Bundespräsident Nachfolge: Ilse Aigner vorn
Wer folgt auf Steinmeier? Laut Forsa-Umfrage liegt Ilse Aigner bei Unionsanhängern klar vorn. Außerdem: Merz im Tief, Grüne holen auf.
Dieses Video wurde am 04.11.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Frage nach der Bundespräsident Nachfolge rückt immer näher: Bereits Ende Januar soll eine neue Staatsspitze gewählt werden – und Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich zumindest beim Geschlecht festgelegt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik soll eine Frau das Amt übernehmen. Doch wen halten die Deutschen tatsächlich für geeignet? Das RTL/NTV-Trendbarometer mit aktuellen Forsa-Daten gibt Aufschluss – und zeigt zugleich, wie es um die Popularität des Kanzlers und die Parteienstimmung bestellt ist.
Geschlecht egal – Hauptsache geeignet
Bevor die Frage nach konkreten Kandidatinnen und Kandidaten gestellt wurde, wollte Forsa wissen, ob den Deutschen das Geschlecht des künftigen Staatsoberhaupts überhaupt wichtig ist. Das Ergebnis ist eindeutig: Nur 2 Prozent wünschen sich ausdrücklich einen Mann, lediglich 28 Prozent eine Frau. Die klare Mehrheit ist pragmatisch – Hauptsache, die Person ist geeignet. Dieses Meinungsbild zeigt sich konsistent über alle Parteianhänger und Bevölkerungsgruppen hinweg.
Der Wunsch des Kanzlers, erstmals eine Frau ins höchste Staatsamt zu bringen, deckt sich also zwar mit einem Teil der Bevölkerung, stößt aber auch auf breite Gleichgültigkeit gegenüber dem Geschlecht – was den Fokus klar auf die Eignung der Person lenkt.
Ilse Aigner führt – Angela Merkel hat abgesagt
Unter den geprüften Namen liegt Angela Merkel in der Gesamtbevölkerung zwar an der Spitze der Eignungswerte – eine Mehrheit hält sie für geeignet. Doch die ehemalige Bundeskanzlerin hat eine Kandidatur bereits klar zurückgewiesen. Politikbeobachter halten diese Entscheidung für endgültig: Ein Wechsel vom Kanzleramt ins Präsidialamt wäre historisch ohne Vorbild und inhaltlich heikel.
Besonders relevant ist der Blick auf die Unionsanhänger, denn letztlich liegt die Nominierung beim Kanzler. Hier führt Ilse Aigner mit deutlichem Abstand:
- Ilse Aigner (CSU): 64 Prozent Zustimmung unter Unionsanhängern
- Julia Klöckner: solide Zustimmungswerte auf Platz zwei
- Angela Merkel: trotz Absage weiterhin hohes Ansehen
- Thomas de Maizière: bester Wert unter den männlichen Kandidaten
- Markus Söder und Annegret Kramp-Karrenbauer: je rund 20 Prozent
Aigner ist als bayerische Landtagspräsidentin und frühere Bundeslandwirtschaftsministerin über Bayern hinaus bekannt und geschätzt. Sie gilt als wertkonservativ und vertritt Themen wie Familie, Gerechtigkeit und Freiheit – Kernwerte der Union. Ihr einziges politisches Handicap: Sie wurde von Markus Söder ins Spiel gebracht, was Kanzler Merz die Eigeninitiative bei der Kandidatenkür erschwert.
Merz im Tief – Grüne holen deutlich auf
Die aktuelle Parteienstimmung zeigt spürbare Verschiebungen. Die AfD verliert einen Prozentpunkt und kommt auf 26 Prozent. Auch die Union gibt nach und fällt auf die 20-Prozent-Marke. Die eigentlichen Gewinner der Woche sind die Grünen, die sich auf 17 Prozent verbessern und der Union damit auf drei Punkte nahekommen. Die SPD legt leicht auf 14 Prozent zu, die Linke bleibt bei 11 Prozent, die FDP würde weiterhin den Einzug ins Parlament verpassen.
Besonders auffällig ist die Zufriedenheit mit Bundeskanzler Merz: Nur 11 Prozent zeigen sich zufrieden – sein bisher schlechtester Wert. Die Unzufriedenheit zieht sich quer durch das Regierungslager: 60 Prozent der Unionsanhänger und sogar 88 Prozent der SPD-Anhänger bewerten seine Arbeit negativ. Eine erwartete Trendwende nach mehreren außenpolitischen Auftritten blieb aus.
Jugendproteste und Reformdruck: Was die Politik liefern muss
Ein weiteres Thema des Trendbarometers sind die Jugendproteste, die zuletzt in mehreren Städten stattfanden. Laut Forsa haben 83 Prozent der Bevölkerung grundsätzlich Verständnis für die Anliegen der Jugend – auch ältere Jahrgänge und Unionsanhänger zeigen hohe Zustimmung. Die zentralen Forderungen lauteten bessere Bildung, mehr soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz.
Im Sorgenbarometer zeigt sich jedoch, dass die Jugend noch drängendere Probleme beschäftigen:
- Steigende Miet- und Lebenshaltungskosten
- Zunehmender Rechtsextremismus
- Unsichere Rentenperspektiven
- Überforderung der Bundesregierung mit aktuellen Problemen
Politisch wird vor allem der Rentendiskurs als konkretes Handlungsfeld genannt. Die kostenintensive abschlagsfreie Rente mit 63, die jährlich rund neun Milliarden Euro kostet, steht dabei besonders im Fokus – sie belaste künftige Generationen durch höhere Beiträge und geringere Auszahlungen.
Die Bundesregierung steht damit vor einem schwierigen Herbst: Die Bundespräsidentenwahl im Januar, ein SPD-Parteitag im Frühjahr und ein aufgeschobenes Reformpaket bei Rente, Steuern und Arbeitsmarkt verdichten den Druck auf Merz erheblich. Ob er die nötige Handlungsfähigkeit demonstrieren kann, dürfte über seine politische Zukunft mitentscheiden.
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