Dieses Video wurde am 13.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Björn Höckes Angebot an Sahra Wagenknecht zur politischen Zusammenarbeit sorgt für Aufsehen. Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Albrecht von Lucke handelt es sich dabei jedoch nicht um ein ernsthaftes Kooperationsangebot, sondern um ein gezieltes politisches Manöver. Im Kern geht es um den Kampf beider Parteien um dieselbe Wählergruppe – vor allem mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Ein vergiftetes Angebot im Wettbewerb um Wähler
AfD und BSW konkurrieren vor allem in ostdeutschen Bundesländern um nahezu identische Wählerschichten. Beide Parteien pflegen eine ausgeprägte Russlandnähe und appellieren an eine gemeinsame ostdeutsche Identität. Genau deshalb, so von Lucke, zielt Höckes Vorstoß darauf ab, Wagenknecht unter Druck zu setzen: Sie solle ihren großen Worten in Sachsen-Anhalt Taten folgen lassen.
Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Wenn Wagenknecht ankündigt, den CDU-Ministerpräsidenten Reiner Haseloff bzw. dessen Nachfolger zu Fall bringen zu wollen, könne man das in Thüringen schon einmal „vorexerzieren”. Damit stellt Höcke Wagenknecht vor eine öffentliche Probe – und setzt sie politisch unter Zugzwang.
Warum das BSW in Thüringen nicht mitspielen kann
Das Angebot läuft in der Praxis ins Leere, denn in Thüringen gibt nicht Sahra Wagenknecht den Ton an, sondern Katja Wolf – die BSW-Landeschefin, die Wagenknecht gegenüber ausgesprochen kritisch eingestellt ist. Das BSW-Thüringen kann und wird einem solchen Angebot kaum folgen, ohne internen Konflikt zu riskieren.
Von Lucke sieht darin die eigentliche Absicht Höckes: Wagenknecht soll „auflaufen gelassen” werden. Das Angebot ist so konstruiert, dass eine Ablehnung Wagenknecht als unglaubwürdig dastehen lässt, eine Annahme aber innerparteiliche Spannungen auslösen würde.
Die Brandmauer – längst Geschichte für Wagenknecht
Höcke spielt geschickt auf ein weiteres wundes Thema an: die Brandmauer gegenüber der AfD. Wagenknecht hat diese faktisch aufgegeben. Sie hat erklärt, einen AfD-Kandidaten im dritten Wahlgang durch Stimmenthaltung ins Amt wählen zu lassen. Die wichtigsten Punkte der aktuellen Konstellation im Überblick:
- Wagenknecht hat die Brandmauer gegenüber der AfD für gescheitert erklärt.
- Sie signalisierte, im dritten Wahlgang per Enthaltung einem AfD-Kandidaten zum Amt zu verhelfen.
- Höcke nutzt dies, um die BSW-Chefin öffentlich beim Wort zu nehmen.
- BSW und AfD buhlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern um dieselbe Wählergruppe.
- In Thüringen hat Katja Wolf – nicht Wagenknecht – das Sagen im BSW.
Von Lucke weist zudem auf ein strategisches Paradox hin: Es könnte für Höcke sogar nachteilig sein, das BSW in Sachsen-Anhalt zu schwächen – denn genau die BSW-Stimmen durch Enthaltung könnten der AfD helfen, gemeinsam den Ministerpräsidenten zu stellen.
Wie wird Wagenknecht reagieren?
Von Lucke erwartet, dass Wagenknecht versuchen wird, den Ball flach zu halten. Ihre wahrscheinliche Reaktion: Das sei keine Bundesangelegenheit, sondern Sache des Thüringer Landesparlaments – sprich Katja Wolfs Zuständigkeit. Diese Delegation nach unten ermöglicht es ihr, der Konfrontation auszuweichen, ohne klar Stellung beziehen zu müssen.
Gleichzeitig ist Wagenknecht in Sachsen-Anhalt selbst direkt politisch aktiv, was diese Ausweichstrategie angreifbar macht. Dennoch dürfte sie darauf setzen, Höcke den Wind aus den Segeln zu nehmen, ohne sich zu einer eindeutigen Position zwingen zu lassen.
Der Vorgang zeigt, wie intensiv der Wettbewerb zwischen AfD und BSW um das ostdeutsche Protestwählerpotenzial geworden ist. Mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen dürfte dieser Konflikt weiter an Schärfe gewinnen – und Wagenknecht wird kaum dauerhaft einer klaren Antwort ausweichen können.
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