Fed-Zinserhöhung: Trump unter Druck
Die Fed hebt die Zinsen auf 3,75–4 % an – gegen Trumps Willen. Was das für die US-Wirtschaft bedeutet und welche weiteren Krisen Trump diese Woche belasten.
Dieses Video wurde am 17.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Zinsen erneut angehoben – und stellt sich damit offen gegen den Willen von Präsident Donald Trump. Der Offenmarktausschuss votierte einstimmig für eine Erhöhung des Zinskorridors um einen Prozentpunkt auf 3,75 bis 4 Prozent. Begründung: Die Inflation liegt seit über fünf Jahren über dem Zielwert der Notenbank, weshalb Preisstabilität nun Vorrang vor dem Beschäftigungsziel hat. Die Entscheidung fällt in eine turbulente Woche für Trump – mit Gegenwind beim Ölpreis, in der Ukrainepolitik und durch neue Fragen zu Russland-Verbindungen seiner Familie.
Fed-Zinserhöhung trotzt Trump – Machtkampf oder kluge Unabhängigkeit?
Noch vor wenigen Wochen hatte Trump per Social Media gefordert, die USA müssten den niedrigsten Leitzins der Welt haben. Die einstimmige Entscheidung der Fed ist eine deutliche Absage daran. Trump reagierte zunächst gereizt und bezeichnete den Schritt als „politische Entscheidung”, die ihm schaden solle. Später ruderte er verbal zurück.
Fed-Chef Kevin Wharton steht im Verdacht, sich bewusst als unabhängige Instanz zu positionieren – möglicherweise, um langfristig Vertrauen aufzubauen und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Angesichts robuster Arbeitsmarktdaten und anhaltend hoher Inflation war der Zinsschritt wirtschaftlich kaum vermeidbar.
Für Trump sind die Folgen spürbar:
- Höhere Kreditzinsen für Unternehmen und private Haushalte
- Belastung des Immobilienmarkts
- Drastisch teurere Finanzierung der ohnehin stark wachsenden Staatsschulden
- Druck auf den Anleihemarkt – die zehnjährige US-Staatsanleihe notiert bei rund 5 Prozent
Selbst wenn Trump die Notenbank zu Zinssenkungen drängen könnte, würden die Kapitalmärkte nicht zwingend mitziehen – ein strukturelles Dilemma für die Wirtschaftspolitik des Weißen Hauses.
Irankonflikt und hohe Ölpreise belasten Trumps Innenpolitik
Der anhaltende Irankonflikt heizt den Ölpreis weiter an. Die Nordseesorte Brent notierte zwischenzeitlich bei 106 US-Dollar pro Barrel, fiel nach Entwarnung bei einer beschädigten Pipeline in Saudi-Arabien wieder auf rund 104 Dollar. Das Niveau bleibt historisch hoch.
Trump bekräftigte seine Haltung zum Militäreinsatz: Er würde dieselbe Entscheidung erneut treffen. Gleichzeitig versucht er, die Verantwortung für die hohen Spritpreise von sich zu weisen – und macht die Ukraine mitverantwortlich. Konkret forderte er Präsident Selenskyj öffentlich auf, Angriffe auf russische Ölraffinerien zu stoppen.
Der Kreml begrüßte diese Forderung umgehend – was die asymmetrische Wirkung des Drucks aus Washington verdeutlicht: Während Russland seit Jahren ukrainische Energieinfrastruktur bombardiert, soll die Ukraine ihre Gegenschläge einstellen. Energieexperten weisen darauf hin, dass die hohen Preise auf ein Zusammenspiel von Sanktionen, globaler Knappheit und Produktionsausfällen zurückgehen – nicht allein auf ukrainische Angriffe.
Rüstungskooperation und KI-Regulierung: Weitere Konfliktfelder
Auf diplomatischer Ebene gab es zumindest einen positiven Akzent: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius besuchte Washington und unterzeichnete eine Absichtserklärung zur engeren Verzahnung der deutschen und amerikanischen Rüstungsindustrie. Geplant sind gemeinsame Entwicklung, Produktion und Lizenzfertigung – unter anderem im Bereich der F-35-Kampfflugzeuge.
Die Debatte um europäische Verteidigungssouveränität bleibt dabei heikel: Angesichts des gescheiterten deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS wächst der Druck, noch mehr US-Gerät zu beschaffen – was die strategische Abhängigkeit von Washington erhöht.
Für innenpolitischen Unmut sorgt Trumps Ablehnung jeder KI-Regulierung. Er erklärte, als „kluger Präsident mit hohem IQ” selbst ausreichende Leitplanke für die Branche zu sein. Kritiker aus beiden Parteilagern warnen, dass diese Haltung angesichts wachsender Bürgersorgen rund um Datenzentren und Datenschutz vor den Midterms politisch unklug sei.
Russischer Geschäftsmann finanziert Trump-Junior-Hochzeit
Neue Brisanz gewann die Debatte um Interessenkonflikte in der Trump-Administration durch einen Investigativbericht der Plattform Publika. Demnach finanzierte Umar Kremlev – ein russischer Unternehmer mit engen Verbindungen zum Kreml – Teile der Hochzeitsfeier von Donald Trump Junior auf den Bahamas. Die Miete für die genutzte Insel soll allein pro Nacht rund 100.000 US-Dollar betragen haben.
Trumps Schwiegertochter Bettina bezeichnete die Ausgaben auf Instagram als schlichte „Hochzeitsgeschenke”. Demokratische Abgeordnete, allen voran Robert Garcia, werten den Vorfall als weiteren Beleg für das, was sie als die „korrupteste Regierung in der amerikanischen Geschichte” bezeichnen. Politisch ist das letzte Wort in dieser Affäre noch nicht gesprochen.
Die Ereignisse dieser Woche zeigen: Trump kämpft auf mehreren Fronten gleichzeitig – gegen eine unabhängige Notenbank, gegen steigende Energie- und Kreditkosten, gegen innerparteilichen Widerstand und gegen neue Korruptionsvorwürfe. Wie sich all diese Druckpunkte vor den Midterms entwickeln, dürfte die politische Agenda in Washington in den kommenden Wochen maßgeblich bestimmen.
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