwickelt sich der S&P 500 im Jahr nach den Midterms traditionell stark, was als gutes Vorzeichen für die kommenden Monate gilt.
Profiteure des Demokraten-Siegs sind vor allem Aktien aus dem Sektor der erneuerbaren Energien. Nordex und SMA Solar verbuchen deutliche Kursgewinne, da von den Demokraten mehr Unterstützung für Solar- und Windkraft erwartet wird als von einem republikanischen Präsidenten.
BMW und Fresenius: Schwache Margen gegen starkes Biosimilar-Geschäft
Im DAX liefern zwei Schwergewichte ihre Quartalszahlen – mit sehr unterschiedlichen Reaktionen.
BMW setzt die Negativserie der deutschen Automobilindustrie fort. Der Umsatz sank im dritten Quartal um rund 6 Prozent, die EBIT-Marge brach von 5,2 auf 3,4 Prozent ein. Als Hauptgründe gelten die anhaltende China-Krise, die kostspielige Umstellung auf die neue Fahrzeugklasse sowie ein laufender Stellenabbau. Die Jahresprognose wurde erneut nach unten korrigiert. Charttechnisch hält der Abwärtstrend an; eine nachhaltige Bodenbildung ist bislang nicht gelungen.
Fresenius hingegen überzeugt: Das dritte Quartal fiel besser aus als erwartet, getragen vom boomenden Biosimilar-Geschäft und einer neuen Partnerschaft in Asien. Auch das Klinikgeschäft läuft stabil. Der Konzern bestätigt seine Jahresziele und erwartet beim Gewinn sogar die obere Hälfte der Zielspanne von 10 bis 15 Prozent Wachstum. Die Aktie notiert nahe der 50-Euro-Marke und könnte mit den positiven Zahlen ein neues 52-Wochen-Hoch ansteuern.
Heidelberg Materials und Scout24: Starke Quartalszahlen treiben Kurse
Heidelberg Materials ist der klare Tagesgewinner im DAX mit einem Plus von über 6 Prozent. Der Baustoffkonzern übertraf im dritten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis die Markterwartungen. Besonders stark läuft das Geschäft in Europa und Nordamerika, wo der Boom bei Rechenzentrumsbauten anhält.
- Bodenbildung bei rund 140 Euro erfolgreich abgeschlossen
- Rückeroberung der 50-Tage-Linie als technisches Kaufsignal
- Nächstes Kursziel: rund 190 Euro (Hochs von Mai/Juni)
Auch Scout24 glänzt: Der Immobilienplattformbetreiber steigerte den Umsatz im dritten Quartal stärker als erwartet und hebt die Umsatzprognose auf ein Wachstum von rund 18 Prozent an. Damit zerstreut Scout24 Ängste vor einer digitalen Disruption des Geschäftsmodells. Charttechnisch ist der Ausbruch aus einer monatelangen Seitwärtsphase zwischen 70 und 80 Euro gelungen. Dreistellige Kurse gelten als realistisches Ziel für die kommenden Wochen.
Siltronic und SMA Solar: KI-Boom und Energiewende als Kurstreiber
Der Waferhersteller Siltronic hebt seinen Jahresausblick an und rechnet nun nicht mehr mit einem Umsatzrückgang. Treiber ist das starke Wachstum im Servermarkt, das durch den weltweiten Ausbau von KI-Rechenzentren befeuert wird. Dies kompensiert die weiterhin schwache Nachfrage aus dem Smartphone- und PC-Segment. Nach einer scharfen Korrektur könnte unterhalb von 60 Euro ein tragfähiger Boden gefunden worden sein; mittelfristig gilt eine Rückkehr in Richtung 80 Euro als realistisch.
SMA Solar legt trotz fehlender eigener Quartalszahlen rund 3 Prozent zu – getragen vom Demokraten-Sieg in den USA und der damit verbundenen Hoffnung auf stärkere politische Rückendeckung für erneuerbare Energien. Der Kursanstieg entspricht einer Rückkehr in die alte Seitwärtsrange; Kurse um 65 Euro werden noch für das laufende Jahr erwartet.
Insgesamt sendet der Markt trotz vieler Unsicherheiten – hohe Inflation, geopolitische Risiken, Autokrise – positive Signale. Der DAX hat die 50-Tage-Linie zurückerobert, und mit dem Wegfall der Midterm-Unsicherheit könnte die Berichtssaison in den kommenden Wochen für weitere Aufwärtsimpulse sorgen. Entscheidend wird sein, wie die Wall Street das Wahlergebnis am Abend endgültig bewertet.
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