Iran beschafft Raketentechnik in Deutschland
Der Verfassungsschutz schlägt Alarm: Der Iran versucht verstärkt, in Deutschland Technik für seine Raketenprogramme zu beschaffen – trotz strenger Sanktionen.
Dieses Video wurde am 06.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Iran intensiviert seine Bemühungen, in Deutschland Technologie für seine Raketenprogramme zu beschaffen. Das geht aus einem aktuellen Lagebild des Verfassungsschutzes hervor, das exklusiv der WELT vorliegt. Die Behörde registriert anhaltend hohe Beschaffungsaktivitäten mit steigender Tendenz – und warnt: Deutschland steht als bedeutender Industriestandort besonders im Fokus iranischer Akteure.
Raketenprogramm: Iran sucht westliche Technologie
Der Hintergrund der gesteigerten Aktivitäten liegt im Irankrieg: Teheran will seine Waffenarsenale wieder auffüllen und beschädigte Produktionsstätten reparieren. Dafür ist das Regime nach wie vor auf westliche Hochtechnologie angewiesen, die im Iran selbst nicht hergestellt werden kann.
Deutschland gilt als besonders attraktives Ziel, weil das Land ein wichtiger Produzent von Präzisionstechnik, Elektronik und Dual-Use-Gütern ist – also Produkten, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Diese strategische Bedeutung macht den deutschen Markt für iranische Beschaffungsnetzwerke zu einer zentralen Anlaufstelle.
Verdeckte Methoden trotz Sanktionen
Wegen der geltenden internationalen Sanktionen gegen den Iran gehen die Akteure äußerst verdeckt und konspirativ vor. Direkte Käufe aus dem Iran heraus sind weitgehend blockiert, weshalb Tarnfirmen, Mittelsländer und verschleierte Handelsrouten genutzt werden, um die Beschränkungen zu umgehen.
Typische Methoden umfassen:
- Einsatz von Tarnunternehmen in Drittstaaten als Zwischenhändler
- Falsche Endverbleibserklärungen bei Exportanträgen
- Nutzung privater Kontakte und Netzwerke in der iranischen Diaspora
- Beschaffung über Online-Marktplätze und internationale Messen
Der Verfassungsschutz betont, dass die Tarnung der Aktivitäten zuletzt professioneller und schwerer zu erkennen geworden ist.
Deutschland bleibt größter EU-Handelspartner des Iran
Trotz aller Restriktionen ist Deutschland nach wie vor der größte Handelspartner des iranischen Regimes innerhalb der Europäischen Union. Das macht die Bundesrepublik nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sicherheitspolitisch zu einem neuralgischen Punkt im internationalen Bemühen, die iranischen Rüstungsprogramme einzudämmen.
Die enge Handelsverflechtung erschwert zugleich eine vollständige Kontrolle aller Warenströme. Exportkontrollbehörden und Nachrichtendienste stehen vor der Herausforderung, legale Handelsbeziehungen von illegalen Proliferationsversuchen zu unterscheiden – oft ohne eindeutige Hinweise auf den tatsächlichen Endverbleib der Güter.
Einordnung: Wachsende Bedrohungslage für den Wirtschaftsstandort
Der aktuelle Bericht des Verfassungsschutzes reiht sich in eine Serie von Warnungen ein, die deutsche Sicherheitsbehörden in den vergangenen Jahren zum Thema Wirtschaftsspionage und illegale Rüstungsbeschaffung durch staatsnahe Akteure herausgegeben haben. Neben dem Iran stehen auch Russland und andere Staaten im Verdacht, deutsches Know-how und deutsche Produkte für militärische Zwecke abzuzweigen.
Für Unternehmen bedeutet die Lage eine erhöhte Sorgfaltspflicht: Verdächtige Anfragen, unbekannte Abnehmer aus dem Ausland und ungewöhnliche Bestellmuster sollten den zuständigen Behörden gemeldet werden. Der Verfassungsschutz appelliert an die Industrie, Exportkontrollen ernst zu nehmen und im Zweifelsfall Rücksprache zu halten. Wie die Behörde auf die steigende Bedrohung reagieren will und ob neue gesetzliche Maßnahmen geplant sind, dürfte in den kommenden Wochen weiter diskutiert werden.
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