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Eurokrise 2026: Frankreichs Schulden unter der Lupe

Droht eine neue Eurokrise? Ökonom Volker Wieland erklärt, warum Frankreichs Staatsschulden die Märkte erschüttern und welche Rolle die EZB spielen könnte.

Redaktion · 6. October 2026, 17:17 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 06.10.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Euro ist auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten gefallen, der Wechselkurs zum Dollar rutschte zeitweise auf 1,116 – und die Ursache liegt bei den Staatsschulden hochverschuldeter Euro-Länder, allen voran Frankreich. Weckt das Erinnerungen an die große Eurokrise von 2010 bis 2012? Ökonom Volker Wieland, Stiftungsprofessor für monetäre Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt, ordnet die Lage ein: Eine ausgewachsene Eurokrise sieht er noch nicht – doch der Druck auf die Staatsfinanzen ist real und wächst.

Frankreich im Zentrum der Schuldenkrise

Die Zahlen aus Paris sind alarmierend: Die Schuldenquote Frankreichs lag Ende des zweiten Quartals 2026 bei 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, für das Folgejahr rechnet die Regierung mit rund 121 Prozent. Das Haushaltsdefizit beträgt mehr als fünf Prozent der Wirtschaftsleistung – weit über der im Stabilitätspakt vorgeschriebenen Grenze von drei Prozent.

Am Anleihemarkt schlug sich das zuletzt dramatisch nieder: Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen kletterte kurzzeitig auf knapp fünf Prozent – Werte, die zuletzt während der Finanzkrise zu beobachten waren. Der Spread gegenüber der deutschen Bundesanleihe weitete sich innerhalb einer Woche um 32 Basispunkte auf 141 Basispunkte aus – laut Bloomberg die größte wöchentliche Ausweitung seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1990.

Wieland betont: „Das ist ein ganz klares Signal der Märkte an die französische Regierung, einen anderen Kurs zu steuern.” Doch politischer Handlungswille ist in Paris kaum erkennbar – ungeklärte Mehrheitsverhältnisse und die anstehenden Präsidentschaftswahlen lähmen jede grundlegende Haushaltsreform.

Ansteckungsgefahr für Italien und Spanien

Die Turbulenzen griffen zeitweise auf andere Euro-Länder über. Doch Wieland differenziert klar:

  • Spanien verzeichnete zuletzt solides Wirtschaftswachstum, die Schuldenquote sank auf unter 100 Prozent – trotz politischer Unsicherheiten nach der Parlamentsauflösung.
  • Italien weist zwar eine hohe Verschuldung auf, erzielt aber einen Primärüberschuss – der Haushalt ist vor Zinszahlungen positiv – und verfügt über eine vergleichsweise stabile Regierung.
  • Frankreich hingegen ist zum eigentlichen Problemherd geworden und kann die Rolle des Stabilitätsankers, die es in der letzten Krise noch innehatte, nicht mehr ausfüllen.

Eine flächendeckende Ansteckung sei bislang ausgeblieben, so Wieland – aber die Zinsaufschläge für alle hochverschuldeten Euro-Staaten sind gestiegen.

EZB zwischen Marktdisziplin und Intervention

Beobachter sehen in den Marktbewegungen einen Test der Europäischen Zentralbank. Seit der letzten Eurokrise verfügt die EZB über zwei Backstop-Instrumente: das ältere Programm der Outright Monetary Transactions (OMT), das an Reformauflagen des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) geknüpft ist, sowie das 2022 eingeführte Transmission Protection Instrument (TPI), das unbegrenzte Anleihekäufe einzelner Euro-Länder auch ohne ESM-Bedingungen ermöglicht.

Keines dieser Programme wurde bislang aktiviert. Wieland hält eine Intervention der EZB für einen Fehler: „Wenn die EZB eingreift, setzt sie die Marktdisziplin aus – und Wahlkämpfer in Frankreich könnten das als Freibrief verstehen, fröhlich mit Defiziten weiterzumachen.” Er plädiert dafür, den Marktdruck aufrechtzuerhalten, damit Regierungen zum Umsteuern gezwungen werden.

Gleichzeitig steht die EZB vor einem zweiten Dilemma: Die Inflation liegt bei 3,8 Prozent, und weitere Zinserhöhungen – eigentlich geboten – würden die Finanzierungskosten der hochverschuldeten Staaten zusätzlich erhöhen.

Deutschland kein uneingeschränkter Stabilitätsanker mehr

Anders als in der Eurokrise von 2010 bis 2012 steht auch Deutschland heute nicht mehr als uneingeschränkter Rückhalt bereit. Die deutsche Schuldenquote liegt zwar noch bei rund 65 bis 68 Prozent, steigt aber durch hohe Verteidigungsausgaben und stagnierendes Wachstum rasch an. Wieland zufolge ist ein Anstieg auf 80 bis 90 Prozent in wenigen Jahren nicht ausgeschlossen, wenn keine Konsolidierung einsetzt.

Ideen einer gemeinsamen europäischen Schuldengarantie lehnt Wieland mit Blick auf die innenpolitische Lage in Deutschland ab: „Warum sollen deutsche Steuerzahler einspringen, während wir selbst das Rentenalter anheben?” Die EU-Kommission müsse stattdessen klare Signale für fiskalpolitische Konsolidierung und Rentenreformen senden.

Die Lage bleibt angespannt. Eine unmittelbare Eurokrise wie 2010 ist nach Einschätzung von Wieland noch nicht eingetreten – aber Frankreich wird unter dem Druck der Märkte und der eigenen Schuldendynamik bleiben. Wie die Politik in Paris reagiert und ob die EZB ihre Instrumente einsetzt, dürfte die entscheidende Frage der kommenden Monate sein.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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