Dieses Video wurde am 17.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
In Deutschland hat jeder zehnte junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren weder einen Job noch einen Ausbildungsplatz. Wie das Statistische Bundesamt aktuell meldet, gelingt inzwischen 10 Prozent der jungen Menschen der direkte Übergang von der Schule in Ausbildung oder Beruf nicht mehr. Experten warnen vor einer besorgniserregenden Entwicklung und unsicheren Zukunftsperspektiven für eine ganze Generation.
Jugendarbeitslosigkeit erneut gestiegen
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen einen erneuten Anstieg: Der Anteil junger Erwachsener, die weder beschäftigt noch in Ausbildung sind – in der Fachsprache auch als NEET-Quote (Not in Employment, Education or Training) bezeichnet –, hat die Marke von 10 Prozent erreicht.
Damit hat sich ein Trend verfestigt, der Arbeitsmarktforscher und Sozialpolitiker gleichermaßen beunruhigt. Denn wer in jungen Jahren keinen Einstieg in den Beruf findet, trägt oft langfristig die Folgen: geringere Rentenansprüche, ein erhöhtes Armutsrisiko und schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt im späteren Leben.
Besonders problematisch ist, dass die Gruppe der 20- bis 24-Jährigen betroffen ist – also Menschen, die eigentlich längst im Berufsleben oder in einer qualifizierten Ausbildung stehen sollten.
Deutschland im EU-Vergleich: Besser, aber kein Grund zur Entwarnung
Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland auf den ersten Blick noch vergleichsweise gut ab. Der EU-Durchschnitt der NEET-Quote liegt bei 12,9 Prozent und damit deutlich höher als der deutsche Wert.
Dennoch warnen Experten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ausdrücklich davor, diesen Vergleich als Beruhigung zu verstehen. Deutschland habe traditionell von einem starken dualen Ausbildungssystem profitiert – gemessen daran sei eine Quote von 10 Prozent ein alarmierendes Signal.
- EU-Durchschnitt NEET-Quote: 12,9 Prozent
- Deutschland NEET-Quote: 10 Prozent (erneut gestiegen)
- Betroffen: junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren
- Risiken: Altersarmut, langfristige Arbeitsmarktbenachteiligung
Experten sehen besorgniserregende Entwicklung
Fachleute des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts sprechen von einer Entwicklung, die strukturelle Ursachen hat. Der Fachkräftemangel auf der einen Seite und gleichzeitig wachsende Schwierigkeiten beim Berufseinstieg auf der anderen Seite wirken paradox – zeigen aber, dass Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt zunehmend auseinanderdriften.
Als mögliche Ursachen gelten unter anderem:
- Fehlende Passung zwischen schulischen Abschlüssen und betrieblichen Anforderungen
- Rückgang der Ausbildungsbereitschaft in bestimmten Branchen
- Regionale Ungleichgewichte zwischen verfügbaren Stellen und Bewerbern
- Zunehmende Unsicherheit bei Jugendlichen über geeignete Berufswege
Die unsicheren Zukunftsperspektiven, die Experten beschreiben, betreffen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Volkswirtschaft insgesamt: Eine Generation, die keinen Anschluss findet, fehlt als Fachkraft und als Beitragszahler in den Sozialsystemen.
Ausblick: Handlungsbedarf für Politik und Wirtschaft
Die aktuelle Entwicklung macht deutlich, dass der Übergang Schule – Beruf in Deutschland dringend besser begleitet werden muss. Sowohl politische Maßnahmen zur Stärkung der Berufsberatung als auch Initiativen der Wirtschaft zur Schaffung attraktiver Ausbildungsplätze sind gefragt.
Solange die NEET-Quote weiter steigt, bleibt der Befund eindeutig: Deutschland kann es sich angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels nicht leisten, einen wachsenden Teil seiner jungen Generation ohne berufliche Perspektive zurückzulassen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sollten als Weckruf verstanden werden – für Bildungspolitik, Unternehmen und Gesellschaft gleichermaßen.
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