Wednesday, 30. September 2026
CDU

Hendrik Wüst als Kanzlerkandidat: Kronprinz der CDU?

Politikwissenschaftler Volker Kromberg sieht Hendrik Wüst als starken Nummer 2 der CDU – doch ein Vordrängen als Kanzlerkandidat würde ihm auf die Füße fallen.

Redaktion · 29. September 2026, 20:45 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 29.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die Spekulationen um eine mögliche Kanzlerkandidatur von Hendrik Wüst nehmen an Fahrt auf – doch der Zeitpunkt ist aus Sicht von Beobachtern der falsche. Politikwissenschaftler Volker Kromberg ordnet die Lage klar ein: Wüst sei zwar der unbestrittene „Kronprinz” in der CDU, ein aktives Drängen auf das Kanzleramt würde dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten jedoch politisch schaden. Zunächst steht für Wüst die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 25. April im Vordergrund.

Wüst als Kronprinz der Union – aber nicht jetzt

Kromberg beschreibt Wüst als den klaren Nummer-2-Mann der CDU hinter Parteichef Friedrich Merz. Andere potenzielle Kandidaten hätten sich selbst aus dem Rennen genommen: Boris Rhein in Hessen gelte als zu wenig profiliert auf Bundesebene, und Markus Söder habe sich durch seinen erbitterten Kampf gegen Armin Laschet im Jahr 2021 zu viele Feindschaften in der Union zugezogen.

Wüst selbst hat in den vergangenen Wochen betont, dass er zur Bundesregierung und zu Kanzler Merz steht – zumindest bis auf Weiteres. Sein Ziel sei zunächst die Wiederwahl als Ministerpräsident. Ein frühes Vordrängen in Richtung Berlin würde laut Kromberg seinem sorgfältig gepflegten Image als Mann der Mitte schaden und ihn politisch angreifbar machen.

Türkei-Reise: Staatsmann oder Wahlkampf?

Für Aufmerksamkeit sorgte Wüsts Reise in die Türkei, wo er vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan mit protokollarischen Ehren empfangen wurde – ein Empfang, der eher an einen Besuch auf Kanzlerebene erinnerte. Hinzu kamen Termine mit dem türkischen Außenminister.

Kromberg zufolge sind mehrere Motive denkbar:

  • Pflege wirtschaftlicher und historischer Beziehungen, insbesondere mit Blick auf die früheren Gastarbeiterabkommen mit der Türkei
  • Demonstration außenpolitischer Kompetenz als Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich bedeutendsten Bundeslandes
  • Ansprache der großen türkischstämmigen Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen vor der Landtagswahl
  • Stärkung des staatsmännischen Profils im Kontrast zur schwächelnden Berliner Koalition

Die Reise war laut Kromberg lange im Voraus geplant und fällt zufällig in eine Phase, in der die Bundesregierung politisch unter erheblichem Druck steht.

Wüsts Profil: Mann der Mitte statt Hardliner

Politisch positioniert sich Wüst bewusst als integrativer Politiker, der Konflikte lieber intern löst als auf offener Bühne. In Nordrhein-Westfalen führt er eine schwarz-grüne Landesregierung – ein Modell, das er als funktionierendes Beispiel pragmatischer Zusammenarbeit vermarktet.

Bemerkenswert ist dabei, dass die CDU in Nordrhein-Westfalen trotz der bundesweiten Stimmungslage laut Umfragen an Rhein und Ruhr als Partei der Arbeiterinnen und Arbeiter wahrgenommen wird. Die AfD legt zwar auch dort zu, durchbricht aber nicht die Decke. Das zahlt nach Einschätzung von Kromberg direkt auf Wüsts politisches Konto ein.

Hinzu kommt ein demografischer Faktor: Wüst ist rund 20 Jahre jünger als Friedrich Merz. Er hat Zeit. Genau das macht ein aktives Drängen auf den Kanzlerposten kontraproduktiv – seine Stunde werde kommen, aber dann aus übergeordneten Gründen und nicht durch eigenes Manövrieren, so Kromberg.

Reformstau und Koalitionskrise als Hintergrundkulisse

Die Spekulationen um Wüst spielen sich vor dem Hintergrund einer angespannten Lage in Berlin ab. Die Pflegereform der Bundesregierung hängt in der Luft: Kurz vor der geplanten Kabinettsentscheidung wurden Details noch in nächtlichen Sitzungen verhandelt. Die SPD steht nach verheerenden Landtagswahlergebnissen in Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern unter Druck und droht, bereits vereinbarte Reformpakete wieder aufzuschnüren.

Kromberg warnt eindringlich davor: Die Koalitionspartner seien „auf Gedeih und Verderb” an ihre Vereinbarungen gebunden. Wer jetzt grundlegende Reformen torpediere, riskiere Neuwahlen oder eine Minderheitsregierung – beides läge weder im Interesse der SPD noch der Union. Die staatspolitische Verantwortung verlange, dass alle drei Parteien bei dem bleiben, was sie im Koalitionsvertrag vereinbart hatten.

Für Wüst bedeutet das eine klare strategische Linie: Stabilisierung in Düsseldorf, Loyalität gegenüber Berlin – und Geduld. Ob er tatsächlich als Kanzlerkandidat der CDU antritt, dürfte sich erst nach der nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Frühjahr 2026 entscheiden.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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